"Wie trägt man den Overall?"

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Ursprünglich wurde der Einteiler für Arbeiter entworfen: zum Schutz vor Chemikalien oder Schmutz. Lange her. Bei valentino, Stella McCartney oder Hermès macht er sich nun chic: mit Volants, Raffungen oder im strengen Deauvill-Stil. Overall: H & H. Schuhe
Foto: Sabrina Theissen, Access, Haare + Make-Up: Bettina Colmsee / Vivastyle.com

Marlene probiert's an

Neuer Look – alte Fragen. Steht mir das? Wie trag’ ich das? Autorin Marlene Sørensen wagt jeden Monat einen modischen Selbstversuch. Ihr aktueller Test-Fall: der Overall

Die gute Nachricht zuerst: In einem Overall ist man in null Komma nichts fertig angezogen. Man muss nicht darüber nachdenken, welchen Pullover man zu welcher Jeans trägt oder welche Bluse zu welchem Rock. Überlegungen, bei denen man durchaus zum Schluss kommen kann, dass absolut nichts im Kleiderschrank zusammenpasst.

Leider sieht man im Overall auch so aus, als hätte man sich in viereinhalb Sekunden angezogen. Die Erklärung "ach, ich hab' mir nur schnell was übergeworfen" zählt nicht, denn sie ist nur angebracht, wenn man in Wahrheit eine halbe Stunde lang vor dem Spiegel gestanden hat und lediglich so tun will, als wäre einem das Outfit ganz mühelos gelungen. Oder wenn man ein Kompliment für das Outfit bekommen hat. Das ist beim Overall unwahrscheinlich. Es sei denn, man versteht es als Kompliment, dass man aussieht, als könne man Abflussrohre von Verstopfungen befreien. Die Mode kann noch so sehr darauf bestehen, den Overall "Jumpsuit" oder "One-Piece" zu nennen - er ist Arbeitskleidung. Und ich sehe aus wie ein Klempner.

Zur Beruhigung rufe ich eine Freundin an. Stattdessen hebt ihr Mann ab: "Der Overall ist das ungünstigste Kleidungsstück, das je für Frauen entworfen wurde." Ich will eigentlich noch sagen: Du vergisst Haremshosen - stattdessen überlege ich, was genau er wohl meinen könnte. Dass mein Po die Größe von Bayern hat? Dass ich dafür keine Taille mehr habe? Dass mir zum vollständigen Look nur ein Dosenbier und eine Bockwurst fehlt? Was?

Je länger ich darüber nachdenke, umso unwichtiger ist es mir. Ich trinke sowieso am liebsten Bier. Und es ist zur Abwechslung mal ganz schön, bei einem Zweitliga-Spiel nicht schief angeguckt zu werden, wenn man lauter brüllt als die gesamte Nordkurve. Ich werde so ernst genommen, wie ich Fußball ernst nehme. Außerdem ist mir im Stadion nicht mehr kalt. Denn unter meinen Einteiler passen dicke Leggings und warme Leibchen. So werde ich die Zeit bis zum Frühjahr überstehen. In der Mode ist dann übrigens längst eine andere Arbeitskleidung Trend: der Neoprenanzug. Im Vergleich dazu ist der Overall vielleicht doch nicht so schlecht.

Styling-Tipps:

  • Ein breiter Gürtel schafft die Taille, die man sonst vor lauter Stoff verliert.

  • Naturtöne stehen einem klassischen Overall am besten. Der Look für die Nacht: Schwarz und aus Seide.

  • Dazu trägt man Ankleboots. Es sei denn, man geht zu einem Zweitliga-Spiel.

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