5 Wochen RabenmutterWie eine Mutter nach dem Burnout wieder Kraft für sich und ihre Familie fand

Inhalt
  1. Tanja litt unter Panikattacken und depressiven Phasen
  2. Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr ...
  3. Jede Krankheit hat ihre Botschaft
  4. Nach der Kur: Rückkehr in den Alltag als Mutter

Tanja Bräutigam, Mutter von zwei Kindern, schildert in ihrem Buch "5 Wochen Rabenmutter", wie sie Burnout und Panikattacken mit Hilfe einer Kur in einer psychosomatischen Klinik überwand.

Eine Mutter ist in ihrem alltäglichen Leben extrem hohen Belastungen ausgesetzt. Ständig zerren die Kinder an ihr herum, der Haushalt muss immer wieder neu gemacht werden, der Ehemann erwartet eine liebevolle Ehefrau und ein warmes Essen, wenn er vom Arbeiten nach Hause kommt, und hat oft wenig Verständnis für die Mühen seiner Frau. Für die Bedürfnisse der Mutter bleibt da wenig bis gar kein Raum. Viele Frauen finden ab dem Moment der Geburt kaum noch Zeit für sich. Und so ist es kein Wunder, dass viele Mütter unter dem hohen Berg an Anforderungen und Verpflichtungen zusammenbrechen: Burnout, Depressionen, Panikattacken.

Tanja litt unter Panikattacken und depressiven Phasen

Eine von diesen Müttern ist die Kölnerin Tanja Bräutigam. Sie ist lange Zeit ihres Lebens eine fröhliche Macherin, sportlich, erfolgreich, beliebt. Doch nach der Geburt ihres zweiten Kindes fühlt sie sich zunehmend überfordert. Schubweise leidet sie unter Panikattacken und depressiven Phasen. An manchen Tagen kriegt sie nichts mehr hin, hat das Gefühl, völlig die Kontrolle über ihr Leben und jeden Kontakt zu sich selbst verloren zu haben. Schließlich zieht sie die Reißleine und beantragt eine Kur: fünf Wochen Auszeit in einer psychosomatischen Rehaklinik.

„Nun ist also eingetroffen, wovor ich immer so viel Respekt hatte. Ich erkenne mich nicht mehr wieder. Ich sitze in der Mama-Falle. Mein Sohn ist inzwischen 18 Monate, meine Tochter vier Jahre alt. Nach nun fast viereinhalb Jahren Windeln wechseln, 850 Mal Spülmaschine ein- und ausräumen, 1460 Nächten ohne durchzuschlafen, in der Summe, bei zwei Kindern, 15 Monaten stillen, zwanzig Monaten Schwangerschaft, über dreitausendmal Frühstück, Mittagessen oder Abendessen zubereiten und weit über 1500 Abenden, die ich in den vergangenen viereinhalb Jahren zu Haus festsaß, bin ich unausgeglichen, über Monate niedergeschlagen, ohne Energie und Lebensfreude in mir. Ich agiere rund um die Uhr als Mama und habe meine eigenen Bedürfnisse komplett  aus den Augen verloren. Ich spüre mich nicht mehr. Ich fühle mich in meiner Rolle als Vollzeitmama lediglich als „Aufpasserin“ und als „Putzfrau“ ohne Selbstbewusstsein, bin gegenüber meinen Kindern und meinem Ehemann nur noch gereizt und kann mich selbst nicht mehr leiden.“

Tanja Bräutigam litt als Mutter von zwei kleinen Kindern unter einem Burnout - und begann deshalb eine fünfwöchige Kur in einer psychosomatischen Rehaklinik.
Tanja Bräutigam litt als Mutter von zwei kleinen Kindern unter einem Burnout - und begann deshalb eine fünfwöchige Kur in einer psychosomatischen Rehaklinik. | Foto: Eden Books

Monatelang kämpft Tanja Bräutigam für einen Therapieplatz in der Klinik ihrer Wahl, dann ist es endlich so weit. Tanja packt ihre Koffer, um in fünf Wochen fernab ihrer Familie zu sich selbst zurückzufinden.

Für die Familie sind die Entscheidung für die Kur und der Burnout der Mama ein Schock. Tanjas Ehemann muss beruflich viel reisen, er lässt Tanja mit den zwei Kindern oft wochenlang allein. Besonders wenn die Kinder in diesen Phasen krank werden, fühlt Tanja sich hoffnungslos überfordert. Dennoch möchte sie Freunde und Familie nicht um Hilfe bitten, sie möchte irgendwie das Bild der starken, fröhlichen Tanja aufrechterhalten und nicht zugeben, wie sehr sie überlastet ist. „Es ist ein Teufelskreis. Ich fühle mich über Tage depressiv und anstatt mich meinen Mitmenschen mitzuteilen, bin ich verzweifelt, jammere viel, werde zickig und aggressiv. Das führt wiederum dazu, dass gerade mein Ehemann mein Verhalten als fürchterlich deklariert…“

Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr ...

Streit, Ängste, kraftzehrender Alltag, immerzu fordernde Kinder – so sieht jahrelang Tanjas Leben aus - bis sie schließlich nicht mehr kann. Im Auto, mit den zwei Kindern auf dem Rücksitz erleidet sie einen Nervenzusammenbruch: „Ich schaffe es gerade noch, meine Tochter ins Auto zu verfrachten. Aber dann: Herzrasen, Tunnelblick, Verzweiflung. Mein Kopf sendet nur noch: Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr. Mein Körper, mein Geist und auch meine Seele sind komplett aus der Balance.“

Die ersten Tage in der Rehaklinik sind schwer für Tanja Bräutigam. Sie landet in einem schrecklich alt eingerichteten Zimmer und ist zunächst völlig auf sich gestellt, denn die Therapiestunden beginnen erst vier Tage nach der Ankunft. Die Patienten sollen erstmal in Ruhe in der Klinik ankommen. Unzählige leere Stunden ganz ohne Kinder, Haushalt, Ehemann wollen plötzlich gefüllt werden. Tanja wird auf sich selbst zurückgeworfen, hat auf einmal stundenlang Zeit über sich und ihr Leben nachzudenken.

Die Bilanz ist niederschmetternd: zwar hat sie einen Ehemann, den sie liebt, eine Wohnung in Köln und zwei gesunde Kinder – doch glücklich ist sie schon lange nicht mehr. Über die Jahre hat sie ihre eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Hobbies völlig aus dem Blick verloren. Als Kind hat sie stundenlang gemalt und gebastelt, als erwachsene Frau liebte sie Sport. Nichts davon hat sie als Mutter noch weiter verfolgt, einzig die Bedürfnisse ihrer Kinder zählten.

Darum entscheidet sich Tanja Bräutigam in der Kur gezielt für Therapieangebote, die an ihre alten Hobbies anknüpfen: Bothmer-Gymnastik, Heileurythmie, Maltherapie, Singkreis und Rhythmische Massagen. Hinzu kommen regelmäßig 30 Minuten Gespräche mit einer Ärztin und einer Psychologin. Nicht jedes Angebot ist direkt ein voller Erfolg, manches Mal kommt sich Tanja Bräutigam komisch und hilflos vor. Nachts, allein in ihrem hässlichen Kur-Zimmer, überfallen sie oft die bekannten Ängste, sie leidet unter Schlaflosigkeit. Doch Stück für Stück kann sie sich einlassen, auf die neue Situation und in den viele therapeutischen Stunden wieder etwas von ihrer alten Kraft entdecken.

Jede Krankheit hat ihre Botschaft

In einem Arztgespräch vermittelt die Ärztin von Tanja Bräutigam ihr einen wesentlichen Schlüssel zur Bewältigung der ständigen Überlastung: „Jede Krankheit hat ihre Botschaft. Auch wenn das auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. Depressive Störungen gehen oft mit überhöhten Ansprüchen an sich selbst einher. Man kann aber nicht alle Ansprüche erfüllen, schon gar nicht, wenn sie unrealistisch sind. Menschen mit depressiven Störungen nehmen diese Einschränkungen persönlich. Kritik, ein Rückschlag oder ein schmerzlicher Verlust lässt sie ins Bodenlose fallen. Sie überdenken ihre hohen Ansprüche nicht, sondern werden still und inaktiv.“

Tanja Bräutigam konnte sich in dieser Beschreibung genau wiederfinden: „Meine Ansprüche sind schon mein ganzes Leben lang überhöht. Die Ziele immer hochgesteckt und in der Summe teilweise nicht realisierbar. Ich möchte schlank bleiben, mich und meine Kinder gesund ernähren, eine relaxte Ehefrau, ein fürsorgliche Mutter sein, die gleichzeitig auch die beste Freundin ihrer Kinder ist. In bin bestrebt, immer gute Laune zu haben, und wenn wir länger als 14 Tage keinen Sex mehr haben, gehe ich davon aus, dass unsere Beziehung den Bach runtergeht …“

Nach der Kur: Rückkehr in den Alltag als Mutter

Nach fünf Wochen voller Selbsterkenntnis und lange vermisster Selbstfürsorge kehrt Tanja Bräutigam schließlich zurück nach Hause, zu ihrer Familie in Köln. Die Rückkehr in den Alltag gestaltete sich heftig. Direkt werden beide Kinder krank, ihr Ehemann muss beruflich wieder ins Ausland und Tanja ist wieder völlig auf sich gestellt. Doch danach schafft sie es in kleinen Schritten, auch endlich mit gezielter Unterstützung ihres Mannes, ihr Leben so umzugestalten, dass es sich wieder gut und richtig anfühlt. Unter anderem zieht die Familie aus der lauten Kölner Innenstadt hinaus in ein ruhigeres Viertel der Stadt, in dem Tanja viel mehr Ruhe genießen kann und nicht immerzu aufpassen muss, dass keines ihrer Kinder vor ein Auto oder eine Straßenbahn läuft.

Mithilfe einer Heilpraktikerin findet Tanja Bräutigam zudem heraus, dass ihre depressiven Stimmungen zum Großteil durch einen stark unausgeglichenen Hormonhaushalt verursacht werden. „Als ich das höre, kommt in mir große Erleichterung auf. Meine psychischen Probleme haben einen Namen. Nicht Depression, nicht psychisch krank, nein Hormonprobleme. Und das hört sich, ehrlich gesagt, viel besser an.“

Nach einer speziellen Hormontherapie fühlt sich Tanja Bräutigam schließlich sogar in der Lage, einen neuen Traumberuf zu finden und in Teilzeit zu arbeiten. Heute ist Tanja Bräutigam wieder rundum zufrieden in ihrer Mutterrolle und arbeitet als Sporttherapeutin in einer Suchtklinik.

„Allen Mamis  dieser Welt möchte ich mit dem Buch zeigen, dass wir die eigentlichen Heldinnen des Alltags sind. Wir können auf das, was wir täglich leisten, jede Sekunde unseres Lebens stolz sein. Gebt auf euch acht, sorgt gut für euch, seid im Hier und Jetzt mit euren Kindern und denkt immer daran: „Wo eine Mama ist, da ist auch ein Weg!“

Die ganze Geschichte von Tanja Bräutigam und ihrem Weg hinaus aus dem Burnout, ist in diesem Buch zu lesen:

5 Wochen Rabenmutter

Wie ich nach dem Burnout wieder Kraft für mich und meine Familie fand

Eden Books | ISBN: 9783959100786

Tanja Bräutigam litt als Mutter von zwei kleinen Kindern unter einem Burnout - und begann deshalb eine fünfwöchige Kur in einer psychosomatischen Rehaklinik.
Tanja Bräutigam litt als Mutter von zwei kleinen Kindern unter einem Burnout - und begann deshalb eine fünfwöchige Kur in einer psychosomatischen Rehaklinik. | Foto: Eden Books

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