"Wie, Prinzessin ist kein Beruf?"

susannerueckert
"Mein Patenkind will Plakatkleber werden"
Foto: tina

Szenen aus dem Leben

Sieben oder acht Jahre war ich, da begriff ich, dass ich niemals Prinzessin sein würde. Das war ein Schock, denn bis dahin hatte ich angenommen, Prinzessin sei ein normaler Beruf - so wie Tierärztin oder Stewardess. Drei Jahre Lehrzeit in einem Schloss, ein paar Monate Berufsschule, um Aus-Kutschen-Winken und Röcke-Raffen zu lernen, schon wäre ich Susanne die Erste mit Krönchen und Himmelbett.

Aus dem Thron wurde später ein Bürostuhl

... und mein Schloss ist ein Reihenhaus am Stadtrand von Hamburg. Auch nicht schlecht.

Jetzt hoffe ich, dass sich auch mein Patenkind Paul seinen Berufswunsch noch mal durch den Kopf gehen lässt. Momentaner Spitzenreiter seiner Job-Hitliste ist der Pfandflaschensammler. Seit Paul entdeckt hat, dass das Geld auf der Straße liegt und man sich nur zu bücken braucht, sieht man ihn selten in der Senkrechten. Meist steckt er unter Büschen, beugt sich über Mülleimer oder umrundet Parkbänke. Fußball spielen oder Blödsinn machen interessiert ihn nicht, Paulchen sucht Flaschen. Die Karriere geht vor.

Seine Mutter schämt sich in Grund und Boden, wenn ihr Sohn mal wieder in Richtung Leergutautomat unterwegs ist. Aber der Erfolg gibt ihm recht. Neulich sammelte er stolze 2,15 Euro, die er sofort wieder in Umlauf brachte und in Gummibärchen investierte.

Bevor Paul die Sache mit dem Pfandgeld entdeckte, wollte er in der Fußgängerzone Gitarre spielen

... "weil die Leute einem da ja das Geld in den Hut werfen". Er änderte seine Meinung, als sein Vater ihm erklärte, dass er dafür Gitarrespielen lernen müsste. Als Nächstes dachte er über die Möglichkeiten "Kinokartenabreißer" oder "Zuckerwattedreher" nach. Schließlich entschied er sich für "Plakatkleber an Litfaßsäulen".

Neulich fragte ich ihn, warum er nicht Prinz werden wolle. Immerhin brauchen die gar nicht zu arbeiten und sind trotzdem reich. Och nö, meinte Paulchen. Prinzen müssen ja immer Prinzessinnen heiraten, und die, so die uncharmante, aber ehrliche Meinung eines Fünfjährigen, wären ihm viel zu rosa.