Wenn die Schilddrüse Probleme macht

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Macht die Schilddrüse Probleme, treten Störungen im gesamten Organismus auf.
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Jeder Fünfte ist betroffen

Zarte 25 Gramm wiegt die Schilddrüse, dennoch ist das kleine Organ unter dem Kehlkopf für unsere Gesundheit entscheidend: Es produziert die Hormone Thyroxin und Trijodthyronin, die den gesamten Organismus beeinflussen, vom Herz-Kreislauf-System über den Stoffwechsel bis hin zur Verdauung.

Doch bei vielen Menschen arbeitet sie nicht einwandfrei, und oft wissen die Betroffenen nichts davon. Sie führen ihre Beschwerden auf Stress, das Wetter, die Wechseljahre zurück. Dabei gilt: Je eher Störungen diagnostiziert werden, desto besser lassen sie sich behandeln. Ärzte raten daher, das Organ vom 35. Lebensjahr an jährlich untersuchen zu lassen.

Häufiges Räuspern kann ein erster Hinweis sein

Die Zahl der Schilddrüsenpatienten steigt seit Jahren. Das liegt auch an verbesserten Diagnosemethoden und der wachsenden Aufmerksamkeit der Ärzte. Weitaus gravierender ist allerdings der hierzulande grassierende Jodmangel. Um Hormone zu bilden, benötigt unsere Schilddrüse Jod. Der Körper kann dieses Spurenelement speichern, aber nicht selbst herstellen, daher müssen wir es über die Nahrung zu uns nehmen. Doch das gelingt 40 Prozent der Bundesbürger nicht. Bei ihnen ist die Jodaufnahme aus unterschiedlichen Gründen gestört: etwa durch eine unausgewogene Ernährung, durch Vererbung, weil sie rauchen, strenge Vegetarier sind oder aber extremen Stress haben.

Als Folge hat jeder fünfte Deutsche eine vergrößerte Schilddrüse. Sobald das Organ zu wenig Jod bekommt, bildet es vermehrt Gewebe, um dennoch ausreichend Hormone zu produzieren. Das macht anfangs kaum Probleme. Hält der Mangel an, wächst die Schilddrüse weiter. Häufiges Räuspern kann ein erster Hinweis darauf sein. Auch wenn beim Schlucken auffällige Schwellungen über dem Kehlkopf entstehen, ist die Drüse womöglich vergrößert.

Beim Arzt sollte dann unbedingt per Tastuntersuchung, Ultraschall und Bluttest geklärt werden, wie es um die Schilddrüse bestellt ist. Ist sie nur wenig vergrößert, können Medikamente das Wachstum häufig stoppen. Erst wenn sich bereits Knoten im Gewebe gebildet haben, wird es komplizierter.

Diese Geschwülste bilden manchmal selbstständig Hormone und werden dann "heiß" genannt. Hier hilft eine ambulante Radiojodtherapie, bei der winzige Mengen radioaktives Jod in Tablettenform geschluckt werden, um die überproduktiven Zellen zu zerstören. "Kalte" Knoten sind zwar untätig, können aber in sehr seltenen Fällen bösartig werden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, lässt sie mit einem kleinen Eingriff entfernen.

Auch Fehlsteuerungen des Immunsystems können die Schilddrüse schädigen. So sind sechs bis zehn Prozent der Erwachsenen - Frauen sehr viel häufiger als Männer - von der Autoimmunkrankheit Hashimoto betroffen, bei der die Abwehr das Schilddrüsengewebe zerstört und die Hormonproduktion lahmlegt. Die Folge ist eine Unterfunktion: Man nimmt schnell zu, fühlt sich müde und abgeschlagen, friert leicht.

Eine Überfunktion, auch Morbus Basedow genannt, kommt seltener vor: Das Zuviel an Hormonen führt zu einem überaktiven Stoffwechsel, man schwitzt stark, ist unruhig und hat Herzrhythmusstörungen. Beide Erkrankungen klingen dramatischer, als sie sind: Sie lassen sich mit Hormontabletten gut in den Griff bekommen.

Jodmangel vorbeugen

Unser Körper benötigt täglich 150 bis 200 Mikrogramm Jod. Der beste Lieferant ist Seefisch - vor allem Schellfisch (243 Mikrogramm pro 100 Gramm) und Kabeljau - gefolgt von Meeresfrüchten wie Miesmuscheln.

Beim Gemüse sind Feldsalat (62 Mikrogramm), Brokkoli und Spinat gute Quellen. Milch, Milchprodukte und Eigelb enthalten ebenfalls viel Jod. Sinnvoll ist es, beim Kochen Jodsalz zu verwenden, Meersalz dagegen enthält kaum Jod. Auch beim Kauf von Brot und Fertiggerichten sollte man Produkte wählen, die mit Jodsalz gewürzt sind.

Wer sich salzarm ernähren muss oder keinen Seefisch isst, sollte mit seinem Arzt sprechen. Er wird möglicherweise Jodtabletten verschreiben. Weitere Infos: www.jodmangel.de

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