Wie schmutzig sollte Sex sein?

wie schmutzig sollte sex sein
Wie schmutzig sollte Sex sein?
Foto: Thinkstock

Dirty Sex

Der perfekte Liebhaber ist zur Hälfte triebgesteuerter Steinzeitmensch und zur Hälfte kultivierter Metromann. Fehlt eine Seite, wird es eklig. Oder langweilig. Sophie Andresky über die perfekte Mischung.

Fan von schmutzigem Sex

Es war dieser laue Frühlingsabend im Neandertal, als die Männer das frisch erlegte, noch warme, zottelige Mammut auf den Versammlungsplatz schleppten, verschwitzt von der tagelangen Jagd und überdreht von dem ganzen Gerenne und dem Geruch nach Blut. Und während die anderen schon über Brust oder Keule stritten oder darüber, wer das Feuer erfunden hatte, stürmte einer der Jäger, dreckig und bis über die wulstigen Ohren brünstig, auf seine Beerensammlerin zu, schleppte sie am Haarschopf in die Höhle und zeigte ihr, wo bei einem Jäger der Speer hängt.

Und das Neandertal hallte wieder von seinem Grunzen und ihren spitzen Schreien. Groß herumdiskutiert wurde da nicht. Seitdem hat sich in der Liebe einiges geändert – und einiges nicht. Neu ist, dass man heute erst mal duschen geht, und das ist eine echte Weiterentwicklung. Ich bin eine Hygienefanatikerin. Ich schätze geschrubbte, depilierte, deodorierte und manikürte Männer und finde Schweißgeruch und fettige Haare kein bisschen anturnend.

Vorbild Porno aus den 70ern

Napoleons berühmter Brief an seine Geliebte, sie solle sich nicht mehr waschen, bis er vom Feld nach Hause käme, befremdet mich, und wenn ich Pornos aus den Siebzigern und Achtzigern sehe, wo das Achselhaar fröhlich im Wind weht und die Intimzonen steinzeitlichen Büschen gleichen, da wird mir ganz anders. Trotz all dem bin ich ein Fan von schmutzigem Sex, denn das meint ja nicht, dass ich mit einem Fuß in einen alten Pizzakarton trete und die Bettwäsche nach den letzten hundert feuchten Träumen müffelt. Schmutzig heißt vielmehr, einen Hauch von Neandertal im Bett zu spüren.

Sex ist rohes, schwitziges Gerangel

Heißer Sex ist kein durchchoreografiertes, weichgezeichnetes Ballett voller anmutiger Posen und gehauchter Lieblichkeiten, sondern ein rohes, schwitziges Gerangel. Da schwabbeln die Problemzonen oder staken die Rippen, es wird geschnaubt und gejault, gekichert und gekratzt, und selbst wenn jemandem dabei ein unschickliches Geräusch entfährt, ja meine Güte. Für Etikette ist zwischen den Laken kein Platz, denn wenn Sex zu sauber, ordentlich, gemütlich und nett ist, dann ist er eben nicht mehr scharf.

Mit Sätzen wie „Wenn es dir jetzt recht ist, würde ich gern deine köstliche Liebesblüte liebkosen, und vielleicht könntest du dich währenddessen meinem launigen Lingam widmen“ vertreibt man mich aus jedem noch so vielversprechenden Schlafzimmer. Dirty Talk dagegen finde ich toll, je schmutziger, desto besser. Wenn jemand im richtigen Moment das dreckige Wort mit dem „Fi“ sagt oder das noch dreckigere mit dem „Fo“, dann kann das den Kick geben, der von gut zu geil noch gefehlt hat.

„Wer Sex will, muss freundlich sein“

„Wer Sex will, muss freundlich sein“, steht auf einem meiner Sleepshirts und natürlich stimmt das auch. Respekt- oder rücksichtslose Männer haben in meinem Bett nichts zu suchen, aber zu steril darf die ganze Sache nicht werden. Wenn es zu liebreizend, kuschelig und pastelltönig wird, dann kriegt das Ganze die erotische Spannung einer Disney-Parade.

Ein bisschen vom wilden Jäger möchte ich im Bett haben, seine Gier auf meinen Körper, seine Bereitschaft, den Kopf auszuschalten und sich ganz hinzugeben, möglicherweise zu wimmern oder zu brüllen und Wünsche auszuleben, die man beim nächsten Brunch mit dem Chef sicher nicht erörtern möchte. Meine Formel für eine heiße Nacht ist also: saubere Fingernägel + schmutzige Worte + geradezu säuische Gedanken = guter Sex!

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