Wie sehe ich am Strand gut aus?

maxi matus strand

Foto: Anoushka Matus für MAXI

Stil-Kolumne

Autorin Marlene Sørensen klärt Fragen des guten Geschmacks. Natürlich äußerst subjektiv. Dieses Mal geht's um: die Bikini-Falle

Je konzentrierter man einen Wunsch verfolgt, umso schneller geht er in Erfüllung." Diesen Satz habe ich neulich auf einer Reklametafel gelesen. Wofür geworben wurde? Weiß ich nicht mehr. Sicher ist nur, dass der Hammel, der sich das ausgedacht hat, noch nie einen Bikini kaufen musste.

Ich träume seit Jahren vom perfekten Bikini.

Habe ich ihn deshalb gefunden? Natürlich nicht. Der perfekte Bikini ist eine Illusion. Und selbst wenn man irgendwann ein gut sitzendes Modell erbeutet hat - spätestens am Strand verliert es seine Wirkung. Das Top leiert, die Schnüre verheddern sich im Badetuch, das Höschen verschwindet beim ersten Sprung ins Meer in den Wellen.

Und geht es eigentlich nur mir so, oder sind alle anderen schon turbogebräunt, während man selbst noch die Farbe einer Skipiste hat? Am Anfang des Sommers reflektiere ich so stark, dass in meiner Nähe zehn Italiener schneller braun werden, als es dauert, ein Baguette aufzubacken.

Daran kann man verzweifeln. Oder man kann es sich zum Vorteil machen. Eines der größten Missverständnisse bei Sommerkleidung - gleich nach Gladiatorensandalen für Männer - ist nämlich, dass man am Strand möglichst wenig davon anhaben darf. Sollen die anderen das ruhig weiter glauben.

In einem luftigen Kaftan sieht man neben ihren babyölbeschmierten Leibern dann noch viel eleganter aus.

Und man bekommt durch den Stoff eine viel hübschere Bräune als sie in der prallen Sonne. Wer sich dem Bademoden-Diktat widersetzt, wird feststellen: Es macht doch Spaß, für den Urlaub einzukaufen.

Statt den dreißigsten total angesagten Schnürbikini anzuprobieren, der genauso beknackt aussehen wird wie die 29 total angesagten Schnürbikinis davor, nimmt man einfach das Basismodell - und addiert Pareos und Miniröcke, kleine Kleidchen und riesige Strohhüte. Schlaue legen noch einen Armvoll gerippter Tanktops und die dazu passenden hochtaillierten Baumwollhosen (klingen falsch, sehen sehr, sehr richtig aus) obendrauf.

Die Hosen sind dünn genug für 40 Grad im Palmenschatten und - aufgekrempelt, mit hohen Sandalen - chic genug für die Bar am Abend. Am Strand gilt übrigens die gleiche gute Regel wie überall sonst: je weniger Kleidung, umso weniger Schnickschnack. In einem kristallbesetzten Sarong sieht man aus wie Ivana Trump, und das will keiner - außer Ivana Trump.

Eine bessere Figur machte da schon Sienna Miller in ihrem Ibiza-Urlaub: Männerstrohhut, Bikinitop und um die Hüften ein Tuch von Louis Vuitton. Wer mit einer solchen Sorglosigkeit ein solch verrückt teures Tuch an den Strand trägt, den können die anderen Badeschönheiten nicht mehr beeindrucken, der bringt sie selbst aus der Fassung.

Natürlich haben die wenigsten Menschen im Urlaub Lust, lange darüber nachzudenken, wie sie auf dem Badetuch möglichst gut rüberkommen. Deshalb sind sie ja im Urlaub. Denen gebe ich gern den Rat meiner Freundin Christiane weiter: "Wie man am Strand gut aussieht? Indem man in einem Cabrio daran vorbeifährt!" Dabei verliert man auch nicht so leicht sein Bikinihöschen.

Nie machen: Komplett verhüllen. Den Sarong zum Bikinioberteil, das T-Shirt zum Bikinihöschen, den Badeanzug zum gigantischen Strohhut.

Unbedingt machen: Den gigantischen Strohhut auch wirklich kaufen. Selbst wenn er nur neben einem liegt, fühlt man sich damit wie in den 60er Jahren an Frank Sinatras Pool in Palm Springs. Und so kann man sich nicht oft genug fühlen.

Nicht vergessen: Der Sommer ist kurz. Also: nicht mit Grübeln aufhalten. Blumendrucke kommen, wie die Verzweiflung, nie aus der Mode.

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