Welchen Einfluss Berührungen wirklich auf uns haben

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Eine Umarmung als Medizin? Tatsächlich können Berührungen heilen.
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Die Macht der Berührung: Körperkontakt und seine Wirkung

Ein Händeschütteln hier, ein Schulterklopfer da – zu sämtlichen Situationen suchen wir unterbewusst Nähe. Wie sehr Berührungen uns und unseren Körper tatsächlich beeinflussen, merken wir nur selten!

Anfang nächsten Jahres ist es wieder soweit – am 21. Januar ist Weltknuddeltag. Dass dem Kuscheln sogar ein ganzer Tag gewidmet ist, zeigt wie wichtig Berührungen eigentlich für unser Leben sind. Obwohl wir Körperkontakt im Alltag gar nicht als etwas Besonderes ansehen, hat unser Körper eine ganz spezielle Beziehung zur Nähe. Nur wenigen ist bewusst, welchen Einfluss Berührungen auf uns haben – und dass sie sogar lebensrettend sein können.

1. Die Känguru-Methode

Die Bedeutung von Körperkontakt macht sich schon bei der Geburt eines Menschen bemerkbar. Für uns ist es ganz normal, ein weinendes Baby auf den Arm zu nehmen, um es zu trösten. Dass hierbei aber insbesondere der Körperkontakt der Faktor ist, der ein Kind beruhigt, dem schenken wir nur wenig Beachtung. Dabei kann eine Umarmung Leben retten. Das beweist zum Beispiel die Känguru-Methode. Wenn Babys als Frühchen zur Welt kommen, werden sie oft wie durch ein Wunder stabil, wenn die Mutter sie im Arm hält. Der direkte Körperkontakt spielt eine erhebliche Rolle für die Genesung, denn erst durch das dabei ausgeschüttete Oxytocin werden Hirnreifung und Wachstum angeregt!

2. Berührungen können gegensätzlich wirken

Auch wenn Umarmungen eine schöne Geste sein sollen, können sie bei bestimmten Menschen negativ wirken. Bei Personen, die in der Vergangenheit keine Erfahrungen mit Nähe gemacht oder Gewalt erlitten haben, werden bei Berührungen Stresshormone wie Cortisol ausgeschüttet. Gleichzeitig wirkt Körperkontakt auf andere Menschen, die positive Erfahrungen mit Nähe gemacht haben, genau gegensätzlich: Hier wird das Cortisol, das das Immunsystem schwächen kann, unterdrückt. Stattdessen werden sogar Botenstoffe freigesetzt, die die Abwehrreaktion stärken. Eine Umarmung kann sich also positiv auf eine Erkrankung auswirken und diese sogar heilen!

3. Ohne Nähe verkümmern wir

Mehrere Studien belegen, dass Berührungen lebenswichtig sind. So hat man herausgefunden, dass sich Tierbabys, die mit ausreichend Nahrung versorgt sind, aber keinen Körperkontakt erfahren, nicht weiter entwickeln und sogar sterben können. Die Erfolge der Känguru-Methode legen nahe, dass diese Feststellung auch auf den Menschen übertragbar ist.

4. Körperkontakt macht uns risikofreudig

In einer Studie wurden Männer in Bezug auf ihre Risikobereitschaft getestet. Das Ergebnis war eindeutig: Testpersonen, die vor dem Versuch von einer Frau begrüßt wurden und dabei Körperkontakt zu ihr hatten, zeigten sich deutlich risikofreudiger. Die Erklärung führt in die Kindheit zurück, in der die Berührung der Mutter für uns Sicherheit ausstrahlte. Wenn ein Mann also vorher die Hand einer Frau schüttelt, geht er selbstbewusster in eine Entscheidung.

5. Eine Berührung beeinflusst unser Urteilsvermögen

Der Arzt drückt dir ermunternd den Arm, während er ein Medikament verschreibt? Diese Handlung geschieht bei dem einen oder anderen Mediziner sicher bewusst. Wenn wir jemanden während einer Anweisung berühren, führen wir diese gewissenhafter aus. Das belegt eine Studie , bei der Patienten ihre Medikamente tatsächlich regelmäßiger nahmen, nachdem der Arzt ihnen den Arm drückte.

6. Berührungen wirken wie eine Droge

Wenn wir einen uns nahestehenden Menschen umarmen, wird das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet. Allein durch den Körperkontakt fühlen wir uns augenblicklich wohl. Auch die Produktion des Bindungshormons Oxytocin wird angeregt. Letzteres wird aus diesem Grund auch Kuschelhormon genannt und kann sogar vor Fremdgehen schützen. Denn Oxytocin wird nur bei einer sehr starken Bindung ausgeschüttet. Es verlangsamt die Atmung, entspannt die Muskeln und beruhigt uns. Dieses Gefühl möchten wir immer wieder erfahren – es treibt uns also wie eine Droge an, das Belohnungssystem im Gehirn erneut zu stimulieren – und das funktioniert am besten in den Armen unseres Partners.

(ww4)

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