Welches ist das richtige Schmerzmittel?

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Es gibt so viele unterschiedliche Schmerzmittel - doch welches eignet sich wann am besten?
Foto: Robert Kneschke, fotolia

Hexenschuss, Migräne oder Regelschmerzen - rund 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden hin und wieder unter starken Schmerzen. Zum Glück gibt es heute viele Medikamente, die wirksam gegen die Beschwerden helfen. Doch welches Mittel ist wann am besten geeignet? Und was ist mit möglichen Nebenwirkungen?

Grundsätzlich gilt: Gegen Fieber wirken alle Substanzen. Bei Entzündungen sind Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac eine gute Wahl, gefolgt von Acetylsalicalsäure. Paracetamol dagegen wirkt nur sehr gering bei Entzündungen. Zudem sollte man jedes Medikament auch nur im Akut-Fall einsetzen. Wer längere Zeit darauf angewiesen ist, sollte die richtigen Schmerzmittel nur nach Beratung und regelmäßigen Untersuchungen beim Arzt einnehmen. Auch über Wechselwirkungen mit anderen Arzneien berät im Zweifel der Arzt beziehungsweise Apotheker.

ASS*

  • Präparate: Der Klassiker ist Aspirin. Hinzu kommen ASS-Hexal, ASS-ratiopharm, Alka-Seltzer, ASS Heumann.

  • Anwendung: Acetylsalicylsäure (kurz: ASS) wirkt fiebersenkend. Bewährt auch bei leichter bis mittelschwerer Migräne, Kopf-, Zahn- und Gliederschmerzen.

  • Gefahren: Die Säure verändert die Blutgerinnung und sollte daher zehn Tage vor OPs abgesetzt werden. Vorsicht auch bei Asthma: ASS kann Anfälle provozieren und langfristig den Magen angreifen.

  • Extra-Tipp: Acetylsalicylsäure kann die Magenschleimhäute reizen. Wer empfindlich reagiert, sollte "magenneutrale" Wirkstoffe wählen, z. B. Paracetamol und grundsätzlich bei der Einnahme viel Wasser trinken.

Ibuprofen

  • Präparate: Bekannt sind unter anderem: Dolormin, Aktren, Ibu-ratiopharm, Spalt Liquia Kapseln.

  • Anwendung: Gehört zur Gruppe der Rheumamittel, die kein Kortison enthalten (medizinisch: nichtsteroidale Antirheumatika, kurz NSAR). Hilft niedrig dosiert auch bei Regelbeschwerden und Zahnschmerzen.

  • Gefahren: Kann den Blutdruck ansteigen lassen und so das Herz belasten. Eine Dauertherapie erhöht das Risiko für Magen-Darm-Blutungen. Mögliche Nebenwirkungen sind auch Allergien (Hautausschläge) beziehungsweuse Schwellungen (Ödeme).

  • Extra-Tipp: Da Ibuprofen die Blutgerinnung kaum beeinflusst, stellt es zum Beispiel bei Zahn-OPs kein Risiko für die Wundheilung dar. Auch bei Menstruationsproblemen ist es effektiv.

Diclofenac

  • Präparate: Medikamente mit dem Wirkstoff Diclofenac gibt es in Tabletten- und Gelform: zum Beispiel Voltaren, Diclac Dolo, Diclofenac ratiopharm.

  • Anwendung: Diclofenac gehört ebenfalls zur NSAR−Gruppe. Hilft u. a. bei Rheuma, Gicht, Arthrose, Hexenschuss, Sportverletzungen, aber auch bei stärkeren Zahn- oder Regelbeschwerden.

  • Gefahren: Meist drohen Magenschmerzen, Durchfall oder in Einzelfällen sogar eine Magen-Darm-Blutung. Daher sollten magenbelastende die richtigen Medikamente und Präparate grundsätzlich besser nur kurzfristig eingenommen werden.

  • Extra-Tipp: Da die Arznei auch zu Schwindel und Müdigkeit führen kann, sollten Autofahrer im Zweifel besser den Wagen stehen lassen.

Paracetamol

  • Präparate: Paracetamol steckt unter anderem in Mitteln wie Paracetamol-ratiopharm, Vivimed N, Captin, Paracetamol Stada, ben-u-ron.

  • Anwendung: Ideal bei Fieber und Erkältung und leichten bis mäßig starken Schmerzen. Es wirkt allerdings nur sehr gering gegen Entzündungen. Für Kinder ist Paracetamol nach Absprache mit dem behandelnden Arzt gut verträglich.

  • Gefahren: Führt manchmal zu Übelkeit, Schweißausbrüchen, Schwindel. Selten: Hautrötungen oder -ausschläge.

  • Extra-Tipp: Da Paracetamol über die Leber abgebaut wird, ist es bei Leberschäden ungeeignet. Daher sollte man bei Kater-Kopfschmerz besser zu Acetylsalicylsäure greifen. Denn Paracetamol belastet das Organ zusätzlich.

Naproxen

  • Präparate: Der Wirkstoff Naproxen steckt zum Beispiel in Aleve, Mobilat Schmerztabletten und Naproxen-ratiopharm.

  • Anwendung: Das NSAR-Mittel hilft besonders gut bei entzündlichen rheumatischen Gelenkbeschwerden. Zudem bei Fieber, Regelschmerzen, starkem Zahnweh und Schmerzen nach Operationen.

  • Gefahren: Kann manchmal Magenbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Durchfall, Müdigkeit oder allergische Reaktionen auslösen. Eine Alternative, wenn andere Schmerzmittel nicht so gut verträglich sind.

  • Extra-Tipp: Das Präparat sofort einnehmen, wenn der Schmerz anfängt, und nicht warten, bis es richtig weh tut - dann dauert es viel länger, bis es wirkt.

Kombipräparate

  • Präparate: Die dreifach-Kombi aus ASS, Paracetamol und Koffein steckt zum Beispiel in Thomapyrin, Neuralgin.

  • Anwendung: Migräne/Spannungskopfschmerzen, Zahn- und Rückenschmerzen. Nach 30 Minuten Schmerzlinderung, da Koffein den Wirkeintritt beschleunigt.

  • Gefahren: Die Gefahr von Abhängigkeiten und Organschäden besteht nicht, wenn die Mittel bestimmungsgemäß eingenommen werden. Das heißt: nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als zehn Tage pro Monat.

  • Extra-Tipp: Bei Dauerschmerzen mit dem Arzt über Alternativen sprechen (zum Beispiel bei Migräne Betablocker zur Vorbeugung, bei Rückenbeschwerden können bestimmte Antidepressiva helfen). Die richtigen Schmerzmittel können helfen!

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