"Wenn ich nicht mehr da bin": Vater schreibt Briefe an seinen Sohn

vater und sohn
Ein Vater schreibt zum Abschied Briefe mit Ratschlägen an seinen Sohn
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Weise Ratschläge für ein ganzes Lebens

Ein Vater stirbt viel zu früh und schreibt Abschiedsbriefe voll mit weisen Ratschlägen an seinen Sohn, die ihn ein Leben lang begleiten werden.

Wir haben diese Geschichte von Auto Rafael Zoehler gefunden und mussten sie einfach mit euch teilen!

Der Tod kommt immer überraschend. Niemand erwartet ihn, selbst Menschen, die todkrank sind, erwarten nicht innerhalb von wenigen Tagen zu sterben. In einer Woche vielleicht, aber auch nur, wenn diese Woche erst nächste Woche ist. Wir sind nie bereit und es nie die richtige Zeit.

Als mein Vater starb, war das nicht anders. Er war gerade mal 27 Jahre alt. Er war zu jung, viel zu jung, doch der Krebs sucht sich seine Opfer wahrlos aus. Er starb, als ich gerade mal acht Jahre alt war, alt genug um ihn ein Leben lang zu vermissen. Er starb, bevor ich genug Erinnerungen gesammelt hatte und trotzdem spürte ich den Schmerz. Mein Vater war strickt und liebevoll zu gleich. Bevor er mir Hausarrest gab, erzählte er mir einen Witz.

Er sagte mir nicht, dass er sterben würde. Selbst als er im Krankenhaus lag und an Schläuche angeschlossen war, machte er noch immer Pläne für die Zeit, wenn er entlassen wurde. Und dann war er plötzlich tot.

Doch ein letztes Mal war er doch noch ein Vater für mich. Eine Krankenschwester kam mit einem Schuhkarton voller Umschläge auf mich zu. Sie nahm mich in den Arm und sagte: "Dein Daddy hat eine Woche lang diese Briefe geschrieben und er hat mich gebeten, sie dir zu geben. Sei stark!"

 

Der erste Brief hatte die Überschrift: Wenn ich nicht mehr da bin

 

Sohn,

wenn du das hier liest, bin ich tot. Es tut mir leid, ich wusste, dass ich sterben würde. Ich habe es dir nicht gesagt, weil ich dich nicht weinen sehen wollte. Ich denke ein Mann, der im Sterben liegt, darf ein bisschen selbstsüchtig sein.

Wie du siehst, gibt es noch viele Dinge, die ich dir beibringen möchte, denn du weißt nichts vom Leben. Deswegen habe ich diese Briefe für dich geschrieben. Du darfst sie aber erst im richtigen Moment öffnen, versprich mir das! Ok? Dann haben wir einen Deal.

Ich liebe dich. Pass auf deine Mutter auf, du bist jetzt der Mann im Haus.

In Liebe, Dad

PS: Ich hab deiner Mutter keine Briefe geschrieben, sie bekommt mein Auto

Ich hörte auf zu weinen, als mir seine schreckliche Handschrift auffiel. Der Brief brachte mich zum Lachen. Von einem Tag auf den anderen wurde dieser Schuhkarton der wichtigste Besitz in meinem Leben. Ich wusste instinktiv in welchen Etappen er mich mit einem Brief begleiten würde und trotzdem dauerte es ein paar Jahre, bis ich den nächsten öffnen durfte.

Sieben Jahre später zogen wir um und ich hab den Schuhkarton irgendwie verlegt und fing an ihn zu vergessen. Ich wurde ein Teenager und meine Mutter lernte einen neuen Mann kennen. Sie heiratete nie wieder, aber sie war mit einigen Männern zusammen. Ich fand sie allesamt wertlos, meine Mutter hatte etwas Besseres verdient. Ich erinnere mich noch an die Ohrfeige, die sie mir gab, als sie sagte, sie hätte den Typen in irgendeiner Bar aufgegabelt. Ich hatte es verdient. Und plötzlich fiel mir der Schuhkarton wieder ein.

 

Der zweite Brief hatte die Überschrift: Wenn du Streit mit deiner Mutter hast

 

Entschuldige dich bei deiner Mutter! Ich weiß nicht, warum ihr euch gestritten habt und auch nicht, wer im Recht ist. Aber eine Entschuldigung ist der Beste Weg um einen Streit aus der Welt zu schaffen.

Sie ist deine Mutter, Junge. Sie liebt dich mehr als alles andere auf der Welt. Sie hat dich auf natürlichem Weg zur Welt gebracht, ohne Schmerzmittel, weil das, dass Beste für dich war. Hast du mal eine Geburt gesehen? Weißt du, wie schmerzhaft das ist? Gibt es einen größeren Liebesbeweis für dich?

Entschuldige dich, sie wird dir vergeben.

In Liebe, Dad

Die Worte meines Vaters haben mich sofort überzeugt. Ich klopfte an die Zimmertür meiner Mutter, trat ein und sie weinte. Ich ging auf sie zu, zeigte ihr den Brief meines Vaters, entschuldigte mich und nahm sie in den Arm. Der Brief brachte sie zum Lachen. Wir versöhnte uns und sprachen ein bisschen über ihn. Sie erzählte mir ein paar Sachen über ihn, die ich nicht wusste und plötzlich hatte ich das Gefühl, als würde er direkt neben uns sitzen.

Mein Vater begleitete mich ein Leben lang. Er war bei mir, obwohl der nicht anwesend war. Seine Worte gaben mir Mut und Kraft, schwierige Situationen in meinem Leben zu meistern und er schaffte es immer mich, zum Lachen zu bringen.

 

Der Brief, wenn du heiratest, hat mich sehr bewegt. Aber nicht so sehr wie der Brief, wenn du Vater wirst

 

Jetzt weißt du, was wahre Liebe ist, mein Sohn. Du wirst deine Frau bedingungslos lieben, aber keine Liebe ist so rein und tief wie die zu deinem eigenen Kind. Ich weiß nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, ich bin leider kein Wahrsager.

Genieße jede Sekunde, die Zeit wird so schnell vergehen. Sei da für dein Kind. Verpasse keinen Moment, sie kommen nicht wieder. Sei ein gutes Vorbild, ich weiß, du hast das Zeug dazu.

In Liebe, Dad

 

Der kürzeste Brief war auch gleichzeitig der Schmerzhafteste. Wenn deine Mutter stirbt

 

Jetzt gehört sie mir!

In Liebe, Dad

Ein Witz. Es war der erste Brief, der mich nicht zum Lachen brachte, obwohl ich den Witz verstanden habe.

Ich habe mich ein Leben lang an den Deal gehalten, die Briefe erst zu öffnen, wenn es an der Zeit war. Doch eine Sache trat nie ein, deswegen entschied ich mich, den Brief trotzdem zu öffnen, es war der, der mich am meisten zum Lachen brachte.

 

Wenn dir klar wird, dass du schwul bist

 

Was soll ich sagen? Ich bin froh, dass ich tot bin!

Nein, Spaß beiseite! Jetzt wo ich im sterben liege, wird mir klar, dass wir uns viel zu viele Gedanken über Dinge machen, die nicht wichtig sind. Für mich ändert das überhaupt nichts! Sei einfach glücklich!

In Liebe, Dad

Ich habe jedem weiteren Brief entgegen gefiebert und die Worte meines Vater aufgesaugt wie ein Schwamm. Rückblickend ist es erstaunlich, wie viel mir mein 27-järhiger Vater in 85 Jahre beigebracht hat. Jetzt liege ich selbst in einem Krankenhausbett, Schläuche überall, geschwächt von diesem verdammten Krebs. Langsam streichen meine Hände über den letzten Brief, die Überschrift ist schon ganz verblast.

 

Wenn deine Zeit gekommen ist

 

Hallo Sohn, ich hoffe, du bist ein alter Mann, wenn du das hier liest.

Dieser Brief war für mich am einfachsten zu schreiben, aber er wird für dich am schwierigsten zu lesen sein. Er hat mir die Angst genommen, dich zu verlieren. Du siehst klarer, wenn das Ende nahe ist. Wir können einfacher darüber sprechen.

In meinen letzten Tagen habe ich viel über mein Leben nachgedacht. Ich hatte ein einfaches Leben, aber ich war glücklich. Ich durfte dein Vater sein und der Mann deiner Mutter. Mehr hätte ich mir vom Leben nicht wünschen können. Diese Erkenntnis hat mir Frieden gegeben, tu dir selbst den gleichen Gefallen.

Mein letzter Rat an dich: Hab keine Angst, es gibt keinen Grund dafür.

In Liebe, Dad

PS: Ich vermisse dich!

(ww2)

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