"Wie trägt man Overknees?"

marlene
Erfunden wurden Overknees, um die Beine vor Kälte und Nässe zu schützen. Emma Peel machte sie in den Sixties berühmt, heute lieben sie Designer von Gucci bis Chloé. (Overknees von Barbara Bui; Kleid von Zara)
Foto: Sabrina Theissen; Haare & Make-Up: Henriette Höft/Blossommanagement.de mit Produkten von Chanel und Aveda

Marlene probiert's an

Autorin Marlene Sørensen wagt ab jetzt jeden Monat einen modischen Selbstversuch. Ihr erster Test-Fall: Overknees

Es gab in meinem Leben sicher schon größere Demütigungen. Aber als der Reißverschluss der Overknees in Höhe des Knies stecken bleibt, komme ich zum Teufel nicht drauf, welche. In Höhe des Knies! Bei Overknees! Wessen bescheuerte Idee war es gleich noch mal, dass ich diese Stiefel anziehe? Natürlich: meine. Sie sahen eben so gut aus. Schwarz. Glattes Leder. Wuchtiger Absatz. Die Höhe? Eine Herausforderung.

"Nuttenstiefel!", ruft mein Freund, der Modeexperte, und grinst. Ich muss wahnsinnig sein, sage ich. Nein, die sind gut, sagt er. Es fehlt nur das richtige Outfit. Ein Bustier (breites Grinsen)! Und ein Mini (kolossales Grinsen)! Schon klar. Seit Julia Roberts in "Pretty Woman" einen Strauß Kondome aus ihren Lackbotten zog, denkt man bei Overknees sofort: scharf. Dass auch nette Mädchen-Designer wie Isabel Marant die Stiefel über den Laufsteg schicken, ändert daran erst mal gar nichts. Je höher der Schaft, umso geringer der Anstand.

Andererseits: Was ist schon gegen ein wenig Unanständigkeit einzuwenden? Nicht mal der offene Reißverschluss stört. Im Gegenteil: Ich finde ihn gewagt. Auch das brave Hemdkleid, das ich dazu anziehe, kommt mir plötzlich aufregend vor. Dass es die Stiefel verdeckt? Na und! Sollen sich die anderen doch fragen, wo sie enden. Der Sitznachbar im Zug von Berlin nach Hamburg und der Schaffner und der Typ übern Gang und... - die scheinen sich vor allem zu fragen, was ich heute noch so vorhabe. Oder bilde ich mir das nur ein? Bin ich als Einzige beeindruckt von mir? Overknees sind weniger Kleidungsstück als Mutprobe. Angesichts meiner üblichen Uniform aus Jeans, T-Shirt und High Heels sind die Stiefel so nervenaufreibend wie für einen Außenverteidiger ein Elfmeter. Die Möglichkeit, dass ich mich zum Depp mache, scheint überwältigend. Aber ein Rückzieher gilt nicht.

Respekt, sagt eine Freundin, ich hätte mich das nicht getraut.

Je länger ich die Stiefel anhabe, umso kühner fühle ich mich, sage ich. Was machen wir als Nächstes? Mit Pokerface in eine schnieke Boutique gehen (übrigens die bessere Szene aus "Pretty Woman")? Champagner trinken? Dem MI6 beitreten? Mit diesen Stiefeln kann ich Türen eintreten und feindliche Agenten erwürgen. Nicht, dass das je passieren wird. Aber allein das Gefühl, dass ich es könnte, ist schon verdammt gut.

Eines kann man in den Stiefeln jedoch nicht: seinem Freund ausreden, dass ein Minirock doch das bessere Outfit gewesen wäre.

STYLE-TIPPS

  • Am schönsten sind Stiefel aus glattem Leder oder feinem Velours. Niemals schön sind Lackstiefel.
  • Ein lockeres Hemdkleid dazu wirkt lässig, ein figurbetonter Shiftrock elegant. Und ein Jeansmini sexy.
  • Als Accessoire braucht man höchstens eine Kette mit Amulett oder ein paar Armreife.

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