Wer hat hier eigentlich die Hosen an?

maxi matus maenner

Foto: Anoushka Matus für MAXI

Stil-Kolumne

Autorin Marlene Sørensen klärt Fragen des guten Geschmacks. Natürlich äußerst subjektiv. Dieses Mal geht's um: den modischen Mann

Alles, was man über das Verhältnis von Männern zur Mode wissen muss, habe ich von meinem Vater gelernt: Jeans gibt es in nur Blau, T-Shirts im Dreierpack, man guckt nicht auf die Marke, sondern die Waschanleitung (60 Grad), man geht zwei Mal im Jahr einkaufen und besucht dabei genau ein Geschäft. Alleine. Find ich gut.

Wer will schon mit einem Mann einkaufen gehen, der das Einkaufen nicht schätzt?

Mein Mann hingegen liebt es, einzukaufen. Und zwar so lange, bis er genau das Richtige gefunden hat.

Ein Beispiel. Er braucht einen Anzug für eine Hochzeit. Im ersten Laden ist der hellgraue Anzug zu hellgrau, im zweiten Laden ist der sandfarbene Anzug nicht sandfarben genug, im dritten Laden gibt es weder Hellgrau noch Sandfarben, nur Beige, weshalb er eine Schimpfrede auf italienische Herrenschneider loslässt, die Armani in Atemnot bringen würde. Es ist nämlich so, dass mein Freund einen sehr guten Geschmack hat. Tadellos. Denkt er. Und leider hat er damit Recht.

Er findet zum Beispiel, dass nur Handyverkäufer beige Anzüge tragen.

Er trägt nichts, was zu eng oder zu weit oder zu alt ist, er ekelt sich vor wetterfesten Anoraks und bequemen Crocs, dafür würde er sich für ein Paar nachtblauer Havaianas auf eine Warteliste setzen lassen und gibt für ein weißes T-Shirt 50 Euro aus.

Erstaunlich, aber er wirkt dabei nie wie ein Geck, nicht mal wenn er im Laden über einen Stapel Feinwollpullover streichelt und "gorgeous!" flüstert (er ist nämlich auch noch Engländer, aber dazu später).

Was er trägt, muss perfekt sein und perfekt sitzen.

Das hat gewisse Vorteile. Etwa den, dass ein gut gekleideter Mann für die Frau sehr schmückend ist (die meisten Menschen denken ja wirklich, für einen gut gekleideten Mann kann nur die Frau verantwortlich sein. Sollen sie.)

Aber es hat auch Nachteile, meistens dann, wenn wir für mich einkaufen. Wie letztens, als ich in einer grauen Jeans zum pinkfarbenen Oberteil aus der Umkleide kam. Er sagte nichts, also sagte ich: "Grau zu Pink finde ich gerade sehr chic." Und ich schwör's, er antwortete: "Das ist nicht Pink, das ist Koralle. Dafür bist du zu blass."

Ich dachte: Er hat Design studiert, er kann nichts dafür. Ich dachte: Besser ein ehrlicher Mann, als einer, der alles "ja, äh, hübsch" findet. Ich lasse mich allerdings nur ungern verbessern. Aber von meinem Freund? In Modefragen? Ich beschloss, die Herausforderung anzunehmen.

Kaufte er sich Seersucker-Bermudas, kaufte ich mir einen Borsalino.

Kaufte er sich Lederboots, kaufte ich mir Plateausandalen. Dachte er über ein Einstecktuch nach, knüpfte ich mir ein Seidencarré um den Hals. Ich sah zwar umwerfend aus, lange habe ich das modische Wettrüsten aber nicht durchgehalten. Als er mit einem Grobstrickcardigan nach Hause kam, gab ich endgültig auf. Zum ersten Mal wünschte ich mir einen Mann, dessen Lieblingsteil eine Cordhose ist. Ein Mann mit Cordhose hat Fehler. Ein Mann mit Fehlern darf nichts sagen, wenn man selbst am liebsten einen Parka von 1998 trägt. Mein Mann stiehlt mir einfach nur die Schau.

Letzte Woche hat er sich endlich einen Anzug gekauft, heute die Schuhe dazu. Er hat sich hellbraune Ledertreter mit Lochmuster ausgesucht. Schuhe, die nur einem Engländer gefallen können. Sie sind scheußlich. "Schön," habe ich zu ihm im Laden gesagt, "nimm sie!"

Irgendwie glaube ich, er hat es mit Absicht gemacht.

Nie machen: seine Kritik zu ernst nehmen. Männer verstehen einfach nichts von der Schönheit der Haremshose.

Unbedingt machen: Der modische Mann ist beeinflussbar. So oft wie möglich den Satz "Der Steve McQueen-Look ist ja so angesagt" fallen lassen.

Nicht vergessen: Es gibt einen Bereich, in dem man ihm immer überlegen sein wird. Den Bereich der Lingerie.

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