Weißes Porzellan

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Ein erlesener Genuss in Tropfenform: Das edle Frühstücks-Set "Berlin" besteht aus Kaffeebecher, Beilagenschälchen und ovaler Platte, KPM
Foto: KPM

Mag sein, dass Scherben Glück bringen. Doch edles Porzellan ist viel zu kostbar, um zu Bruch zu gehen. Wir haben spannende Details über eines der wertvollsten Kulturgüter der Welt zusammengetragen und waren zu Besuch in einer Porzellan-Klinik

Chinesen waren die ersten, die Porzellan herstellten; da sind sich alle Experten einig. Allerdings streiten sie, ob das vor 3000 oder erst vor 1300 Jahren geschah. Nach Europa gelangte das kostbare Gut dann im 13. Jahrhundert, mit Kaufleuten wie Marco Polo. Doch wie die begehrte Handelsware hergestellt wurde, verrieten die Asiaten nicht. Dem Geheimnis kam erst Johann Friedrich Böttger auf die Spur. Der Alchemist hatte vor rund 400 Jahren vom sächsischen Kurfürst August dem Starken den Auftrag erhalten, reines Gold zu fertigen. ln der Hoffnung, auf die Rezeptur zu stoßen, mischte Böttger 1706 in der Meissener Albrechtsburg Ton, Quarz und Feldspat zusammen. Was herauskam, war kein Gold, sondern ein Geschirrklassiker: Böttgersteinzeug ist heute noch ein Verkaufsschlager. 1707 gelang es Böttger dann gemeinsam mit dem Gelehrten Ehrenfried Walther von Tschirnhaus etwas herzustellen, was kaum weniger begehrt war als Gold – Porzellan, schneeweiß und lichtdurchlässig, zart und doch hart. Der Kurfürst war entzückt. Zwei Jahre später wurde die erste europäische Manufaktur gegründet, die heutige "Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen". Zahlreiche Unternehmen folgten, vor allem in Thüringen, Oberfranken und Schlesien. Einige davon bestehen sogar heute noch. Zunächst blieb Porzellan eine Rarität, die nur adelige Tafeln krönte. Aus den feinen Tassen wurden die modischen Luxusgetränke Kaffee und Kakao geschlürft. Doch bald schon löste Porzellan auch das Gold- und Silbergeschirr ab, rückte auf zum Inbegriff für Tischkultur und überwand schließlich alle Klassenschranken.

Das sogenannte "Weiße Gold" gehört zur Familie der Feinkeramik, wie etwa auch Steingut, Steinzeug oder Bone China. Geformt und gebrannt wird es aus Gesteinsarten, deren Ursprung auf Granit zurückgeht, einem der härtesten Erdelemente. Wenn Granit verwittert, entsteht zum Beispiel "Kaolin", auch Porzellanerde genannt. Daraus besteht das bei uns übliche Porzellan zu etwa 50 Teilen, die andere Hälfte teilen sich Feldspat und Quarz. Kaolin ist ein echter Bodenschatz: Er bewirkt die enorme Porzellanhärte und schenkt ihm seine schneeweiße Farbe.Um Gestalt anzunehmen, wird die flüssige Porzellanmasse in Formen gegossen und getrocknet. Der Rohling, der so entsteht, wird zweimal gebrannt, zuerst bei 900 ° bis 1000 °C. Was aus dem Brennofen kommt, ist dann der "Scherben", ein noch poröses Keramikobjekt, das beim zweiten Brand glasiert wird. Die Temperatur klettert dabei auf 1450 °C. Dabei schmilzt die Glasur wie Eis in der Sonne und überzieht den Scherben mit einer schützend harten Schicht.

Mit Rosen dekoriert oder friesisch blau bemalt – Farbe bekommt Porzellan durch Aufglasur- und Inglasurdekoration. Wie der Name verrät, werden entweder ein Foliendruck oder handgemalte Muster aufgeschmolzen. Diese Fertigung gilt als empfi ndlich. Ist das Tassenoder Tellerdesign hingegen von einer harten Glasurschicht bedeckt, ist es robust und spülmaschinenfest. Je nach Verfahren folgen ein oder mehrere Dekorbrände. Damit sich das Muster fest mit der Glasur verbindet, erhalten hochwertige, handbemalte Objekte sogar mehr als fünf Zwischenbrände, und zwar bei einer Temperatur von 850 °C.

Bei echtem Porzellan glänzt die Oberfläche, sein Klang ist hell und rein. Halten Sie zur Prüfung das Geschirr gegen die Sonne oder eine Lampe: Licht schimmert nur durch echtes Porzellan, durch keine andere Keramik. Die Bruchfläche von echten Porzellanscherben ist zudem glatt und wasserabweisend. Die Zunge kann das testen. Bleibt sie an der Fläche haften, statt glatt darüber zu gleiten, handelt es sich um ein anderes Keramikprodukt.

Als Marco Polo mit seinem weißen Schatz aus China heimkehrte, vermuteten die Italiener, Porzellan sei aus den zerstoßenen Schalen von Schneckenhäusern gemacht. Denn das zerbrechliche Material erinnerte sie an die Muscheln der Seeschnecke, die "porcellana" genannt wurde. Davon abgeleitet ist das Wort Porzellan.

Dekore mit Goldrand (Glanzgold) sind meist mit Aufglasur hergestellt und sollten von Hand gespült werden. Ausnahme: Beschichtungen aus Mattgold (Poliergold). Sie vertragen die Spülmaschine. Ist ein Porzellan nicht als "spülmaschinenfest" gekennzeichnet, sollten Sie es wie eine Antiquität behandeln und nur behutsam von Hand spülen – Scheuermittel und Schwämme mit kratziger Oberseite sind absolut tabu. Wenn sich in der Glasur von Tassen, Tellern und Schüsseln feine Haarrisse zeigen, werden sie am besten gleich nach Gebrauch gespült, damit stark färbende Getränke wie Tee oder Kaffee sowie Lebensmittel wie Rotkraut, Curry und andere Gewürze keine dauerhaften Spuren im Material hinterlassen.

Lust auf Porzellan, interessiert an seiner Fertigung oder neugierig auf seine Vergangenheit? Dann reisen Sie nach Oberfranken, eine der bedeutendsten Porzellanregionen Europas! Dort zeigt das Porzellanikon Selb in einer stillgelegten Rosenthal-Fabrik neben feinstem Geschirr auch die industrielle Verarbeitung: historische Rundöfen, das Modellieren, Formengießen und Drehen. Im benachbarten Hohenberg werden 12 000 kunstvolle Porzellanarbeiten in der ehemaligen Direktorenvilla des weltbekannten Familienunternehmens Hutschenreuther ausgestellt. Übrigens: Im Porzellanikon können Porzellansammler auch private Kostbarkeiten begutachten und schätzen lassen.

Porzellanikon Selb, 95100Selb, Werner-Schürer-Platz 1,Tel. (0 92 87) 91 80 00, www.porzellanikon.org

Wie wäre es mal mit einer Porzellan- statt Weinreise? Tipps und Adressen für feinste Keramiksammlungen, für Manufakturen und Künstlerateliers in Thüringen und anderen bekannten Regionen finden Porzellanfans unter www.thueringer-porzellanstrasse.de oder www.porzellanstrasse.de

Soll Ihr kostbares Geschirr mit umziehen oder eine Vase als Geschenk weite Strecken zurücklegen? Dann heißt es: Jedes Teil einzeln und mit viel Papier umwickeln. In der Kiste sollten die Teller, Tassen und Kannen nicht direkt übereinander oder mit den Henkeln eng aneinandergedrückt transportiert werden, sonst gibt es Scherben. Reichlich Plopp-Folie oder Schaumstoff polstert das Paket. Sicher verpackt, können Sie es sogar per Post verschicken.

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