Wie die Partnersuche online wirklich funktioniert

liebe h
Wie die Partnersuche online wirklich funktioniert
Foto: Elenathewise/iStock

Ehrliche Worte eines Insiders

Mehrere Jahre arbeitete ich als Kundenbetreuerin einer Online-Partnervermittlung. Und ich kann sagen, dass das Partnerfinden online wirklich funktioniert.

Entscheidend sind ein ansprechendes und kreatives Profil, Geduld, Schreibwille und auch ein bisschen Glück.

Doch was außerhalb des schönen Scheins niemand mitbekommt, sind die menschlichen Dramen zwischen Fotoprüfung und Profilcheck. Die Menschen, die keine Partner finden, und den Grund dafür zu sehr bei sich selbst oder zu sehr in anderen Gründen suchen. Die Menschen, die sauwütende E-Mails schreiben oder einfach direkt anrufen um zu weinen oder zu schreien. Ich war der Psychologe der bindungswilligen Singles in diesem Land. Ich war die Kundenbetreuerin der Herzschmerz geplagten Seelen. Dafür braucht man Geduld – und selber ein ganzes Stück Liebe. Menschenliebe, wie die folgenden Szenen zeigen:

Das Telefon klingelt. Schon wieder ist Frau Lübke dran. Sie ist 36 und hat ihr Passwort vergessen. Auch das: schon wieder. Frau Lübke ist genervt, ihr Flieger geht gleich und sie will noch einmal schnell am Rechner checken, ob ihr Joachim aus Berlin doch noch zurückgeschrieben hat. Dass sie auch auf dem Handy die Nachrichten lesen kann, wenn Sie sich eine App herunterlädt, davon hat Frau Lübke noch nie gehört. Egal. Ich setze schnell ihr Passwort zurück, damit sie Ruhe gibt.

Ich habe zehn Minuten Ruhe bevor ich meine Kollegin rufen höre: „Lucy, der Herr Hoffmann ist dran und will Dich wieder sprechen. “ Sie sagt dies mit einem Grinsen. Einem Grinsen, das nichts eindeutig Gutes verheißt. Doch auch ohne diesen Hinweis weiß ich, was mich gleich erwartet: Ein Mann Ende Fünfzig der drei Profile bei uns hat, weil er sich nicht merken kann, mit welcher E-Mail Adresse er sich hier einst angemeldet hat. Uns in Folge dessen hat er unsinnigerweise gleich drei Mal den gleichen Vertrag online abgeschlossen hat. Gefühlte hundert Telefonstunden später habe ich das Problem gelöst. Bis dahin hatten ihn bereits alle Kollegen am Telefon gehabt. Doch jetzt geht es um das schönste Thema der Welt: die Liebe. Nach zehn Minuten weiß jeder Kundenbetreuer, warum Herr Hoffmann keine Frau findet. Er redet nur von: sich. Er weiß alles: besser. Er ist: ein egozentrisches Arschloch. Da nützen auch die schönsten Bilder nichts. Und genau deshalb werden wir noch lange mit ihm Geld verdienen. Denn er wird immer wieder kommen. Umso besser, dass er mehrere Premium-Mitgliedschaften gleichzeitig abgeschlossen hat. Dies ist nicht die Verführung eines einzelnen Produktes, sondern die fehlende Fähigkeit eines Mannes, sich zu koordinieren.

Mein E-Mail Postfach blinkt. Es die E-Mail einer tollen Frau, die von ihrem Mann mit ihrem kleinen Sohn sitzengelassen wurde. Sie ist Stewardess, Mitte vierzig, viel unterwegs, und hat mir im letzten Gespräch San Francisco empfohlen zu besuchen. Mit netten Kunden ist man schnell per Du. Diese Frau sieht nicht nur toll aus, sie ist auch noch intelligent und witzig. Sie zahlt ihrem Mann freiwillig Unterhalt. Und wäre ich ein Mann, würde ich sie auf jeden Fall daten. Ich habe keine Bedenken, dass sie bald einen guten und ebenbürtigen Partner findet. Sie bittet um Rückruf und schon wähle ich ihre Nummer. Als ich ihr jetzt sage, dass sie eine tolle Frau ist und nur das Beste verdient, fängt sie an zu weinen. Ist es nicht einfach nur traurig, dass sie das selbst nicht mehr sehen kann? Doch dann beruhigt sie sich wieder und legt glücklich auf, nachdem sie mir ein tolles Wochenende gewünscht hat.

Der Arbeitstag endet schließlich telefonisch mit Herrn Meier aus Dortmund. Er ist ein notgeiler Hengst, Ende Siebzig und quietschfidel. Er hat gerade sehr viel Spaß, so sein O-Ton am Telefon. Erzählt mir von seinem letzten Date welches über uns zustande gekommen ist, und wie schön die Nächte mit seiner neuen Flamme seien. Naja, es gibt da ja eigentlich noch jemand anderen, und mit der sei es auch ganz nett. Ich stelle das Telefon auf Lautsprecher, die Kollege lachen in ihre Ärmel. Und Herr Meier? Der lacht auch.

Mein Fazit aus solchen und hunderten Gesprächen mehr: Viele Menschen stehen sich einfach selbst im Weg beim Finden des Glücks. Sie sind traumatisiert. Wahrscheinlich würde Ihnen eine gute Psychologin mehr helfen als ein besseres Profilbild. Und es gibt die seelisch gesunden Menschen, die viel zu sehr an sich zweifeln, nur weil Ihnen irgendwann irgendjemand etwas Gemeines gesagt hat und sie sich nicht von diesem einen Einfluss lösen können. Es gibt die Menschen, die eine Beziehung wollen, damit sie nicht alleine sind. Dabei würde es Ihnen so gut tun, mal endlich Zeit für sich zu haben und sich nur mit sich zu beschäftigen.

Ich kann euch nach meiner Zeit als Liebesberaterin nur sagen: Erkennt eure eigenen Bedürfnisse. Das, was euch wirklich fehlt. Was eure Eltern euch nicht geben konnten, die Schule ignoriert hat und eure Freunde bis heute nicht wissen. Wenn ihr herausgefunden habt, welche Bedürfnisse das sind, dann sucht die Erfüllung dieser in euch selbst. Und nicht in einem weiteren Partner, der euch geben soll, was ihr aus euch selbst heraus entwickeln könnt. Wenn ihr diesen Weg geht, wird es nicht mehr lange dauern, und der passende Partner steht vor euch. Einfach so, unverhofft. Und der Grund dafür ist, dass ihr ihn nicht mehr brauchtet. Ihr wart euch bereits selbst genug.