Weihnachten als Beziehungskiller: So schaffen es Paare aus der Krise

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Liebe und Frieden? Fehlanzeige! Gerade an Weihnachten fliegen bei vielen Paaren oft die Fetzen.
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Stress, falsche Erwartungen und Streitigkeiten statt Harmonie pur

Weihnachten gilt als Fest der Liebe. Doch für viele Paare entpuppt sich die schönste Zeit des Jahres als Albtraum. Woran das liegt und was Sie dagegen tun können.

Text: Julian Schmidt

Von wegen Ruhe und Besinnlichkeit! Gerade zu Weihnachten wird die Beziehung von Paaren oft auf eine harte Probe gestellt. Schon die Vorweihnachtszeit hält jede Menge beziehungsgefährdende Faktoren bereit: Der Partner bricht in Panik aus, weil ihm die zündende Idee für das passende Geschenk fehlt, die Partnerin gerät bei der Planung zum perfekten Weihnachtsfest unter Zeitdruck und dann müssen im Vorfeld auch noch alle Familienbesuche unter einen Hut gebracht werden.

Warum dann spätestens Heiligabend das Fass endgültig überläuft, weiß Bettina von Schorlemer, Paar- und Familientherapeutin aus Frankfurt am Main:

„Die meisten Paare haben im Jahr, abgesehen vom gemeinsamen Urlaub, selten einen derart hohen Anspruch an ein Ereignis, wie an das Weihnachtsfest. Alles muss richtig schön werden, einfach perfekt“, so die Expertin. Grund dafür: Besonders in den Medien, aber auch innerhalb des eigenen Umfelds werden uns pausenlos glückliche Paare und fröhliche Familien mit mindestens drei Generationen präsentiert. Jeder strahlt, ist festlich und wunderschön gekleidet, alle freuen sich darüber, zusammen zu sein und es gibt die tollsten Geschenke.

Problematisch: Wenn die eigenen Vorstellungen und Wünsche von der Realität abweichen

„Oft sieht die Realität ganz anders aus“, erklärt Bettina von Schorlemer. Vielleicht leben nicht mehr alle Elternteile des Paares – das macht gerade an Weihnachten traurig. Darüber reden möchte niemand. Schließlich soll die Stimmung nicht verdorben werden. Nicht selten gibt es Familienangehörige, die sich gegenseitig die Augen auskratzen möchten. Wenn ein Paar versucht, hier die Wogen zu glätten, ist Streit meist vorprogrammiert. „Oder es gibt Kinder, die gar nicht daran denken, sich festlich anziehen zu wollen. Stattdessen verblüffen sie mit ihren zerrissenen Lieblingsjeans. Andere Familienmitglieder können dies zum Anlass für Kritik am Erziehungsstil des Paares nehmen“, sagt die Therapeutin.

Unausgesprochene Erwartungshaltungen sorgen für Missmut

Der zweite Hauptgrund für Streit an Weihnachten: Paare sind sich viel zu selten der Aufgaben, die ein anspruchsvolles Fest wie Weihnachten erfordert, bewusst. Statt Aufgabenteilung erwartet jeder vom anderen – ohne direkte Klärung – was dieser tun soll: Weihnachtsbaum kaufen, aufstellen, schmücken. Es muss eingekauft und Essen vorbereitet werden, Geschenke wollen besorgt, verpackt und mit Schleifen versehen sein. Kommen Gäste, steht Bettenbeziehen auf dem Programm. Das Bad braucht noch eine Komplettreinigung, die jeweiligen Vorlieben und Abneigungen der Gäste beim Essen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Es gibt Kirchgänger und solche, die den späten Weihnachtsfilm im Fernsehen anschauen wollen.

So vermeiden Sie im Vorfeld Konflikte unterm Weihnachtsbaum

Weihnachten kommt nie plötzlich, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Je früher Sie folgenden Fragen gemeinsam auf den Grund gehen, desto besser: Wie wollen wir als Paar dieses Jahr Weihnachten feiern? Was ist uns wichtig? Wie kann es gelingen, dass wir möglichst viel von dem, was Familienangehörige von uns erwarten, umsetzen? Ist das geklärt, schaffen Sie sich Raum für all die Momente, die nicht planbar sind oder nicht ganz so viel Spaß machen. So ziehen Sie an einem Strang und stecken Flops leichter weg. Feste Absprachen sorgen für Sicherheit, Verlässlichkeit und das Gefühl: Beide Partner wollen dasselbe. Überlegen Sie sich, wer von Ihnen welche Aufgaben übernimmt und bis wann diese fertig gestellt sein sollen. Wichtig: Kleine Auszeiten einplanen. Wann haben Sie als Paar einmal Zeit nur für sich? Sei es, eine Stunde mit dem Hund spazieren zu gehen oder einen gemeinsamen Mittagsschlaf zu halten. Solche Miniauszeiten müssen fest eingeplant werden – und beide Partner müssen sich daran halten.

Im Falle einer weihnachtlichen Krise

Mit diesen Tipps können Paare doch noch harmonische Weihnachtstage miteinander verbringen:

Idealerweise beschließen Sie und Ihr Partner: Unser Miteinander ist uns wichtiger als perfekte Weihnachten. Das erlaubt es Ihnen, erst einmal allen Stress zu vergessen und sich miteinander zu beschäftigen. Wie wär’s mit einem ruhigen, ungestörten Abend, anstatt weiter zu organisieren, zu rennen und zu planen? Bettina von Schorlemers Rat: „Bestellen Sie sich einen Tisch im Lieblingsrestaurant oder unternehmen Sie einen Winterspaziergang und reden Sie miteinander über das, was Sie gerade stört.“ Machen Sie sich über diese Fragen Gedanken: Was brauche ich vom anderen? Was ärgert mich? Was wünsche ich mir von meinem Partner? Ist das Problem lösbar, steht einer Versöhnung nichts im Wege und Sie können anschließend planen, wie das Fest weiter gestaltet wird. Kann das Problem nicht ausreichend geklärt werden, legen Sie das Thema in Ihre „geistige Ablage“, um es nach dem Fest zu klären. Am besten wählen Sie dafür gleich Zeit und Ort. Paare, die eine erprobte Streitkultur haben, werden sich dann noch versichern, dass der Ärger nichts an den eigentlichen Gefühlen zum Partner verändert. Auch, wenn man wütend ist, möchte man die Beziehung und keine Trennung.

Erste Hilfe bei weihnachtlichen Beziehungskrisen

Die Weihnachts-Notfallhotline der Paarberater des Verbandes psychologischer Berater:

Oft hilft schon ein Gespräch mit einem Paarberater, um wieder Achtung, Respekt und gegenseitiges Verständnis zu erlangen. Die Paarberater des Verbandes psychologischer Berater haben dafür eine Notfallhotline eingerichtet: 0176-808 46 600. Die Hotline ist vom 23. Dezember 19 Uhr bis 28. Dezember 2014, 24 Uhr besetzt. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.verband-psychologischer-berater.de

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