Naturheilkunde Wie Heilpflanzen gegen Depressionen helfen können

Heilpflanzen können dabei helfen, depressive Stimmungen aufzulösen.
Heilpflanzen können dabei helfen, depressive Stimmungen aufzulösen.
Foto: iStock

Ein Leben mit Depressionen ist schwer. Depressive Verstimmungen trüben die Lebensfreude. Neben Niedergeschlagenheit, Mutlosigkeit und Schlafstörungen leiden Betroffene vor allem unter ihrer Antriebsschwäche. Selbst wenn sie wissen, was ihrem Körper und ihrer Seele gut tun würde, schaffen sie es nicht, sich dazu aufzuraffen. Sie bremsen sich selbst aus, finden tausend Ausreden, warum sie etwas nicht machen können, und ziehen sich immer mehr zurück.

Der Alltag fühlt sich bleischwer an – und scheinbar gibt es keinen Weg heraus, aus der ewigen Abwärtsspirale. Doch Halt!

Wege aus der Depression

Es ist eine gute Nachricht: Wer unter depressiven Verstimmungen leidet, ist dem nicht völlig hilflos ausgeliefert. Es gibt viele Möglichkeiten, gegen die Depression anzusteuern. Im Folgenden erläutern wir Wege zur Selbstherapie und Möglichkeiten der medizinischen Unterstützung.

Sich selbst helfen

„Ein typisches Kernsymptom für fast alle depressiven Erkrankungen“, so erläutert Professor Dr. Dr. Gerhard Roth vom Institut für Hirnforschung der Universität Bremen, „ist das ständige Grübeln. Ein gesunder Mensch denkt ein Problem durch, dabei fällt ihm in der Regel irgendwann eine Lösung ein, die er dann umsetzt. Depressive kommen erstens oft zu keiner Lösung und zweitens fallen ihnen immer neue Probleme ein, bis sie erschöpft sind und sich sagen: „Es ist völlig unmöglich, ich schaffe es ohnehin nicht.“ Erst wenn es ihnen gelingt, diese Grübelei zu stoppen, können sie wieder optimistischer denken. Dazu brauchen sie jedoch einen gewissen Anschub, zum Beispiel durch Zuwendung vom Partner oder von Freunden.“

Professor Dr. Dr. Gerhard Roth vom Institut für Hirnforschung der Universität Bremen ist einer der bekanntesten europäischen Neurobiologen und beschäftigt sich seit langem damit, wie sich mit Unterstützung des Gehirns unser Verhalten ändern lässt.
Professor Dr. Dr. Gerhard Roth beschäftigt sich seit langem damit, wie sich mit Unterstützung des Gehirns unser Verhalten ändern lässt.
Foto: Professor Gerhard Roth

Bei depressiven Menschen produziert das System, das Stress im Körper verarbeitet, zu viel von den Stresshormonen Cortisol und Adrenalin und zu wenig vom Stimmung aufhellenden Botenstoff Serotonin. Ein beruhigendes Gespräch, eine Umarmung, eine liebevolle Partnerschaft können eine produktive Wirkungskette in Gang setzen. Dabei schüttet der Körper das Bindungshormon Oxytocin und hirneigene Opioide aus, und die können die Dysfunktion ausgleichen. Die Spiegel von Cortisol und Adrenalin sinken, der Serotoninspiegel steigt. Das ist eine der wichtigsten neuen Erkenntnisse der Neurobiologie. "Bindung kann Depressionen zwar nicht heilen, aber lindern", erklärt Professor Roth.

Doch was, wenn die Depression mich derart niederdrückt, dass ich mich nicht mehr imstande fühle, den Kontakt zu anderen Menschen zu suchen?

Niemand versteht mich, keiner will mit meinem Leiden etwas zu tun haben“ – das ist ein typischer Gedanken von depressiven Menschen, der dazu führt, dass sich diese Menschen komplett von ihrem sozialen Umfeld zurückziehen. Aus dieser selbst gewählten Isolation auszubrechen, erfordert viel Mut. Gelingen kann das durch Selbstbefehle, Merksätze, die in der gleichen Reihenfolge wiederholt werden, immer wieder, Schritt für Schritt, wie beim Autogenen Training. Zum Beispiel: „Ich entspanne mich. Ich weiß, dass mein Gehirn diese Ängste anderen gegenüber auslöst. Ich lerne damit umzugehen. Niemand ist gegen mich. Ich lasse den Kontakt zu.

Wichtig ist, dass diese Sätze positiv formuliert sind. Nach zehn, zwölf Mal wird das automatisiert. Dann tritt eine Wirkung ein. Die Symptome einer Depression sind tief im Gehirn eingegraben, in den Basalganglien. Das sind Koordinationszentren unterhalb der Großhirnrinde, die unter anderem für unsere Handlungen mitverantwortlich sind, insbesondere auch für unsere guten und schlechten Gewohnheiten. Ein aktueller Willensentschluss kann hier nichts bewirken. Einer Automatisierung solcher selbsttherapeutischen Maßnahmen sind sie jedoch zugänglich. Betroffene können so lernen, sich von ihrem Leiden zu distanzieren und damit umzugehen.

Außerdem ist es hilfreich, in kleinen Schritten zu denken. Professor Roth rät: „Wer antriebslos ist, denkt zwar, er müsse Rad fahren oder laufen, was gut gegen Depressionen ist. Aber um das in die Tat umzusetzen, ist eine starke Willensanstrengung nötig. Die können viele nicht aufbringen. Da ist mein Rat, sich ein ganz kleines erstes Ziel zu setzen. Nicht gleich die Zehn-Kilometer-Strecke, sondern einfach nur vom Sofa aufzustehen oder zum Einkaufen zu Fuß zu gehen, statt das Auto zu nehmen. Sich also etwas vorzunehmen, was relativ leicht zu schaffen ist und ein gewisses Maß an Befriedigung gibt. Dann langsam weiter zu gehen.“

Hilfe von außen zulassen

Wenn es einem schlecht geht, fällt es sehr schwer, überhaupt erste Schritte aus dem tiefen Loch heraus zu machen. Das ist ok, depressive Verstimmungen sind nichts, was sich mal eben so lösen lässt. Schließlich sind sie meist auch über eine lange Zeit hinweg entstanden, durch viele verschiedene Auslöser verursacht worden. Da braucht es entsprechend Zeit, gegen die Depression anzugehen und das Leben langsam wieder zurückzugewinnen.

Für die meisten Betroffenen ist Unterstützung durch einen professionellen Therapeuten daher eine gute Idee. Es gibt keinen Grund, sich für seine Erkrankung zu schämen. Gespräche mit einem Experten, der nichts mit dem persönlichen Leben zu tun hat, können befreiend wirken und sehr hilfreich dabei sein, eine lösungsorientierte Sicht auf das eigene Leben zu gewinnen.

Heilpflanzen: Die besten Helfer aus der Natur

Was in depressiven Phasen auch helfen kann, sind Arzneimittel mit pflanzlichen Wirkstoffen wie Johanniskraut, Baldrian und Passionsblume. Sie können die Symptome der Depression lindern, eine Psychotherapie unterstützen und den Weg aus dem Tief erleichtern.

Johanniskraut wirkt stimmungsaufhellend.
So schön gelb: Johanniskraut wirkt stimmungsaufhellend.
Foto: Pascoe

Die Extrakte aus der Passionsblumenkraut werden zur Behandlung nervöser Unruhe, innerer Anspannung, Ruhelosigkeit, nervöser Einschlafstörungen sowie in stressbelastenden Situationen verwendet. Ihren beruhigenden und entspannenden Effekt verdankt die Pflanze vermutlich den enthaltenen Flavonoiden, die neben ihren antioxidativen Eigenschaften auch einen positiven Einfluss auf Botenstoffe des Zentralnervensystems haben.

Stimmungsaufhellend wirkt das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum). Weil sich seine hübschen gelben Blüten mit den auffälligen Staubgefäßen kurz vor dem Geburtstag Johannes des Täufers (24. Juni) öffnen, erhielt es seinen Namen. Doch schon in vorchristlicher Zeit wurden Johanniskrautblüten, -knospen und -blätter geerntet und in der Volksmedizin bei Hautproblemen, Wunden oder Gicht verwendet. Im späten Mittelalter erkannte man, dass die Pflanze mit ihren leuchtenden Blüten nicht nur halbschattige Wegränder, Wiesen oder lichte Wälder erhellt, sondern auch das Gemüt. Johanniskraut wurde nun zur Linderung von Schwermut, Melancholie und Niedergeschlagenheit verabreicht. Echtes Johanniskraut ist bis heute ein geschätztes pflanzliches Heilmittel gegen depressive Verstimmungen.

Besonders hilfreich bei Einschlafproblemen die Heilpflanze Baldrian (Valeriana officinalis), denn die in der Wurzel enthaltenen Lignane docken an bestimmte Gehirnrezeptoren und beeinflussen Botenstoffe des Zentralnervensystems. Deshalb wird Baldrian bei Unruhe und Anspannung eingesetzt. Er beruhigt, macht aber nicht müde. Trotzdem hilft er beim Einschlafen, weil er die schlafhemmende innere Anspannung löst.

Baldrian löst innere Verspannung und hilft so beim Einschlafen.
Baldrian löst innere Verspannung und hilft so beim Einschlafen.
Foto: Pascoe

Wie bei allen Arzneimitteln ist es natürlich zu empfehlen, die Einnahme und Dosierung mit einem medizinischen Experten zu besprechen. Dieser kann genau bestimmen, welches Präparat der Patient tatsächlich benötigt und Medikamente empfehlen, die die Vorteile aller Heilpflanzen kombinieren. Denn Heilpflanzen werden oftmals nicht nur einzeln als Monopräparate, sondern auch in Kombinationen verwendet.

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