"Wie trägt man Ripped Jeans?"

marlene
Ripped, destroyed, distressed – der abgerockte Look hat viele Namen. Besonders kultig kaputtge macht wird Denim bei den Lables Prps, Current Elliott, met und natürlich H&M (Foto). Top: Cos. Jackett und Schuhe: Zara. Brille: Ray Ban .
Foto: Sabrina Theissen

Marlene probiert's an

Autorin Marlene Sørensen wagt jeden Monat einen modischen Selbstversuch. Ihr aktueller Test-Fall: Ripped Jeans

Beim ersten Mal war ich 15. Ich hatte Kunstunterricht, mir war langweilig, und ich fing an, mit einem Kartonmesser an meiner Jeans rumzuschneiden. Zehn Unterrichtsstunden später war das Kunstwerk fertig: eine Jeans, die aussah, als wäre ich damit immer wieder in einen Stacheldrahtzaun gelaufen. Toll, fand ich. Irgendwie hart . Ich trug sie, bis sie fast nur noch aus Löchern bestand.

15 Jahre später – und ich trage wieder zerrissene Jeans. Wie bei den meisten großen Lieben dauerte es nicht lange, mich noch mal an sie zu gewöhnen. Und mich von meinen anderen Jeans vorläufig zu trennen. Sie sieht aus, als hätte sie schon was durchgemacht . Bei jedem anderen Kleidungsstück würde das ungepflegt wirken.

Aber einer Jeans steht Alter gut. Sie erinnert an durchfeierte Nächte. An gestohlene Küsse. An Unvernunft. Okay, ich hab sie gerade erst gekauft, die Löcher hat eine Maschine gerissen, nicht das Leben. Aber um Jeans anständig

zu zertragen, braucht man drei Jahre. Wer hat dafür schon die Zeit?

Ich jedenfalls wollte sofort löchrige Jeans. Meine dunkelblauen Röhren fand ich plötzlich langweilig. War mir nie aufgefallen, dass sie am Oberschenkel zwickten? Dass sich die Nähte ungünstig verdrehten? Sie waren unbequem – und sahen auch so aus. Eine Jeans mit Löchern und Rissen ist hingegen sehr bequem, und sie sieht lässig aus. Glamourös, gerade weil sie es nicht sein will. Ich kaufte mir eine in weiß. Wenn schon, denn schon. Und zum ersten Mal kam ich mir in einer weißen Jeans nicht vor, als müsste ich sofort dem Blankeneser Segelclub beitreten.

Meine Freundin Laura war derselben Meinung. In etwa. „Weiße Jeans?“, fragte sie. „Zerrissene weiße Jeans,“ sagte ich. „Wer bist du? Axl Rose?“ „He, nichts gegen Axl Rose.“ „Weil ihr die Einzigen seid, die so was tragen?“ „Pah! Wer will schon anziehen, was alle tragen.“

Zwei Tage später spazierte ich in meiner neuen alten Jeans in Lauras Bar. „Nicht übel,“ sagte sie, „fehlt nur noch das passende Accessoire.“ Dann stellte sie mir den ersten Jägermeister hin.

Style-Tipps:

  • Als Kontrast etwas Elegantes dazu tragen: eine Bluse, ein Jackett, einen Trenchcoat.
  • Und hohe Schuhe. Auch tagsüber. Keine Ausreden.
  • Zu blauen Jeans passen kräftige Farben und Schwarz. Zu weißen ist Grau am schönsten.

Für den JEANS-GUIDE der aktuellen Maxi 10 (seit dem 9. September am Kiosk) hat Marlene Sørensen nicht nur Ripped Jeans anprobiert, sondern auch Lynn Downey, Chefin des Levi's Archivs, interviewt.

AUSSERDEM AUF 33 SEITEN DENIM-SPECIAL:

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