Welche Teile dürfen im Schrank bleiben?

maxi matus schrank

Foto: Anoushka Matus für MAXI

Stil-Kolumne

Maxi-Autorin Marlene Sørensen klärt Fragen des guten Geschmacks. Natürlich äußerst subjektiv. Dieses Mal geht's um: Kleidertrennung

Es ging damit los, dass vor ein paar Tagen die Kartons für den Umzug geliefert wurden - 25 Stück für zwei Zimmer gesammeltes Leben. Ich dachte, vielleicht sortiere ich erstmal die Modezeitschriften durch, denn mit irgendwas muss man ja anfangen und mit dem Kleiderschrank sicher nicht.

Bei Kleidern bin ich sentimentaler als eine Bette-Midler-Schnulze.

Und ähnlich unrealistisch. Ich kann nichts wegwerfen, nicht mal das T-Shirt, das seit drei Jahren mit einem Rotweinfleck auf der Brust im obersten Regal liegt. Kann ja sein, dass irgendwer mal einen Industriereiniger erfindet, mit dem der Fleck rausgeht.

In einer der Modezeitschriften stand, dass man alle Kleider entsorgen soll, die man länger als ein Jahr nicht getragen hat. Aha. Demnach könnte ich 17 von 20 Jeans sofort aussortieren.

Andererseits: Habe ich nicht letztens meine alte Schlaghose gesucht, die ich wohl doch weggegeben hatte und musste mir deshalb die 21. Jeans kaufen? Und meinen Trenchcoat habe ich seit drei Jahren und werde ihn sicher noch die nächsten 15 tragen. Nach diesem Prinzip komme ich also nicht weiter.

Zur Sicherheit alles nochmal anprobieren!

Vielleicht mit diesem: alles, bei dem ich mir unsicher bin, noch mal anprobieren. Wenn ich länger als fünf Minuten drüber nachdenke oder fünf Kilo abnehmen müsste, um reinzupassen: weg damit. Als erstes fliegen bauchfreie Rollkragenpullover (?), diverse Faltenröcke (!), eine rot gemusterte Bluse, bei deren Anblick mir schwindelig wird, und einige Strandkleider, die noch nie einen Strand gesehen haben und auch nie einen sehen werden, raus. Ebenso alles, in dem ich aussehe wie eine MTV-Moderatorin um 1997.

Diese Art des Ausmistens erfordert eine gewisse Gnadenlosigkeit.

Und Ausdauer. Nach zwei Stunden Anprobe liege ich schlapp vor Lachanfällen zwischen Babydolls, Leggings und - wahhh! - weißen Leinenhosen auf dem Boden. Wussten Sie zum Beispiel, dass man mit einem kordeldünnen Glitzerschal nicht etwa aussieht wie Kate Moss, sondern wie ein Truthahn am Strick? Köstlich! Oder dass man in einem Tubetop die Schultern einer ungarischen Schmetterlings-Schwimmerin hat?

Zum Schreien! Im Delirium ziehe ich ein letztes Mal meinen Schlapphut auf und den Cord-Minirock an - und treffe mich mit einer Freundin zum Kaffee. Sie beruhigt sich erst wieder, als ich ihr versichere, dass ich beides entsorgen werde.

Mein Kleiderschrank ist jetzt halb leer, aber dafür voller Sachen, die ich wirklich trage.

Und einige, die ich nie wieder anziehen werde, aber niemals hergeben könnte, blieben auch. Ein verwaschenes grünes T-Shirt - Sommer 94, das Abschiedsgeschenk von der ersten großen Liebe. Ein Armee-Parka - jahrelang meine Lieblingsjacke. Cowboystiefelchen mit Pythonmuster. Die Sohle hat sich abgelöst, das Leder ist aufgeplatzt, aber wie einen alten Schnappschuss kann ich auch die nicht wegwerfen, nur weil sie ein bisschen vergilbt sind.

Für die ist noch Platz. Und jetzt mach ich den letzten Karton zu. Tschüss.

Nie machen: lassische Teile aussortieren. Trenchcoats, weiße Hemden und Wickelkleider kommen nie aus der Mode. Im Herbst z. B. wieder sehr angesagt: der Blazer und das kleine Schwarze (nicht zwingend zusammen)

Unbedingt machen: Saison-Trends entsorgen. Aus diesem Sommer: Sternchendrucke, 80er-Farben, Babydoll-Kleider.

Nicht vergessen: Je gründlicher man aufräumt, umso mehr Platz für Neues!

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