Wie gefährlich sind Kinderkrankheiten für uns?

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Kinderkrankheiten können für Erwachsene sehr gefährlich werden
Foto: Thinkstock

Seit Wochen kommen diese rätselhaften Husten-Anfälle immer wieder. Viel zu lange für eine Erkältung. Was ist das nur? Oft entdeckt erst ein Lungenarzt, was immer mehr Erwachsene quält: Keuchhusten, von Experten auch als 100-Tage-Husten bezeichnet.

Und nicht nur damit gibt es zunehmend Probleme: Sogenannte Kinderkrankheiten treffen immer mehr Erwachsene - das "Ansteckungs-Alter" verschiebt sich nach oben.Infektions-Experten sehen zwei Gründe für diese bedenkliche Entwicklung. Impfmüdigkeit: Eltern lassen sich selbst und ihre Kinder nicht mehr konsequent impfen oder Impfungen auffrischen.

Kleinfamilien: Ungeimpfte Kinder stecken sich heute weniger an, weil sie in Kleinfamilien oder ganz ohne Geschwister aufwachsen - sie erlangen keinen natürlichen Immunschutz. Bekommt dann aber ein Jugendlicher oder Erwachsener eine Kinderkrankheit, ist der Verlauf meistens heftiger als bei Kindern. Und: Erkrankte Erwachsene können ihre ungeborenen oder neugeborenen Kinder oder Enkel gefährden.

Typisch: die Ansteckung eines Babys mit Keuchhusten, was wiederum für Säuglinge gefährlich ist. Oder die Infizierung einer frühschwangeren Frau mit Röteln, was das Baby im Bauch gefährdet. Da ist es gut zu wissen, wie man Kinderkrankheiten bei Erwachsenen erkennt und was man dann tun kann.

Masern können Dauerschäden hinterlassen

Erreger: Morbillivirus. Nicht nur der typische Ausschlag am ganzen Körper, auch Fieber und Lichtempfindlichkeit sind bei Erwachsenen oft heftig. Seltene, aber schwere Komplikationen sind Lungenentzündungen, außerdem die Hirnhautentzündung und die Gehirnentzündung, die tödlich sein oder Dauerschäden hinterlassen kann.

Bei Masern steigt die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen mit dem Lebensalter. Beispiel: Bei Kleinkindern kommt eine Gehirnentzündung auf 10 000 Masern-Infektionen, bei Jugendlichen und Erwachsenen kommt eine Gehirnentzündung auf 500.

Was kann man tun? Bei Viren-Erkrankungen gibt es keine Therapie direkt gegen die Erreger. Wichtig ist, die Auswirkungen zu lindern, vor allem mit Tees, z. B. Lindenblütentee, und mit absoluter Bettruhe. Der Ausschlag dauert mindestens fünf Tage. Ist er verschwunden, gibt es kein Ansteckungs-Risiko mehr. Nach einer Infektion oder zwei Impfungen (Kasse zahlt) ist man immun gegen Masern.

Keuchhusten schwächt vor allem Ältere

Erreger: Bakterium. Bordetella pertussis Studien zeigen: 10 % der Husten-Erkrankungen, die länger als eine Woche dauern, kommen von diesem Erreger. Das Durchschnittsalter der Infizierten liegt bei 42 Jahren. Viele Erwachsene halten ihren Keuchhusten (Pertussis) für eine "zähe Bronchitis", denn meist fehlt das typische Keuchen, oft auch der bellende Husten. Aber: Die Erkrankung dauert viele Wochen, schwächt so vor allem Ältere. Und sie werden zum Ansteckungs-Risiko für Säuglinge und andere Ungeimpfte. Bei Säuglingen kann Pertussis zu bedrohlichem Atemstillstand führen.

Was kann man tun? Man sollte viel trinken. Meersalz-Inhalationen (Mischung aus der Apotheke) beruhigen die Atemwege. Bei schwerem Verlauf kann der Arzt ein Asthma-Spray verschreiben - und ein Antibiotikum. Das verkürzt die Zeit, in der man ansteckend ist, von rund drei Wochen auf etwa eine Woche. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt: Lassen Sie sich gegen Pertussis impfen, am besten zusammen mit Tetanus und Diphterie (Kasse zahlt).

Mumps kann Fehlgeburt auslösen

Erreger: Mumpsvirus. Es kommt zu einer Entzündung der Ohrspeicheldrüsen mit Schwellungen, Schmerzen, Fieber. Häufiger als bei Kleinkindern verursacht Mumps bei Erwachsenen Komplikationen. Die Krankheit kann sich ausweiten und vor allem die Bauchspeicheldrüse, das Gehirn oder Hirnhäute infizieren. Auch eine bleibende Schwerhörigkeit ist möglich. Eine recht häufige schwere Komplikation trifft Jungen und Männer: Gut ein Viertel der Erkrankten bekommt eine Hodenentzündung. Sie kann zur Unfruchtbarkeit führen . In der Schwangerschaft kann Mumps, vor allem in den ersten drei Monaten, eine Fehlgeburt auslösen.

Was kann man tun? Gegen die Schwellung der Ohrspeicheldrüsen helfen kühle Quark-Umschläge. Um den schmerzhaften Speichelfluss gering zu halten, sollte man saure Lebensmittel und Getränke mit Kohlensäure meiden. Nichtgeimpfte, die Kontakt zu einem Mumpskranken haben, sollten sich impfen lassen - möglichst innerhalb der ersten drei Tage nach Kontakt. Die Kasse zahlt dann.

Scharlach lässt den Hals schmerzen

Erreger: Streptokokken (Bakterien) Diese Krankheit kann man mehrmals bekommen. Denn die auslösenden Streptokokken treten in vielen Varianten auf, man ist immer nur gegen das Bakterium immun, das einen schon mal krank gemacht hat. Bei Erwachsenen können die typischen Beschwerden stark ausfallen: entzündeter, schmerzender Hals, tiefroter Rachen und Zunge ("Himbeerzunge"), geschwollene, schmerzende Gaumenmandeln, Schüttelfrost, Fieber, ein kleinfleckiger Ausschlag in Achselhöhlen und Leisten, manchmal auch am ganzen Körper.

Was kann man tun? Gegen die Bakterien verschreibt der Arzt ein Antibiotikum. Das Mittel kann die Ansteckungsgefahr in 24 Stunden ausschalten, man muss es aber meist zehn Tage nehmen, sonst kommt Scharlach in der Regel wieder. Selbst mit Antibiotikum liegt das Rückfallrisiko bei 30 Prozent. Gegen die Schluckbeschwerden helfen kühle Getränke, Gurgeln mit Salbei-Tee, schmerzstillende Lutschtabletten (Apotheke). Eine Impfung gibt es nicht.

Windpocken machen schwer krank

Erreger: Varizella-Zoster-Virus Mit dem Alter wächst auch die Heftigkeit der Erkrankung. Im Gegensatz zu Kindern, die die Infektion meist nur mit juckenden, wässrigen Bläschen am Körper überstehen, riskieren Erwachsene Komplikationen: Starkes Fieber, oft über 40 Grad, Schwächegefühl, der Ausschlag tritt massiver auf und kann eine bis vier Wochen lang immer wieder neu "aufblühen". Möglich sind Hirnhaut, Lungenund Leberentzündung. Wenn Schwangere erkranken, kann die Windpocken-Infektion zu Missbildungen beim Ungeborenen führen.

Was kann man tun? Medizinische Puder, Lotionen und Cremes (Apotheke) lindern zumindest den Juckreiz. Auch kühle Abwaschungen mit Essigwasser (5 EL Essig auf 1 l Wasser) können helfen. Wer als Kind keine Windpocken hatte, sollte beim Arzt seine Antikörper bestimmen und sich bei Bedarf impfen lassen. Gesetzliche Kassen zahlen für Frauen mit Kinderwunsch. Hatte man mit einem Infizierten Kontakt, kann man sich bis zu fünf Tage danach noch impfen lassen. Auch dann zahlt die gesetzliche Krankenkasse.

Röteln bedrohen Baby im Bauch

Erreger: Rötelnvirus. Diese Infektion ist bei Schwangeren gefürchtet. Steckt sich eine werdende Mutter, die als Kind keine Röteln hatte und auch nicht dagegen geimpft wurde, mit dem Virus an, drohen dem Ungeborenen Missbildungen an Gehirn, Augen oder Herz. Auch Taubheit ist möglich. Je früher die Infektion in der Schwangerschaft auftritt, desto größer ist die Gefahr und umso schwerer können die Folgen sein. Wer sich ansteckt, muss selbst mit leichtem Fieber, teils starken Gelenkentzündungen und hellrotem, fleckigem Ausschlag rechnen. Selten sind auch Gehirn, Herzoder Mittelohrentzündung möglich.

Was kann man tun? Medizinische Lotionen und Antihistaminika zum Einnehmen lindern den Juckreiz. Gegen Gelenkschmerzen helfen Entzündungshemmer, die der Arzt verschreibt. Frauen mit Kinderwunsch sollten unbedingt vom Arzt checken lassen, ob sie genug Antikörper im Blut haben. Eine Impfung gegen Röteln ist nur außerhalb einer Schwangerschaft möglich. Sie wird meist in Kombination mit Masernund Mumps-Impfstoff gegeben (Kasse zahlt).

Wie sicher ist Impfen?

Komplikationen, wie sie früher auftraten, sind heute nahezu ausgeschlossen. Fast 80 Prozent der Komplikationen von früher kamen durch Impfungen, die heute nicht mehr empfohlen werden, etwa gegen Tuberkulose. Gegen Kinderlähmung gab es früher einen Lebend-Impfstoff, der jährlich 1 bis 3 Geimpfte erkanken ließ. Heute ist das dank eines Totimpfstoffs ausgeschlossen.

NATÜRLICHE REAKTIONEN sind eine Rötung oder Schwellung der Stichstelle - je nach Impfstoff bei 2 bis 20 Prozent. Das klingt nach wenigen Tagen ab. Bei 1 Prozent sind Fieber, Kopfund Gliederschmerzen oder Übelkeit möglich. Das gibt sich meist nach 1 bis 2 Tagen. Durch den Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff (MMR) können gelegentlich leichte, nicht ansteckende Masern auftreten.

ALLERGIE Spuren von Hühnereiweiß kommen kaum noch in Impfstoffen vor. Selbst mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß gibt es in der Regel keine Reaktionen

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