Wie gut geht es Ihrem Blutdruck?

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Bei Werten ab 140/90 spricht man von erhöhtem Blutdruck
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Wohlfühl-Welt

Testen Sie sich Ihrem Herzen zuliebe. "Wer informiert ist, kann gerade hier selbst viel für seine Gesundheit tun", sagt der renommierte Hochdruck-Spezialist Professor Joachim Hoyer.

Manchen Menschen sieht man es an: Bei Aufregung schwitzen sie plötzlich, und wenn sie sich anstrengen, werden Wangen und oft auch der Hals rot. Wahrscheinlich ist ihr Blutdruck zu hoch. Jeder dritte Deutsche ist betroffen, ab dem 50. Lebensjahr jeder zweite.

"Aber man sieht es nicht immer. Und nur selten sind organische Ursachen wie ein Nierenleiden für den Bluthochdruck verantwortlich. Bei knapp 90 Prozent findet sich keine direkte Ursache, und man fühlt sich auch nicht krank", sagt Professor Joachim Hoyer, Vorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.

"Deshalb wissen viele nicht, dass sie betroffen und dass Gefäße und Herz gefährdet sind. Aber wer informiert ist, kann vorbeugen und das Risiko minimal halten. Wichtig ist: regelmäßig Blutdruck messen, sich viel bewegen, gesund ernähren und ausreichend entspannen."

AUF DIE WERTE KOMMT ES AN

Der Blutdruck wird in mmHg gemessen. "mm" steht für Millimeter, "Hg" ist das Kürzel für Quecksilber. Das steckte bei früheren Blutdruckmessgeräten der Ärzte in einem Glasröhrchen mit Millimeter-Skala.

Der erste Wert zeigt den Druck an, wenn sich das Herz gerade zusammenzieht (Systole). Der zweite Wert zeigt den Druck, wenn das Herz erschlafft (Diastole).

Als optimal gelten Werte bis 120 zu 80 mmHg. Normal sind Werte bis 140/90. Bei Werten ab 140/90 gilt der Blutdruck schon als überhöht.

LAUFEN SIE DEM HOCHDRUCK DAVON

Das klingt anstrengend, braucht es aber nicht zu sein. Schon kleine Fortschritte bringen viel.

"10.000 Schritte täglich senken den Blutdruck und halbieren das Risiko einer Herzerkrankung. Auch die Gefahr für Schlaganfall und Diabetes sinkt dann deutlich", sagt Professor Hoyer. "Kaufen Sie sich im Sportgeschäft für 10 Euro einen Schrittzähler. Schauen Sie, wie viele Schritte Sie normalerweise pro Tag machen. Dann bauen Sie immer mehr Schritte in Ihren Alltag ein - gehen Sie zu Fuß einkaufen, nehmen Sie die Treppe statt den Aufzug. Es gibt viele Möglichkeiten."

Die richtige Sportart, um das Risiko weiter zu senken, ist sanftes Ausdauertraining. Professor Hoyer: "Ich empfehle Wandern, Radfahren, Walken, Joggen. Ein ideales Ganzkörpertraining ist Nordic Walking. So kommen Sie ohne große Anstrengung in Form. Optimal ist es, wenn Sie sich pro Woche drei- bis viermal je 30 bis 40 Minuten bewegen. Das kann den oberen Blutdruckwert um 15, den unteren um 8 mm senken."

SCHLEMMEN SIE SICH GESUND

"Jedes Kilo überflüssiges Körperfett bedeutet Mehrarbeit fürs Herz. Wer nur 1 Kilo abnimmt, senkt den oberen Blutdruckwert schon um 2 mm, den unteren um 1 mm.

Aber einfach weniger zu essen ist nicht clever. Gönnen Sie sich Hochwertiges", rät der Experte.

Leckere Medizin

Vitamine und Mineralien helfen, den Blutdruck zu senken. "Essen Sie nach Herzenslust Obst und Gemüse. Super, wenn es täglich fünf Portionen sind. Ein, zwei Gläser Gemüse- oder Obstsaft zählen mit." Gut für den Blutdruck sind die Mineralien Kalium, Magnesium und Kalzium.

Viel steckt z. B. in Avocados, Bananen, frischen oder getrockneten Feigen und Aprikosen. "Bevorzugen Sie außerdem Vollkornbrot. Auch das liefert Mineralien, und es hält lange satt. Und: zu viel Salz erhöht den Blutdruck. Würzen Sie mehr mit Kräutern."

Mittelmeerkost ist ideal

Salat, frischgepresstes Olivenöl statt tierisches Fett, Fisch statt fettes Fleisch, dazu Reis, Nudeln, Hülsenfrüchte. Makrele, Lachs oder Hering senken mit ihren Omega-3-Fettsäuren den Blutdruck.

GÖNNEN SIE SICH PAUSEN

Weniger Negativ-Stress im Alltag ist ein großes Plus für Ihre Gesundheit.

"Nehmen Sie Tempo raus", rät Professor Hoyer. Ab und zu eine Extra-Pause entschleunigt den Alltag. Wie wär's z. B. mit einer Tasse Tee am Vormittag? Genießen Sie ohne schlechtes Gewissen: Die Pause haben Sie sich verdient! Lesen Sie ein Kapitel in einem Buch. Oder machen Sie einfach die Augen zu, atmen Sie ganz bewusst.

"Ein Abendspaziergang hilft wunderbar runterzukommen", so Professor Hoyer. "Und dann gehen Sie früh ins Bett. Testen Sie, ob Sie vielleicht tatsächlich eher einschlafen als bisher."

Gezielt entspannen hilft enorm

Gut sind Entspannungsverfahren wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga-Übungen.

Professor Hoyer: "All das kann man gemeinsam mit anderen leicht lernen, z. B. im Sportverein oder in der Volkshochschule."

So messen Sie selbst

"Jeder Erwachsene sollte seinen Blutdruck im Blick haben", rät Professor Joachim Hoyer. "Die Messung beim Arzt ist ja eher selten. Und sie ist nur eine Momentaufnahme. Außerdem sind die gemessenen Werte dann häufig leicht erhöht, weil man etwas aufgeregt ist. Messen Sie regelmäßig zu Hause."

Gute Blutdruck-Messgeräte für das Handgelenk gibt es ab 25 Euro (Apotheke, Sanitätsgeschäft). Für Hochdruck-Patienten sind Oberarmgeräte mit einer entsprechend längeren Manschette besser. Fragen Sie auf jeden Fall nach dem Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga oder des TÜV Rheinland .

Messen Sie zwei- bis dreimal pro Woche. Wichtig: Sie sollten immer zur gleichen Zeit messen, z. B. nach dem Frühstück.

Nehmen Sie sich Zeit. Setzen Sie sich an einen ruhigen Ort und warten Sie fünf Minuten, bevor Sie die Manschette anlegen. Sie sollten in der Zeit nichts essen und trinken, sich auch nicht unterhalten. All das kann den Blutdruck leicht erhöhen - und für den Arzt sind gerade die sogenannten Ruhe-Werte wichtig.

Legen Sie das Gerät knapp über dem Handgelenk Richtung Ellenbogen an. Halten Sie das Gerät dann auf Herzhöhe.

Tragen Sie die angezeigten Werte plus Datum und Uhrzeit in ein Gesundheits-Tagebuch ein. Das gibt es in Apotheken.

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