"Wie trägt man Cowboy-Stiefel?"

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Yeeehaw!!!! Mit elegantem Sommerkleid (knöchellang, besetzt mit Schmucksteinen) darf man im Trend-Treck mitreiten. Wenn man denn will. Kleid: by Malene Birger. Gürtel: Replay und Mango. Stiefel: Sendra Boots.
Foto: Sabrina Theissen

Marlene probiert's an

Neuer Look – alte Frage. Steht mir das? Wie trag’ ich das? Autorin Marlene Sørensen wagt jeden Monat einen modischen Selbstversuch. Ihr aktueller Test-Fall: Cowboy-Stiefel

Vor ein paar Jahren war ich auf einer Reise in Amerika, genauer: in Utah. Cowboy-Country. Zur Reise gehörte auch der Besuch bei einem Pferdeflüsterer. Der trug Bluejeans, Jeanshemd und, natürlich, Cowboystiefel. Ich trug Chucks. Wie ich in denen reiten wollte, fragte er. Ich sagte, dass ich nicht reite. Was ich nicht sagte: seitdem ich als Achtjährige von einem Esel abgeworfen wurde. Er lachte, und dann galoppierte er davon, der schneidige Pferdeflüsterer.

Um ehrlich zu sein: Ich hätte mich lieber wieder auf einen Esel gesetzt, als Cowboystiefel zu tragen. Bei Ersterem wäre es leichter gewesen, eine gute Figur zu machen. Schon beim Anziehen der Stiefel hat man die Grazie eines Rindviechs, da man sie nur mit Rumstampfen und unter lautem Schnaufen überhaupt über die Waden kriegt.

Hat man sie endlich an, muss man feststellen, dass die Füße um fünf Nummern gewachsen sind. Das könnte erklären, warum John Wayne diesen ganz besonderen Gang hatte.

Nur: Beim Anblick von John Wayne fiel gestandenen Männern vor Respekt die Kinnlade runter. Bei meinem Anblick fällt mein Freund vor Lachen fast um. Ich denke kurz darüber nach, die Stiefelspitze an seinem Hintern zu testen. Aber ich kann meine Füße kaum vom Boden heben, sie sind zu schwer. Mist!

Cowboystiefel gehören zu den typischen Kleidungsstücken, in denen man in der falschen Umgebung verkleidet aussieht (gilt auch für Dirndl außerhalb Bayerns; Friesennerz abseits der Küste).

Diese Stiefel brauchen Staub, Pferdedreck, die Weite der Prärie. In einer Großstadt kann man dazu anziehen, was man will – und ich habe alles probiert , ja, auch Bluejeans und Jeanshemd – man sieht aus, als sollte man eigentlich gerade eine Saloontür aufstoßen.

Am besten trägt man sie also in einer Kneipe. Nach dem zweiten Bier frage ich meinen Freund: „Stell dir vor, du kennst mich nicht . Wie würdest du reagieren, wenn ich dich in diesen Stiefeln ansprechen würde?“ „Ich würde dich sofort mitnehmen.“ „Wirklich?!“ „Ja klar – um dir neue Schuhe zu kaufen.“ Vielleicht sollte ich die Stiefel doch eine Weile behalten.

Styling-Tipps:

  • Im kompletten Western-Look geht man mit Cowboystiefeln nur zum Fasching, von Denimvon Kopf bis Fuß also bitte absehen.

  • Mit Cowboystiefeln kann man jemandem prächtig in den Hintern treten. Am wenigsten rechnet derjenige damit, wenn man ein zartes Blümchenkleid zu den Boots trägt.

  • Neben Goldschmuck und Lederbeutel das beste Accessoire: ein One-Way-Ticket nach Utah.

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