We love Berlin!

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Foto: Monika Neiheisser

Sportlich durch Berlin

Genauso facettenreich wie unsere Hauptstadt sind auch die Möglichkeiten, sie zu entdecken! Autorin Monika Neiheißer war im Laufschritt, per Rad und Waterbike in Berlin unterwegs.

So habe ich mich noch nie über eine rote Ampel gefreut. Endlich kann ich einen Moment durchatmen, bevor mich Mike mit einem „Auf geht’s, es ist grün!“ weiterscheucht. Aber exakt das wollte ich ja. Berlin im Laufschritt mit einem persönlichen Guide zu entdecken – das klang genau nach meinem Geschmack. „Sightrunning“ nennt sich diese Art, eine Stadt zu erkunden, und Mike lässt keinen Zweifel daran, dass er die Betonung auf „running“ legt.

Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Berlin zeigen wir in der Galerie >>

Während er mir die Highlights von Berlin Mitte zeigt, erzählt er mir zu jeder Sehenswürdigkeit eine kleine Geschichte – natürlich ohne auch nur im Geringsten außer Atem zu kommen. Ich nicke tapfer zu seinen detaillierten Beschreibungen und versuche, Schritt zu halten. Am Alexanderplatz wirft Mike mir einen kurzen Seitenblick zu und drosselt das Tempo. „Die Kinder haben gelernt, dass der Fernsehturm genauso hoch ist, wie das Jahr Tage hat“, erzählt er. Bei der Restaurierung des Turms im Jahr 1997 wurde seine Antenne mit einer drei Meter hohen Spitze versehen, seitdem ist er mit seinen 368 Metern das höchste Bauwerk Deutschlands.

Auf einer ruhigen Nebenstraße laufen wir nun zur Museumsinsel. Hier liegen gleich fünf Museen nah beieinander und ich würde mich am liebsten zu den Sonnenhung­rigen im Lustgarten des Alten Museums gesellen. Doch Mike steuert zielsicher zu einem der hohen Mietshäuser, die sich an der Spree aneinanderreihen, zeigt auf einen Klingelknopf und sagt: „Hier wohnt Angela Merkel.“ Ich bin sprachlos. Hier lebt die Bundeskanzlerin? Ich hätte eher mit einer Villa im Nobelviertel Grunewald gerechnet.

Wenig später erreichen wir das Brandenburger Tor. Als wir hindurchlaufen, fühlt sich das sehr erhebend an – kein Ort symbolisiert für mich die Wiedervereinigung besser. Ähnlich beeindruckend baut sich das Kanzleramt vor unseren Augen auf. Der Glaspalast gilt mit 12.000 Quadratmetern als eines der größten Regierungshauptquartiere der Welt, es ist achtmal so groß wie das Weiße Haus in Washington.

Auf Mauertour

Nach unserer zehn Kilometer langen Sightrunning-Runde setze ich meine Spurensuche entlang der Mauerreste etwas bequemer auf dem Fahrrad fort. Auf ruhigen Wohnstraßen fahre ich mit meiner achtköpfigen Gruppe und Guide Kai zwischen gepflegten gelb, blau und grün gestrichenen Altbauten durch das Viertel Prenzlauer Berg. Kaum zu glauben, dass der einst ärmste Bezirk Ostberlins heute einer der coolsten Stadtteile mit Bioläden, Filterkaffee-Bars und Yoga­studios ist.

„Nirgendwo liegt die Hipster­familien-Quote höher als hier“, sagt Kai lachend und hält an einer Eisdiele an. „Vor dem Mauerfall hatten wir nur Vanille-, Schoko- und Erdbeereis. Nach der Wende gab es plötzlich ganz viele Sorten und ich wollte mir vom Begrüßungsgeld der Regierung alle kaufen. Es wären 30 Kugeln gewesen, doch meine Mutter hat es leider nicht erlaubt.“ Heute entscheidet er sich für Wiener Mandel, Waldmeister und Bounty. Ich genieße Malaga und Pistazie. Eine gute Stärkung, bevor wir einen steilen Hügel in Angriff nehmen.

Da mein Leihbike keine Gänge hat, gehe ich aus dem Sattel und wuchte es bergan – puh, endlich sind wir oben! Die ersten Mauerreste kommen in Sicht. Mächtig und mahnend erscheint die knapp drei Meter hohe und 140 Meter lange Hinterlandmauer, die einst die Grenze zwischen Prenzlauer Berg und dem Wedding bildete. Heute ist sie ein Open-Air-Gemälde, das von Graffitikünstlern täglich neu gestaltet wird. Sie begrenzt den Mauerpark, der sonntags ein riesiges Freilufttheater mit Sängern, Slacklinern und Straßenkünstlern ist.

Nicht weit entfernt liegt die Gedenkstätte Bernauer Straße, der einzige noch originalgetreu erhaltene Mauerabschnitt mit Wachturm. Hier ist nichts mehr bunt und die graue Betonfront wirkt auch heute, 25 Jahre nach dem Mauerfall, noch bedrückend. An diesem Punkt endet unsere dreistündige Radtour , ich mache mich auf den Weg zum „Beachmitte“ in der Nähe des Nordbahnhofs, der größten innerstädtischen Outdoor-Beachvolleyballanlage Europas. Bei einer Piña Colada an der Strandbar verfolge ich ein Fun-Turnier, in dem die Spieler unter blauem Himmel bei mediterranen Temperaturen durch den feinen weißen Sand hechten, um den Ball zu baggern und zu pritschen.

Perspektivwechsel

Am nächsten Tag zieht es mich raus aus der Stadt auf die Spree. Die S-Bahn bringt mich in einer Stunde nach Hangelsberg, östlich von Berlin. Hier gibt es Waterbikes zu mieten, mit denen man übers Wasser strampeln kann. Der Tretwiderstand ist natürlich höher als auf einem normalen Rad und ich nähere mich nur langsam wieder der Hauptstadt, obwohl ich flussabwärts fahre. Schwäne kreuzen meinen Weg und eine kleine Entenfamilie begleitet mich ein Stück.

Entspannt und müde lasse ich mich, zurück in Berlin, von einem Großplakat der Veganen Gesellschaft Deutschland zu einem Abendessen auf Pflanzenbasis inspirieren. Das Restaurant „La Mano Verde“ im „Kempinski Plaza“ in der Nähe des Kurfürstendamms ist die Adresse für Feinschmecker. Hier kommt auch Angela Merkel auf einen Smoothie vorbei, bevor sie zum Starfriseur Udo Walz nebenan geht.

Ich probiere einen Wildkräutersalat mit Algen aus fünf Meeren und Gartenlasagne, die aus mariniertem Gemüse mit Cashews, Walnüssen und Tomatencreme-Schichten besteht. Einfach köstlich! Inhaber Jean-Christian Jury aus Toulouse erklärt mir: „Sämtliche Zutaten sind bio und werden für die meisten Speisen nur auf 42 Grad Celsius erhitzt, so bleiben alle Nährstoffe erhalten.“ Er möchte die Menschen zum Umdenken bewegen und hat hohe Ziele: Berlin soll Europas Hauptstadt der Veganer werden.

Schon jetzt verfügt die Stadt über ein großes Angebot an veganen Essens- und Einkaufsmöglichkeiten. Zum Abschluss meiner Reise bummele ich noch durch die Hackeschen Höfe und besuche die Editionsgalerie Lumas. Hier prallt ein Mix aus Werken zeitgenössischer Künstler und Fotografien aller Stilrichtungen aufeinander. Was richtungslos wirkt, ist Konzept.

Die Vielfalt in der Galerie soll ein breites Publikum anziehen, das Kunst zu erschwinglichen Preisen erstehen kann. Das Gemälde „Berlin Pin“ der Künstlerin Sandra Rauch, das den schwarzen Berliner Fernsehturm in einer schrillbunten Umgebung zeigt, gefällt mir auf Anhieb, das muss als Mini-Edition in der Größe 25 mal 25 Zentimeter mit ins Reisegepäck. Nichts könnte mich besser an das wunderbar kontrastreiche Berlin erinnern.

„Berlin inspiriert mich immer wieder zu neuen Rezeptideen!“

Monika Neiheißer: Herr Hildmann, was ist für Sie das Besondere an Berlin?Attila Hildmann: Ich liebe die Kreativität hier! Die Menschen sind sehr aufgeschlossen, da kann man sich auch mal was trauen und vorantreiben. Die vegane Community zum Beispiel kommt aus der ganzen Welt und trifft sich hier.

Sie sind in der Stadt viel mit dem Rad unterwegs. Warum?Ich wäge bei jeder Strecke ab, ob ich sie nicht radeln kann. Bei dem dichten Verkehr in Berlin bin ich so oft schneller, außerdem hält es mich fit und ich verbessere ganz nebenbei meine Kondition. Alle, die schlank sein wollen, sollten regelmäßig Rad fahren. Jede Strecke zählt!

Haben Sie einen Geheimtipp für Veganer in Berlin?Das „Café Vux“ in der Wippertstraße in Neukölln bietet eine sehr spannende Auswahl an hausgemachten Kuchen und Torten. Meine Lieblingstorte ist dort Schwarzwälder Kirsch, die sollte man unbedingt probiert haben.

Reisetipps für Berlin

Anreise: Drei-Tages-Trip mit der Deutschen Bahn, inklusive 400 km Bahnfahrt 2. Klasse, 3 Ü/F ab 189 Euro, www.bahn.de; Flug ab München mit Air Berlin ab 118 Euro, www.airberlin.com

Reisezeit: Ganzjährig. Besonders schön von Mai bis Oktober.

Sportliches: Joggingrunde entlang der Sehenswürdigkeiten Berlins (für geübte Läufer) ab 60 Euro pro Stunde, Mike’s Sight-running, www.mikes-sightrunning.de. Mauerradtour ab 15,50 Euro, circa 3 Stunden, www.berlinonbike.de. Beach-Volleyball im „Beachmitte“, samstags Fun-Turniere für jedermann, Courtmiete ab 12 Euro pro Stunde, www.beachberlin.de. Waterbike mieten, 40 Euro pro Tag, www.kanu-spree.de. Floßfahrt auf der Spree, 3 Stunden 80 Euro, www.flossundlos.de. Skaten auf dem Flughafen Tempelhof, www.tempelhoferfreiheit.de

Genießen: Veganes Restaurant für Feinschmecker „La Mano Verde“, www.lamanover deberlin.com. Cafélounge und Club am Hackeschen Markt, 24 Stunden geöffnet, „am to pm“, www.amtopm.de. Lumas, Editionsgalerie in den Hackeschen Höfen, www.lumas.de. Eis essen in Pankow, Prenzlauer Berg, www.rosacanina.eu

Unterkunft: Sport & Spa- Hotel „Aspria“ am Ku’damm mit über 190 Fitnesskursen und 25-m-Sportpool, DZ/F ab 99 Euro, www.aspria-berlin.de

Infos: Berlin Tourismus & Kongress, www.visitberlin.de

Tipps für Sport unter freiem Himmel gibt's hier >>

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