Wie gesund sind Fertigprodukte?

wie gesund sind fertigprodukte
Essen
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Food Guide

Aufreißen, aufwärmen, aufessen: „Convenience Food“ boomt. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie beim Kauf achten müssen und wie Sie mit einfachen Tricks aus den Schnellgerichten eine ausgewogene Mahlzeit zaubern.

Frisches Essen statt Fertigprodukten

Gehören Sie auch zu den Menschen, die nach einem anstrengenden Tag im Büro lieber eine Pizza in den Ofen schieben, anstatt frisches Gemüse zu schnippeln? Da geht es Ihnen wie den meisten berufstätigen Singlefrauen, die regelmäßig zu Convenience-Produkten (englisch: Bequemlichkeit) greifen. Neben beliebten Klassikern wie Tiefkühlkost (70 Prozent) oder Dosensuppen (30 Prozent) hat das neue „Chilled Food“ (zum Beispiel frische Pasta oder Sushi aus dem Kühlregal) die größten Zuwachsraten.

„Die Auswahl fällt dabei vor allem spontan“, weiß Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Wir lassen uns von leckeren Fotos und vollmundigen Werbeslogans verführen, die uns Tütensuppen als gesunde Mahlzeit aus natürlichen Zutaten verkaufen wollen. „Meist ist das Gegenteil der Fall“, so Schwartau. „Denn die oft auch noch völlig überteuerten Fertigprodukte enthalten jede Menge künstliche Zusatzstoffe. Nur so erreichen die Hersteller eine lange Haltbarkeit und den gleichbleibenden Instantgeschmack.“

Heimliche Dickmacher

Warum Geschmacksverstärker in Fertigprodukten den Appetit anheizen und uns unbewusst verleiten, mehr zu essen:

Geschmacksverstärker sollen, wie ihr Name schon sagt, stark verarbeiteten Lebensmitteln eine intensivere Note verleihen. Dadurch können sie über schlechte Qualität oder fehlende Zutaten hinwegtäuschen und die Produktionskosten enorm reduzieren. „Nur so ist es möglich, eine Rindfleischsuppe herzustellen, die gerade mal 0,67 Gramm Fleisch pro Liter enthält“, so Schwartau. Der bekannteste und umstrittenste Geschmacksverstärker ist das Glutamat.

20.000 Tonnen werden heute jährlich in Deutschland verarbeitet, fünfmal so viel wie noch vor 30 Jahren. Mehr Geschmack macht aber auch mehr Gelüste. Das belegt eine Studie der Universität Kiel, die im Tierversuch einen deutlich erhöhten Appetit durch die Verabreichung von Glutamat feststellen konnte. Dr. Achim Peters von der Uni Lübeck ist der Ansicht, dass Geschmacksverstärker die natürliche Appetitregulierung des Gehirns stören und dafür sorgen, dass wir weiteressen, obwohl der Körper längst genug hat.

Orientierungshilfe für Ihren Einkauf

Die Hersteller lassen sich immer neue Tricks einfallen, um die Verbraucher zu täuschen. Auf diese Merkmale sollten Sie achten:

Vorsicht bei langen Listen

Produkte, auf deren Zutatenliste viele Inhaltsstoffe stehen, sollten Sie meiden. Grundsätzlich gilt: Was weit vorne steht, ist reichlich enthalten. Befinden sich Zucker, Stärke, Weißmehl oder gehärtetes Pflanzenfett unter den ersten fünf Angaben, ist das Gericht ganz klar ein „Dickmacher“.

Alibi-Zutaten erkennen

Oft werden Schlagworte wie „mit feinstem Olivenöl“ oder „mit frischen Pilzen“ prominent auf dem Produkt platziert – diese Angaben sagen nichts darüber aus, wie viel gute Zutaten tatsächlich enthalten sind. Meistens finden sie sich in homöopathischen Dosen zwischen Geschmacksverstärkern und Aromen wieder. Liegt ihr Anteil im einstelligen Prozentbereich, sollten Sie skeptisch werden.

GDA-Angaben misstrauen

Die „Guideline Daily Amount“ (GDA) gibt den Nährwertgehalt pro Portion an. Da diese Angaben bisher freiwillig sind, werden sie gerne schöngerechnet. Zur Ermittlung von Kalorien - und Fettmenge wird häufig nicht das ganze Produkt, sondern eine kleinere Portionsgröße veranschlagt. So berechnen Hersteller beispielsweise grundsätzlich nur die halbe Pizza. Am besten die Energiedichte checken. Über 120 Kalorien pro 100 Gramm sollte das Gericht nicht liegen.

Pflichtlektüre

Die Angaben auf: Verpackungen verraten viel über den Inhalt - vorausgesetzt, man liest sie genau und vor allem kritisch.

Glutamat – gut getarnt: Wenn die Zusatzstoffe E620 bis 625 in der Zutatenliste auftauchen, ist das Lebensmittel mit Glutamat aufgepeppt. Doch auch Begriffe wie Hefeextrakt, Würze, Würzmittel, Speisewürze sind nichts anderes als Geschmacksverstärker.

Vorsicht, (Zucker-)Falle: Bis Ende 2014 muss der Zuckergehalt auf allen Lebensmitteln angegeben werden. Bis dahin sollten Sie die Zutatenliste genau studieren und nach Zucker bzw. seinen süßen Verwandten wie Dextrose, Saccharose, Glucose, Galaktose, Laktose oder Fructose fahnden.

Fettgehalt checken: Fett ist ein preiswerter Geschmacksträger, deshalb ist der Gehalt in Fertiggerichten oft überdurchschnittlich hoch. Noch schlimmer, wenn dieser aus ungesunden Transfettsäuren besteht. Die erkennen Sie, wenn die Bezeichnung „pflanzliche Fette, gehärtet“ oder „Pflanzenöl“ auf dem Etikett steht.

Zu Salzig: Auch mit Kochsalz wird in Fertiggerichten nicht gegeizt, zu viel ist ungesund. In der Zutatenliste verbirgt es sich oftmals hinter der Bezeichnung „Würzmischung“.

Falsche Versprechen

Was steht drauf, was wird verschwiegen? Wie uns die Industrie mit neuen Tricks Zusatzstoffe einfach unterjubelt.

Ein anderes beliebtes Täuschungsmanöver der Hersteller sind sogenannte „Clean Labels“. Gemeint sind damit Versprechen wie „ohne Zusatz von Geschmacksverstärkern“ oder „ohne Konservierungsstoffe“. Clean Labels zieren aktuell über 1.600 Lebensmittel. Sie sollen den Produkten ein natürliches, gesundes Image verleihen. „Es gibt nur wenige rühmliche Ausnahmen, bei denen das wirklich der Fall ist“, weiß Silke Schwartau.

„Convenience Food enthält oft Ersatzstoffe, die nicht als Geschmacksverstärker, Aroma oder Konservierungsmittel deklariert werden müssen.“ Beachten Sie also genau, was auf der Zutatenliste steht: Hinter den Bezeichnungen Hefeextrakt, Sojasauce, Gewürz- bzw. Rindfleischextrakt oder Tomatenpulver verstecken sich Geschmacksverstärker.

Konservierungsstoffe werden oft als Antioxidations- und Säuerungsmittel (E200 bis 297), Rosmarin- und Kräuterextrakte oder Senfsaat getarnt. Auch ohne farbgebende Stoffe kommen die wenigsten Produkte aus. Hier auf nicht kennzeichnungspflichtige Farbstoffe (E100 bis 180) wie Karottenextrakt, Rote-Bete-Saftkonzentrat beziehungsweise -Pulver, Kurkumin, Kamin, Paprikaextrakt oder Betacarotin achten!

Aroma statt Natur

Warum der Geschmack unserer Lebensmittel kaum noch von natürlichen Zutaten, sondern aus dem Chemielabor stammt.

Auch der Hinweis „ohne künstliche Aromen“ soll dem Verbraucher natürliche Zutaten signalisieren. So werden bei Fruchtjoghurt zusätzlich Bilder mit frischen Früchten aufs Etikett gedruckt. „Diese sind aber meist nur in Spuren – maximal eine halbe Erdbeere pro Becher –, manchmal sogar überhaupt nicht enthalten“, so Schwartau. Das typische Erdbeeraroma stammt aus Holzspänen, den intensiven Pfirsichgeschmack gewinnen die Hersteller aus „natürlichen“ Schimmelpilzkulturen.

Die Hersteller sparen dadurch teure, hochwertige Rohstoffe. So kann man mit einem Himbeeraroma für 6 Cent 100 Kilogramm Joghurt aromatisieren. Echte Himbeeren würden mit 30 Euro das 500-Fache kosten. Nur bei der Bezeichnung „mit natürlichem Himbeeraroma“ können Sie sicher sein, dass 95 Prozent des Geschmacks aus echten Himbeeren stammen. Folgende Aromen werden hingegen im Labor hergestellt:

Natürliche Aromastoffe: Sie werden durch die Zugabe von Enzymen aus natürlichen Quellen hergestellt. So entwickeln dann zum Beispiel bestimmte Pilze ein Nussaroma, einige Pflanzenzellen schmecken intensiv nach Zitrusfrüchten.

Natürliches Aroma: Gemisch aus Aromastoffen und Extrakten aus natürlichen Quellen. „Natürliches Aroma“ in Rinderbrühe kann aus Pflanzen gewonnen werden.

Aromastoffe: Werden aus Pflanzen oder Mikroorganismen gewonnen, auch chemisch synthetisierbar.

Leichter durch Light?

Viele Fertigprodukte sind zu fetthaltig. Doch nicht immer sind vermeintliche Diät-Produkte die bessere Wahl.

Wer abnehmen will, muss keine speziellen „Diät“-Produkte kaufen. „Sie enthalten im Schnitt sogar 10 Prozent mehr Kalorien und 66 Prozent mehr Fett als das Original“, weiß Silke Schwartau. Um den gleichbleibenden Geschmack der Diabetikerkost zu garantieren, geben die Hersteller statt Zucker einfach mehr Fett hinzu. Bei fettarmen Light-Produkten ist es genau umgekehrt, hier gleicht Zucker den fehlenden Geschmacksträger Fett aus. „Das Schlimmste ist, dass man glaubt, es handle sich um Schlankheitskost, und unbewusst mehr isst“, so die Expertin. Die wichtigsten Bezeichnungen:

Kalorienreduziert: Die so gekennzeichneten Produkte enthalten weniger Kalorien als die Standardversion. Kalorische Schwergewichte wie Fleisch- oder Kartoffelsalat schlagen aber auch als abgespeckte Version immer noch ordentlich zu Buche.

Light: Der Energiegehalt muss 30 Prozent geringer sein als bei vergleichbaren Produkten. Werden Zucker und Fett reduziert, muss der Geschmack woanders herkommen, etwa aus Süßstoffen oder Aromen.

Ist Bio besser?

Tiefkühlpizza und Tütensuppe, fast alles ist mittlerweile in Bioqualität zu bekommen. Größter Unterschied zum konventionellen Original: Viele der sonst üblichen Zusatzstoffe sind hier verboten. Am Kalorien- und Fettgehalt ändert aber auch das Bio -Siegel nichts.

Vorsicht Mogelpackung!

Die Organisation Foodwatch (www.foodwatch.de) kämpft gegen die Irreführung der Verbraucher. Sie führt Listen mit Begriffen der Lebensmittelindustrie, die nichts aussagen – eine Auswahl:

Verbesserte Rezeptur

Diese Bezeichnung steht selten für einen Qualitätsgewinn. Nach der Rezeptumstellung enthalten viele Produkte oft noch mehr ungesunde Zusatzstoffe.

Aus regionaler Herkunft

Oft handelt es sich dabei um Industrieprodukte, die weite Transportwege hinter sich haben. So werden die Zutaten importiert und nur in der Region verarbeitet.

Gourmet

Fertiggerichte von Sterneköchen müssen nicht zwingend besser sein. Diese angebliche Spitzenqualität unterscheidet sich nicht von der Standardware, ist aber drei- bis viermal so teuer.

Hergestellt nach Originalrezept

Der Begriff ist nicht geschützt. Klingt gut, hat aber keinerlei Bedeutung für die Zusammensetzung der Zutaten oder die Art der Zubereitung.

Schnell, praktisch, gut

Die cleveren Alternativen: wie Sie aus Fertig-Food das Beste herausholen oder es durch schnelle, frisch zubereitete Gerichte ersetzen.

Nudelgerichte

Selbst wenn auf der Verpackung von Instant- Nudelgerichten Gemüse abgebildet ist, steckt kaum etwas davon drin. Das erkennt man daran, dass es auf der Zutatenliste weit hinten steht.So wird’s gesünder: Finger weg von Fertignudelgerichten! Kochen Sie lieber einfache Pasta, sie ist in 6–8 Minuten gar. Dazu passt eine Soße aus frischen Tomaten, Kräutern und Gemüse – geht ebenso fix!

Obstsalat

Vorgeschnittenes Obst in Plastikverpackungen kostet mindestens dreimal so viel wie unverarbeitete Früchte. Was noch hinzukommt: Die Obststücke sind viel keimanfälliger und meist von minderer Qualität.So wird’s gesünder: Am besten in frisches Obst beißen, selbst klein schneiden oder mit dem Pürierstab zu Smoothies verarbeiten.

Tiefkühlpizza

Das Dickmacher-Duo Kohlenhydrate (Teig) plus Fett (Käse) macht Fertigpizza zur Kalorienbombe. Besonders viel enthalten die Sorten „Thunfisch“ und „Salami“.So wird’s gesünder: Ganz ohne Zusatzstoffe kommen Sie nur aus, wenn Sie die Pizza selbst zubereiten. Wer wenig Zeit hat, nimmt Fertig-Pizzateig (im Kühlregal) und belegt diesen mit Tomatensugo, viel Gemüse und (wenig) Mozzarella.

Süßspeisen

Ob gefüllte Pfannkuchen oder Milchreis: Süße Fertig-Mahlzeiten enthalten jede Menge Fett und Zucker.So wird’s gesünder: Wenn Sie zum Beispiel Instant-Pfannkuchenteig backen, belegen Sie die Crêpes mit viel frischen Früchten. Auch Milchreis können Sie so ganz easy zu einem vitaminreichen Dessert aufwerten.

Suppen

Tütensuppen haben meist nur noch wenig mit den auf der Packung abgebildeten Zutaten zu tun. Der Geschmack stammt aus künstlichen Aromen, nicht aus frischen Zutaten.So wird’s gesünder: Greifen Sie lieber zur Dosensuppe und möbeln Sie diese mit frischem Gemüse auf. Einfach klein schnippeln, kurz mitkochen und pürieren. Auch gut: Gemüse mit Gemüsefond kochen, würzen und mit etwas Frischkäse pürieren.

Salat

Fertige Salatmischungen aus der Kühltheke sind praktisch. Ihr Manko: Durch die aufwändige Waschung, Zerkleinerung und Verpackung büßen sie oft reichlich Vitamine ein und verderben schneller.So wird’s gesünder: Kaufen Sie lieber frischen Salat und Gemüse. Das ist ruck, zuck gewaschen und zerkleinert. Selbst gemachte Vinaigrette ist im Vergleich zum Fertigdressing frei von Zusatzstoffen.

Fischgerichte

Fisch ist gesund und versorgt den Körper mit herzschützenden Omega-3-Fettsäuren. Aber nur, wenn Sie ihn pur genießen. Eine fetttriefende Knusperpanade verwandelt den gesunden Meeresbewohner in eine echte Kalorienbombe.So wird’s gesünder: Tiefgefrorenes Fischfilet ohne Panade auftauen. Abends in Olivenöl anbraten und mit Gemüse, Pasta oder Salat genießen.

Gemüsepfanne

Wenn Saisonware in den kalten Monaten Winterschlaf hält, sichert der Griff in die Tiefkühltruhe Ihre Gemüseversorgung. Vorsicht ist geboten bei überbackenen oder frittierten (Kartoffel-)Gerichten, die mit pflanzlichen Fetten angereichert sind.So wird’s gesünder: Setzen Sie auf reines Tiefkühlgemüse ohne jeglichen Schnickschnack – das liefert am meisten Nährstoffe.

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