Wie die Verbindung zu deinem Ex deine Ehe zerstören kann

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Die Erinnerungen an den Ex können trügerisch sein.
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Wie verräterische Herzen unser Glück gefährden

Das Herz kann manchmal ein Verräter sein. Dabei hatte ich geglaubt, dass mein Herz jetzt endlich seine Heimat gefunden hätte. Am 7. Mai 2014 sagte ich „Ja“ zu meinem Mann, „Ja“ zu einer gemeinsamen Zukunft. Ich träumte von endloser Liebe, ewiger Zweisamkeit, von Vertrauen und Sicherheit. Eine Zeitlang hielt unsere Ehe auch all das, was ich mir versprochen hatte. Doch dann kam der Bruch.

Es war nicht so, als wäre unsere Ehe mit einem großen Knall zerbrochen. Nein, es waren winzig kleine Risse, die sich mit jedem Tag mehr durch das Fundament unserer Beziehung fraßen. Sorgen um Geld, Streit ums Putzen, Stress mit den Schwiegereltern. Und dann war da unser Wunsch nach einem gemeinsamen Kind. Wir wollten so gerne einen kleinen Menschen in unserem Leben willkommen heißen, der unserer Liebe Ausdruck verleihen würde. Doch Monat um Monat verging, ohne dass sich in meinem Bauch etwas tat. „Mach dir keine Sorgen, mein Schatz, das wird schon alles werden, so lange wir zwei uns lieben“, sagte mein Mann.

Ich wollte ihm so gerne glauben. Doch nachts ließen mich die Zweifel nicht schlafen. Vielleicht waren wir zwei doch nicht füreinander bestimmt? Um mich von der Schlaflosigkeit abzulenken, klickte ich mich nachts durch das Internet. Fremde Fotos, fremde Babys, fremdes Glück … und irgendwann: das Bild von ihm, meinem Ex .

Ich sehnte mich nach Leichtigkeit

Es war nicht so, als hätte ich mir meinen Ex zurück gewünscht. Doch irgendwie sehnte ich mich zurück nach etwas Leichtigkeit, ohne zu viel erklären zu müssen. Wir hatten uns nicht im Bösen getrennt, unsere Liebe hatte nur der Distanz zwischen Konstanz und Hamburg nicht standgehalten. Und so schrieb ich eines Nachts eine Mail an ihn, während mein Mann im Schlafzimmer nebenan sachte atmete.

Schon als die Mail abgeschickt hatte, bereute ich es. Warum hatte ich das bloß getan? Ich liebte meinen Mann doch.

Und trotzdem zog es mich irgendwie raus aus meinem goldenen Käfig. Ich wollte weg von den Sorgen, dem Alltag, dem ewigen Warten auf die zwei blauen Streifen . Ich wollte wieder Abenteuer, nicht wissen was kommt, Verlockung, Verheißung, zufälliges Glück, das dich überrascht und dir das Gefühl gibt, am Leben zu sein. Bloß raus aus dem Beton-Grau meines inzwischen immer gleichen Ehelebens.

Aus den ersten Mails wurden schnell lange Nachrichten. Wie geht es dir? Was machst du? Wo wohnst du? Hast du eine Freundin? Hatte er nicht und eines Tages fand ich mich in einem Café wieder, wartend auf meinen Ex.

Ich dreht die heiße Kaffeetasse in meiner Hand, mich fragend, was mich hierher getrieben hatte. Was war das für eine Verbindung zu meinem Ex, die mich fast wie magisch hierher gezogen hatte?

Langsam wurde mir klar, dass ich Opfer meines glückssüchtigen Gehirns geworden war. Kein Gehirn will negative Erfahrungen behalten. Schmerz, Leid, Enttäuschung, das alles wird mit der Zeit ausgeblendet, ausgemerzt, war was?

Und so erschien mir die Beziehung zu meinem Ex-Freund mit jedem Tag Abstand ein kleines bisschen schöner, ein kleines bisschen weniger verkorkst. Aller Streit, alle Diskussionen – verflogen, vergessen. Zurück blieb nur ein Gefühl der Vertrautheit, zusammen mit einem sachten Strahlen der positiven Erinnerungen. Ein vergleichbares Gefühl wäre bei einem fremden Mann niemals möglich gewesen. Mein Ex konnte mir nur darum so positiv erscheinen, weil er schon einmal einen Platz in meine Herzen besessen hatte.

Doch diese verstrahlte Hoffnung auf Glück war natürlich trügerisch. Egal mit wem, jede Liebe muss sich eines Tages gegen die Prüfungen des Lebens beweisen.

Ich ließ die Kaffeetasse los und packte meine Sachen. Zum Glück war mein Ex noch nicht aufgetaucht. Was wir hatten, hatte seine Zeit und es war bestimmt nicht alles schlecht. Doch es gab viele Gründe, warum es zwischen uns nicht gehalten hatte und warum ich heute mit meinem Mann verheiratet war. Mir wurde klar, dass ich mit meinem Mann an einem der vielen Meilensteine angekommen war, an denen ein Ehepaar zerbrechen kann. Das erste Kind oder das Warten auf das erste Kind, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Trauer – all solche schweren Lebensmomente können eure Liebe zerstören. Aber sie können sie auch unglaublich stark machen, wenn ihr es schafft, diese schweren Phasen zusammen durchzustehen.

Auf dem Rückweg zu unserem Haus fühlte ich mich seltsam beschwingt. Ich fühlte, wie das Glück ganz zart zurück in meine Adern strömte. Und als ich meinen Mann endlich umarmen konnte, fühlte ich ganz tief in meinem Herzen, dass meine Entscheidung goldrichtig gewesen war.

Einen Menschen zu finden, der sich traut, zu einem Leben mit dir in aller Konsequenz Ja zu sagen, ist ein Geschenk des Schicksals, welches man niemals leichtfertig vergeben sollte – auch wenn es manchmal sehr schwer fällt, das Glück festzuhalten. Doch wenn wir es schaffen, werden wir reich belohnt. Mit einer unfassbar tiefen Liebe, die unserem Herzen echte Ruhe schenkt. Keine Affäre kann jemals besser sein.

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