Wenn der Freund zum Dom wird: Eine Frau entdeckt BDSM

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Foto: iStock (Symbolfoto)

Exklusiver Bericht: „So habe ich BDSM für mich entdeckt“

Exklusiv: Eine Frau berichtet, wie sie nach der Lektüre des Romans 50 Shades of Grey BDSM für ihr Sexleben entdeckt hat.

Das Liebespiel zwischen zwei Menschen kann viele Facetten haben. Doch was zwischen den Laken genau passiert, das bleibt meist das Geheimnis eines jeden. Ob beim Sex nur zwei Körper oder auch Fesseln, Peitschen oder Masken zum Einsatz kommen, das verrät man nicht unbedingt jedem. Erst das Buch "50 Shades of Grey" hat das Thema BDSM mitten in unsere Gesellschaft geholt und viele Menschen dazu gebracht, ihre sexuellen Neigungen zu überdenken und Neues auszuprobieren.

BDSM steht für besondere Spielarten im Liebesleben, die mit diesen Begriffen beschrieben werden: Fesseln & Disziplin, Dominanz & Unterwerfung, Sadismus & Masochismus.

Für eine unserer Leserinnen war die Geschichte von Mr. Grey der Beginn einer faszinierenden Reise in die Welt von BDSM, die noch lange nicht zu Ende ist. Wie es war, sich vom eigenen Freund unterwerfen zu lassen und ob ihr Sex jetzt nur noch mit Fesseln Spaß macht, hat sie uns exklusiv verraten.

„Ich habe durchaus Freude am Spanking , aber nicht aus dem Grund, dass mir der Schmerz allein Lust bereitet, sondern weil es mich sozusagen an meinen Platz verweist und es mir erleichtert, mich fallen zu lassen. Schmerz alleine würde mich nicht befriedigen …“

Lest hier das ganze Interview mit unserer Anonyma:

Wunderweib: Wie entstand bei dir die Idee zu BDSM? War normaler Sex zu langweilig?

Anonyma: Nachdem ich Fifty Shades of Grey gelesen habe und daraufhin noch viele weitere Romane mit BDSM-Bezug, ist mein Interesse an dem Thema gewachsen. Zunächst aber beschränkte es sich bei mir, wie wahrscheinlich bei vielen, auf die Fantasie. Etwas zu lesen oder zu sehen, was einen erregt, heißt ja noch nicht, dass es einem auch in der Wirklichkeit gefällt. „Normaler“ Sex gefiel mir damals und auch heute noch. Ich könnte und würde auch nie auf meinen „normalen“ Sex verzichten. Zunächst entstand nicht präzise die Idee zu BDSM, sondern war es einfach nur neue Dinge ausprobieren, wie zum Beispiel Fesseln oder eine Augenbinde. Das entwickelte sich dann langsam weiter und mein Kopfkino wurde immer mehr in die Realität umgesetzt.

Was waren die ersten Schritte zur Information?

Wie viele habe ich einfach mal gegoogelt und mich durch verschieden Seiten und Foren gelesen. Es ist aber schwierig, eine Seite zu finden, die einen nicht gleich mit klischeehaften Bildern verschreckt oder die für viele BDSM‘ler nur als Partnerbörse dient. Bis ich die richtige Seite für mich gefunden habe, hat es etwas gedauert. Schlussendlich bin ich auch auf gentledom.de gelandet, wo es für mich persönlich die interessantesten Informationen gab, da man dort unter anderem auch Erfahrungsberichte und Tipps findet. Gerade am Anfang ist es schwer, sich von diesen klischeehaften Bildern loszulösen und vorurteilsfrei mit BDSM zu beschäftigen. Deswegen hat es mir besonders geholfen, zu lesen, dass es auch anderen so geht wie mir und dass BDSM nicht gleich bedeutet, dass man auf Lack, Leder oder Latex und peitschenschwingende Dominas steht - sondern dass BDSM sehr facettenreich ist und die Spielarten, genauso wie die Menschen mit dieser Neigung, total unterschiedlich sein können.

Der erste Sex mit BDSM-Elementen – wie war das?

Eine sehr schwierige und auch persönliche Frage. Schwierig, weil ich noch nicht konkret sagen kann, was mein BDSM nun wirklich ist. Es gibt zwar die allgemeine Begriffserklärung zu BDSM, also: Fesseln & Disziplin, Dominanz & Unterwerfung, Sadismus & Masochismus, das ist aber keine Erklärung wann es nun BDSM ist und wann nicht. Es hängt von der Vorliebe und Neigung ab. Da ich mich selbst als (sexuell) devot bezeichne, ist für mich der Hauptaspekt von meinem BDSM der D/S-Teil (Dominanz und Submission). Für mich fängt es zum Beispiel an, wenn ich die Dominanz meines Partners spüre (vor allem psychisch). Deswegen ist für mich nur das Fesseln allein eben noch nicht BDSM. Wäre ich aber nur masochistisch veranlagt, würde für mich auf jeden Fall Schmerz zu BDSM dazugehören. Zwar habe ich durchaus Freude an Spanking, aber nicht aus dem Grund, dass mir der Schmerz allein Lust bereitet, sondern weil es mich sozusagen an meinen Platz verweist und es mir erleichtert, mich fallen zu lassen. Schmerz alleine würde ich mich nicht befriedigen.

Was wir genau gemacht haben, möchte ich nun hier nicht erläutern und das war in dem Moment auch nicht vordergründig. Um jetzt aber nicht irgendwelche klischeehaften und erschreckenden Bilder zu erzeugen, möchte ich nur sagen, dass wir einen Analplug, Gleitgel und seine Hand als „ Spielzeug “ verwendet haben. Also nichts, was man nicht auch bei „normalem“ Sex verwendet und macht. Ich hatte danach auch keine Striemen, blaue Flecken oder sonstige Schmerzen, außer etwas Muskelkater.

Für mich ging es viel mehr um das Gefühl der Macht, die er in diesem Moment über mich hatte, und meine Bereitschaft, mich ihm in diesem Moment hinzugeben, egal was er (innerhalb meiner Grenzen) mit mir macht. Es war für mich eindeutig zu spüren, dass mein Partner nun die Kontrolle hat. Es hätte nicht funktioniert beziehungsweise wäre für mich nicht BDSM gewesen, wenn genau dieses Gefühl nicht da gewesen wäre. Meine Aufgabe war es, ihm Lust zu bereiten. Es ging mir also nicht um das was wir machten, sondern das wie wir es machten. Mein Partner nahm mir die Entscheidung ab was, wann und wie passierte. Ich konnte mich einfach in die Situation fallen lassen und genießen, was er mit mir vorhatte.

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Wie hast du deinen Dom ausgewählt?

Ich musste ihn nicht suchen, sondern bin schon seit längerem mit ihm in einer Beziehung. Nun ist er sowohl mein Freund, als auch mein Dom. Ich bin sehr froh, dass ich mir keinen Dom suchen musste um BDSM in der Praxis kennenzulernen. Um ehrlich zu sein, könnte ich mir auch nicht vorstellen, online auf die Suche nach einem Dom zu gehen, wenn ich Single wäre. Für mich wären dabei die Risiken einfach zu groß, einem Möchtegern-Dom zu begegnen. Ich bin mir sicher, dass es nicht einfach ist, den richtigen Partner für seine Neigung zu finden.

Was ist der besondere Reiz bei BDSM?

Für mich ist es der Reiz des Unterwerfens, der BDSM für mich so interessant macht. Ich bin ein sehr kopflastiger Mensch und im Alltag durchaus dominant und selbstbewusst. Ich kann mir also nicht vorstellen, dass jemand annimmt, dass ich sexuell devot bin. Es ist für mich befreiend, die Kontrolle abzugeben und mich einfach in die Situation fallen lassen zu können. Das ist aber für mich nur möglich, weil ich meinem Partner vertraue, dass er meine Grenzen respektiert und einhält. Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, wie ich gerade aussehe, was ich wie machen soll und darüber nachdenken, ob ich einen Orgasmus bekomme oder nicht. Es liegt nicht in meiner Hand, was passiert. Es geht in solchen Situationen für mich nicht darum, meine Lust zu befriedigen, sondern seine. Für mich ist dieses „Spiel“ also auch befriedigend, wenn ich nicht komme, sondern einfach nur ihm zu Diensten sein darf. Den Kopf abschalten zu können und sich einfach seinen Gefühlen hingeben zu können, ist eines der schönsten und befreiendsten Dinge, die ich im Zusammenhang mit BDSM kennenlernen durfte. Für mich ist also kurz gesagt der Reiz an BDSM die Freiheit auch mal schwach sein zu dürfen und mich einfach fallen zu lassen, ohne Nachdenken zu müssen.

Was habt ihr schon in den „Lieber nicht nochmal“-Koffer gepackt?

Da wir noch am Anfang unserer Entdeckungsreise stehen, haben wir noch nicht viel Außergewöhnliches ausprobiert und deswegen auch noch nichts in den „Lieber nicht nochmal“-Koffer gepackt. Da mein Partner und ich beide sonst keine Erfahrungen im Bereich BDSM haben, tasten wir uns auch langsam an Neues heran. Es ist wichtig, dass man Spaß an der Sache hat und sich gerade am Anfang nicht überfordert oder Grenzen überschreitet. So wie auch im „normalen“ Sexleben gibt es Dinge, die einem je nach Stimmung mehr Spaß bereiten und welche, die das weniger tun.

Macht Sex euch jetzt nur noch mit Fesseln & Co Spaß?

Auf keinen Fall. Ich könnte nie auf unseren „normalen“ Sex verzichten. Auf der einen Seite habe ich/wir nicht immer Lust zu spielen, also auf BDSM. Auf der anderen Seite schließt für mich das eine das andere nicht aus. Es kann auch vorkommen, dass er mich zuerst dominiert und es dann mit ganz „normalem“ Sex endet, bei dem wir beide sozusagen wieder gleichberechtigt sind.

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Finden in eurem Freundeskreis Gespräche zu dem Thema statt oder verheimlicht man sein Interesse lieber?

Gerade nach dem Erscheinen von Fifty Shades of Grey gab es viele Gespräche in der Richtung in meinem Freundeskreis. Damals wäre es wohl der perfekte Einstieg für ein Outing gewesen, aber da war ich mir meiner Neigung noch nicht sicher und hatte diese für mich selbst noch nicht akzeptiert. Es gibt wenige Menschen, die von meiner Vorliebe wissen. Es ist gerade am Anfang ein großer Schritt, es auch vor außenstehenden Personen zuzugeben, dass man auf BDSM steht. Außerdem kann man sich auch nicht immer sicher sein, wie das Gegenüber darauf reagiert. Ich bin mir aber sicher, dass einige meiner Freundinnen durchaus wissen, dass ich gerne härteren Sex habe. Viele trauen sich aber nicht weiter nachzufragen. Es ist für mich auch nicht unbedingt notwendig alles über das Sexleben meiner Freunde zu wissen. Deswegen muss ich umgekehrt ihnen auch nicht alles erzählen, was in meinem Schlafzimmer passiert. Natürlich gibt es typische Frauengespräche über Vibratoren oder Fesseln. Aber das allein ist noch nicht unbedingt ein Hinweis auf BDSM. Ich verheimliche es also nicht unbedingt und würde ehrlich antworte, wenn mich eine Freundin danach fragen würde. Ich muss aber dazu sagen, dass ich auch kein Problem habe, dass ich nicht mit all meinen Freundinnen darüber spreche, da ich im Internet Gleichgesinnte gefunden habe, habe ich auch nicht das Gefühl allein zu sein und nicht über meine Neigung sprechen zu können.

Liebe Anonyma, vielen Dank für deine inspirierende Offenheit!

 

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