"Wie trägt man den Nude-Look?"

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Ist natürlich Geschmackssache. Aber ein strenger Chignon oder locker hochgesteckte Haare geben Nude einen Hauch mehr Eleganz als eine Wallemähne. Kleid: MaisonMartin Margiela. Schuhe: Cos.
Foto: Sabrina Theissen

Marlene probiert's an

Neuer Look – alte Frage. Steht mir das? Wie trag’ ich das? Autorin Marlene Sørensen wagt jeden Monat einen modischen Selbstversuch. Ihr aktueller Test-Fall: der Nude-Look.

Natürlich sollte mir das eigentlich egal sein, aber ich werde im Sommer nicht braun. Nicht mal ein bisschen. Nicht mal bei 30 Grad. Dafür kriege ich Sommersprossen. Das kann man super finden (jeder, der keine Sommersprossen hat) oder ungerecht (ich). Denn während andere nach zwei Stunden in der Sonne schon angeberisch nach Juli und luftigen Kleidchen aussehen, stecke ich im Januar fest.

In Sommern, in denen man vor allem Weiß trägt, ist das auszuhalten. Weiß gibt’s jedes Jahr. Wer da nicht mitmacht, wirkt einfach nur erhaben über das modische Einerlei. Schlimm ist’s dagegen, wenn man wie jetzt überall schöne Sachen in Nude sieht. Nude bedeutet nicht mehr als nackt. Und genau so sieht man darin auch aus, wenn die eigene Haut die Farbe des Kleidungsstücks hat.

Mein Freund versteht das Problem nicht. Also ziehe ich das Kleid an, um es ihm zu zeigen. Siehst du?, frage ich. Nein, leider nicht, antwortet er. Er hat recht: Ich sehe nicht nackt aus. Sondern beinahe vornehm. Das meinen also alle, wenn sie von den Vorzügen blasser Haut sprechen. Und das meinen sie, wenn sie den Designer Martin Margiela als Genie beschreiben: Die Saumlänge ist perfekt und der Schnitt so schlau, dass das Kleid am Körper besser aussieht als am Bügel. Und es glänzt in dieser Farbe, die man in jeder anderen Saison wohl einfach Zartrosa nennen würde. Ich will mir nicht mal vorstellen, wie ich darin braun gebrannt aussähe.

Die Farbe passt. Nicht obwohl ich so blass bin. Sondern weil ich so blass bin. Ich beschließe, es sofort anzulassen. Er fragt, ob ich mir sicher bin. Na, was denn sonst? Aber wir gehen doch nur ins Kino, sagt er. Von mir aus könnten wir auch den Müll runterbringen, ich würd’s trotzdem tragen. Wie auch bei jeder anderen Gelegenheit – bis ich es wieder zurückgeben muss. Bis dahin tu ich ganz einfach so, als wär’s meins: das perfekte Kleid.

Styling-Tipps:

  • Zur blassen Farbe des Kleides mit einem dunklen Jackett einen Kontrast setzen.

  • Unterschiedliche sanfte Nuancen mischen, zum Beispiel Puder und Karamell.

  • Accessoires & Make-up? Am besten Goldschmuck. Und Lippenstift in Fuchsiapink.

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