"We Are Knitters" im Interview: Europas neue Masche

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Das Strick-Interview

Irgendwie haben sie es geschafft: statt fertiger Klamotte kauft Fashionista von Welt fesche Knäuel in den Farben "Lipstick Red" , "Space Black" oder "Magic Mint". Das US-Label "Wool and the Gang" verkaufte 2008 seine "Crazy Sexy Wool" mit witzigen Namen, hübsch präsentiert an ein paar szenigen Mädels, und Stricken war wieder Trend.

Die Spanier Pepita Marín (25) und Alberto Bravo (25) wollen jetzt Europa mit Style aus der Tüte beliefern. Ihr Fashion-Label "We Are Knitters" fertigt Knit-Kits, die neben Anleitung, Wolle und Nadeln, vor allem viele moderne DIY-Looks beinhalten.

Für uns legten die beiden Strickbegeisterten kurz die Nadeln nieder und sprachen über den wiederentdeckten Reiz an Handarbeiten , angesagte Maschen-Designs und die Beschaffenheit guter Wolle .

Warum ist Stricken wieder schick und trendy?

Das hat etwas mit unserer momentanen Lebensweise zu tun: das Internet, Smartphones, Computer, alles ist unpersönlich geworden. Beim Stricken erschafft man etwas mit den eigenen Händen und sieht sofort das Ergebnis. Dass Stars wie Sarah Jessica Parker oder Julia Roberts strickenderweise am Filmset gesichtet wurden, hat auch geholfen. Eine zeitlose Stilikone wie Audrey Hepburn strickte übrigens auch in einigen ihrer Filme!

Was ist die Symbolik des Strickens und der gesamten DIY-Bewegung? Geht es hier nur um Individualismus? Warum ist gerade das für junge Leute so bedeutend?

Das Selbermachen verhilft jungen Menschen dazu, stolz auf sich zu sein, sobald sie ein Stück fertig gestrickt haben. Außerdem ist es natürlich sehr individuell. Wenn man Freunden oder Verwandten etwas Selbstgemachtes schenkt, fühlt sich auch diese Person dadurch besonders und geliebt. Selbermachen ist nichts, was Menschen ganz selbstverständlich in ihren Alltag integrieren. Außer wir natürlich.

Wie entscheidend ist dieser DIY-Gedanke für eure Marke? Wie wichtig ist es für moderne Konsumenten?

Die DIY-Bewegung wächst jeden Tag. Somit wird diese Strömung auch immer wichtiger für eine steigende Anzahl Verbraucher. "We Are Knitters" ist zu 100 Prozent eine DIY-Marke. Wir geben jedem Kunden die Ausrüstung, aber stricken muss letztendlich jeder selbst.

Was beeinflusst eure Strick-Styles?

Unsere Looks sind sehr minimalistisch. Das Leben ist schon kompliziert genug, darum mögen wir schlichte Designs. Wir versuchen Stücke zu kreiren, die man mit seinem persönlichen Stil mixen kann. Ganz sentimental hat New York einen großen Einfluss auf unsere Arbeiten. Wir haben beide dort gelebt und jedes Knit-Kit ist benannt nach einem Gebäude, einer Avenue oder einem Park in der Stadt. NYC bleibt für immer in unseren Herzen!

Was ist die Idee hinter euren Knit-Kits?

Wir möchten es einfach halten, sodass viele Leute unsere Designs nachstricken können. Unsere Kits gibt es in verschiedenen Levels, vom absoluten Anfänger bis zum Fortgeschrittenen, aber auch die schwierigsten sind so gestaltet, dass sich auch Strick-Debütanten an die Anleitungen trauen können. Beanies, Snoods, Sweater, Schals, alles mit unserem Touch: der speziellen Wolle.

Wann habt Ihr gelernt zu stricken? Was hat euch gereizt?

Das war während unserer Zeit in New York. Der Trend war dort einfach so riesig, dass man gar nicht daran vorbei kam. Zu Beginn eher eine Art Zeitvertreib, wurde es schnell zur Leidenschaft. Und als wir feststellten, dass Stricken in Europa noch nicht derart ausgeprägt war, starteten wir "We Are Knitters".

Wie lange habt ihr gebraucht eure Technik zu perfektionieren? Was fiel euch am schwersten?

Um stricken zu lernen, braucht man Geduld und Übung. Knifflig ist es, die Handbewegungen zu verinnerlichen. Aber von dann an, läuft es von wie alleine!

Welches Stück strickt Ihr am liebsten?

Wir lieben Snoods. Sie sind unglaublich einfach zu stricken und toll zu tragen. Unser Lieblings-Schlauchschal in der Kollektion ist der "Soho's Snood". Ein weiterer Favorit ist das neue "Hudson Shirt", die kleinen Bobbles sind so schick und stylish.

Was ist euer Lieblingspart beim Designen?

Wir lieben es mit verschiedenen Techniken zu experimentieren. Es ist immer lustig zu sehen, was entstehen kann, sobald man verschiedene Handhabungen kombiniert. Manchmal wird was draus, manchmal eben nicht. Am meisten mögen wir Oversized-Entwürfe und mit dicker Wolle ist es ganz einfach solche Ergebnisse zu fertigen. Unser nächstes Ziel: Wolle mit verschiedenen Dicken zu mischen.

Welchen Strickdesigner bewundert ihr?

Wir sind große Fans von Stella McCartney. Sie ist schon immer eine große Inspiration. Und wir LIEBEN Balmains letzte Herbst/Winter-Kollektion. Eine super Idee, Strick mit Kristallen zu vereinen. Das Resultat ist exzellent. Im Streetwear-Bereich verfolgen wir das Label "Yooko". Ihre Designs sind unangestrengt cool.

Welches "We Are Knitters“-Stück hat das Zeug zum Klassiker?

Ein zukünftiges Basic unserer aktuellen Kollektion wird wahrscheinlich der "Soho's Snood" oder die "Sienna Beanie". Beide haben ein simples Design, welches viele begeistert.

Was war das außergewöhnlichste Teil, das jemand je aus eurer Wolle gemacht hat?

Wahrscheinlich das Stück einer Freundin, das sie vor einigen Monaten strickte. Sie ist total vernarrt in ihren Dalmatiner, also strickte sie ihm ein rotes Mini-Cape für den Winter. Der Hund sieht aus wie ein vier-pfotiges Rotkäppchen!

Was für Wolle beinhalten eure Kits? Herkunft, Look und Feel?

Unser Wolle kommt aus den Hochebenen Perus, ein Land bekannt für seine Top-Wollqualität. Dort herrscht ein spezielles Klima, außerdem sind die Bedingungen dort perfekt für die Schafe. Die Wolle ist sehr dick, also super und schnell zu stricken. Wir wählen außerdem nur natürliche Farben, anders als bei herkömmlicher Wolle. Das alles führt zu einem trendy, groben und weichen Gestrickten.

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