Licht & GesundheitWie Licht auf uns wirkt

Licht wirkt sich auf unsere Gesundheit aus
Licht wirkt sich auf unsere Gesundheit aus - entweder positiv oder negativ
Foto: iStock
Inhalt
  1. Welche Lichtarten gibt es?
  2. Welchen Einfluss hat Licht auf uns?
  3. Wie können wir das Licht für uns nutzen?

Licht beeinflusst unsere Stimmung, unseren Schlaf, unsere Gesundheit. Allerdings kommt es auf die Lichtart an. Eine Übersicht.

Welche Lichtarten gibt es?

Dass es unterschiedliche Lichtarten gibt, wird uns spätestens dann bewusst, wenn wir beim Shoppen in einer Umkleide stehen und die Beleuchtung so gewählt ist, dass wir jede Delle am Po und jede Falte im Gesicht glasklar erkennen können (Schönen Dank auch an die Lichtkonzeptionierer der Modeläden. Ich hoffe euch ist klar, wie viel Geld den Läden durch die Lappen geht, nur weil Kundinnen weniger einkaufen, weil die Umkleidekabine so unvorteilhaft beleuchtet ist und sie sich in den anprobierten Klamotten fett statt hübsch fühlen!).

Die Bedeutung des Lichts sollte man also nicht unterschätzen.

In erster Linie erreicht uns das Licht durch die Lichtrezeptoren im Auge. Das für Menschen sichtbare Licht liegt im Wellenlängenbereich von 380 bis 780 Nanometern (von violett bis rot). Darunter (10 bis 380 Nanometer) befindet sich die Ultraviolettstrahlung, darüber (780 bis 1000 Nanometer) das Infrarotlicht.

Aber auch über die Haut nehmen wir die Wirkung des Lichts wahr: in Form von Wärme.

Tageslicht

Das natürliche Licht verändert sich im Laufe des Tages. Grundsätzlich hat natürliches Licht einen hohen Blauanteil: morgens ein helles Blau, abends ein dunkles Blau.

Biologisch wirksam ist das blaue Licht mit einer Wellenlänge von etwa 480 Nanometern ("kurzwellig"). Blaues Licht beeinflusst - im Gegensatz zu langwelligem roten Licht - ein Wahrnehmungssystem, das durch die Sinneszellen hinter der Augen-Netzhaut aktiviert wird.

Kunstlicht

Einfaches Kunstlicht kann das Tageslicht nicht ersetzen. Allerdings wirkt sich eine harmonische und gezielte Lichtgestaltung in vielerlei Hinsicht auf Menschen aus: es kann entspannen und beruhigen oder anregen und motivieren.

Lichtfarbe (was für Farben gilt, gilt auch für Lichtfarben, siehe Video unten), Lichtintensität oder Licht-Einfallwinkel können etwa die Atmosphäre eines Raumes komplett verändern - positiv wie negativ.

Welchen Einfluss hat Licht auf uns?

Licht beeinflusst nicht nur, ob und wie gut wir etwas sehen, sondern hat auch Einfluss auf unsere biologischen Prozesse, wie etwa die innere Uhr. Doch wie funktioniert das genau?

Licht beeinflusst den Hormonhaushalt

Zum einen steigert das morgendliche Tageslicht die Produktion des Stresshormons Cortisol in unserem Körper - es macht uns wach.

Zum anderen regt das Licht am Morgen die Produktion des Glückshormons Serotonin an, das uns leistungsfähig und fit werden lässt.

Fällt das Licht bei Nachteinbruch weg, produziert der Körper das Schlafhormon Melatonin, welches uns müde und schläfrig macht.

Licht steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus

Morgens sind wir leistungsstark, ab mittags werden wir schwächer bis wir schließlich in der Nacht unseren Tiefpunkt erreichen. Was wir jeden Tag erleben, nennen Forscher den circadianen Rhythmus.

Dabei spielen die Blauanteile des Lichts die Hauptrolle. Viele Studien haben ergeben, dass das Licht von PC, Tablets und Smartphones am Abend, zu Einschlafstörungen führen kann: Diese Lichtquellen haben einen hohen Blauanteil, der die Melatoninproduktion unterdrückt und uns wach macht statt müde. Besser für den Abend: Licht mit warmweißen Licht. Diese stehen der natürlichen Melatoninbildung nicht im Weg.

Zu anderen Tageszeiten, wie etwa beim Aufwachen oder im Mittagstief, wäre Licht mit hohem Blauanteil dagegen förderlich.

Licht ist an der Vitaminbildung beteiligt

Vitamin D kann der Körper nur bei der kurzwelligen Sonneneinstrahlung (UVB-Strahlen) bilden. Optimal sollten 50 Nanogramm Vitamin D pro Milliliter Blut in unserem Körper vorhanden sein. In Deutschland haben Menschen durchschnittlich unter 30 ng / ml im Blut.

Grund dafür ist nicht nur der in Deutschland oft bewölkte Himmel (denn auch durch die Wolken erreicht uns noch wertvolles Licht!). Studien gehen davon aus, dass es an unseren Jobs liegt: Die meisten finden in Gebäuden statt, wir halten uns länger in Fahrzeugen statt unter freiem Himmel auf. In Innenräumen beträgt die Lichtstärke oft nur 500 bis 600 Lux - zu wenig für unseren täglichen Vitamin-D-Bedarf.

Dabei sind sich Forscher einig: Auch bei unserem "nördlichen" Licht reichen schon 15 bis 20 Minuten täglich aus, um den Vitamin-D-Haushalt aufzufüllen - jedenfalls im Sommer. An Wintertagen beträgt die (Tages-)Lichtstärke noch etwa 2.500 Lux. Grund genug, um mindestens die Mittagspause unter freiem Himmel zu verbringen.

Übrigens: Südeuropäer bilden etwa doppelt so viel Vitamin D wie Nordeuropäer. Krankheiten, die aufgrund von Vitamin-D-Mangel auftreten, kommen in Südeuropa viel seltener vor. Dazu zählen etwa Osteoporose, Multiple Sklerose und Darmkrebs.

Licht beeinflusst unsere Stimmung

Neben dem circadianen Rhythmus (s.o.) gibt es noch den Jahreszeiten-Rhythmus (infradianer Rhythmus). Er bezieht sich auf den Einfluss vom Licht unterschiedlicher Jahreszeiten: Während wir im Sommer fit sind, sind wir im Winter niedergeschlagen und neigen zum "Winterblues" oder gar zu saisonalen Depressionen.

So haben Forscher nachgewiesen, dass blaues Licht die direkte Gefühlsverarbeitung im Gehirn beeinflusst. Kurz gesagt: Je blauer das Licht, desto glücklicher sind wir.

Licht kann Heilungsprozesse beeinflussen

Es gibt Lichttherapien, die Depressionen lindern oder sogar bekämpfen können. Inzwischen werden sogar spezielle Lichttherapien angeboten, die etwa Neurodermitis bekämpfen; Lichttherapien, die Schwangerschaftsstreifen vorbeugen sollen (durch explizite Ankurbelung der Vitamin-D-Produktion), und weitere Lichttherapien, die bei Akne, Rückenschmerzen oder Schuppenflechten helfen. Doch wie funktioniert das?

Licht bestimmter Wellenlängen erzeugt Wärme. Genauer gesagt: Blaues Licht wird von Pigmentteilchen der Haut (sogenannten Chromophoren) aufgenommen, wobei Wärme entsteht. Die Wärme erweitert die Blutgefäße, das wiederrum verbessert die Durchblutung - und die verbesserte Durchblutung lindern wiederum verschiedene Krankheiten.

Licht beeinflusst die Leistung und Konzentration

Ob Erwachsene bei der Arbeit oder Kinder in der Schule: Ein abgestimmtes Lichtkonzept steigert die Konzentrationsfähigkeit, mindert die Fehlerquote und steigert die Leistungsbereitschaft, wie ein Feldversuch ergab.

Dabei gilt der Grundsatz: Tageslichtweiße Beleuchtung (etwa 5.600 Kelvin) macht fit, warmweißes Licht (3.000 Kelvin) dagegen entspannt.

Wie können wir das Licht für uns nutzen?

Lichtforscher wissen nicht nur, dass dunkle Wände und Möbel weniger Licht reflektieren, sondern auch, dass Rot- und Brauntöne Blauanteile absorbieren, also in sich aufnehmen, "verschlucken".

Dass in geschlossenen Räumen großflächiges warmweißes Direktlicht besser wirkt, als kalte indirekte Beleuchtung, ist den Forschern ebenfalls bekannt: Im Vergleich waren Menschen wacher und produktiver, wenn die Beleuchtung vorteilhaft abgestimmt war.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es unzählige Wechselwirkungen gibt, zwischen dem Licht und der Umgebung, die den Menschen beeinflussen: Von welcher Seite kommt das Licht? Handelt es sich um natürliches oder künstliches Licht? Wie viele Blauanteile hat es? Kollidiert direktes Licht mit indirektem Licht? Wo und wie wird das Licht reflektiert, wo und warum wird es absorbiert?

Das Stuttgarter Fraunhofer Institut hat sogar einen Virtual Sky - ein Prototyp des perfekten Decken-Lichts - konzipiert. Diese "Simulation des natürlichen Himmels" ist 34 Quadratmeter groß und besteht aus 34.560 LEDs mit "nur" vier Grundfarben - mit denen sich allerdings über 16 Millionen Farben darstellen lassen. Das Ziel: Virtual Sky soll jegliches Wetter - von bewölktem bis zum wolkenfreien Himmel - nachahmen, sodass man sich etwa in Büroräumen "wie draußen" fühlen kann.

Tageslichtlampen verschaffen Abhilfe

Doch es muss ja nicht gleich eine völlig neue Deckenbeleuchtung sein. Der jeden Winter wiederkehrende Trend: Tageslichtlampen mit hohem Blaulichtanteil.

Schon 45 bis 60 Minuten täglich vor einer 10.000 Lux-Lampe (in 50 bis 80 Zentimeter Entfernung) können saisonale Depressionen schon nach zwei bis drei Wochen mildern, wie eine Untersuchung zeigte. Auch bei einem Jetlag sollen Tageslichtlampen helfen.

Im Test haben Tageslichtlampen zwischen rund 100 und 170 Euro gut abgeschnitten (hier der Vergleich).

 

Kategorien: