"Wie trägt man Schlaghosen?"

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Hose: Paige. Bluse mit Fledermausärmeln: Winter Kate. Plateaus: Schumacher. Kette: Windsor.
Foto: Sabrina Theissen · Haare + Make-Up: BETTINA COLMSEE/VIVASTYLE.COM

Marlene probiert's an

Neuer Look – alte Fragen. Steht mir das? Wie trag ich das? Autorin Marlene Sørensen wagt jeden Monat einen modischen Selbstversuch. Ihr aktueller Fall: Schlaghosen

Heute sollte ich Lotto spielen. Oder zum Friseur gehen und sagen, „Mach, worauf du Lust hast!“. Ich könnte auch versuchen, Macarons zu backen. Heute würden sie gelingen. Ein Tag, an dem ich auf Anhieb eine Jeans finde, die perfekt sitzt, ist ein Tag, an dem nichts schiefgehen kann. Bislang bedeutete Jeanskaufen vor allem eins: Arbeit.

Mühsame, selten belohnte Arbeit , die in demütigend beleuchteten Umkleidekabinen verrichtet wird. Und die viel zu oft anfiel, da man angeblich alle zwölf Monate einen neuen Schnitt braucht. Dieses Jahr sind es Schlaghosen. Bescheuert, denke ich, als ich sie anziehe. Warum habe ich mir das jahrelang angetan? Mich in Modelle gezwängt , die mir nicht passen? Mir Hosen gekauft, die zwar der Mode entsprechen, aber nicht meinen Beinen? Jeans sind in etwa das Letzte, bei dem man sich nach der Mode richten sollte. Und ich sage das in dem vollen Bewusstsein, dass ich seit Jahren Röhrenjeans trage, obwohl ich darin Waden wie ein Kreisligafußballer habe. Ich bin halt eitel genug, eine Jeans zu wollen, die nicht völlig unmodern ist . Schlaghosen sind ein guter Kompromiss. Die sind wenigstens alle paar Jahre wieder beliebt , diesmal in so vielen Ausführungen, dass garantiert jede eine findet: mit hoher Taille oder tief sitzend, mit zeltgroßem Schlag oder kaum ausgestelltem Bein. Angeblich haben sie gemeinsam, dass man darin gleichzeitig größer und dünner aussieht. Was gut klingt. Aber nur halb stimmt: Ein Arsch wird nicht kleiner, nur weil die Unterschenkel plötzlich breiter wirken. Man wird in einer Schlaghose auch nicht größer. Man trägt nur hohe Schuhe, damit der Saum nicht auf dem Boden schleift. Aber wie wäre es damit: Man muss bei diesem Hosenschnitt nicht zwei Dutzend Paar anziehen, um ein gutes zu finden, weil die Schlaghose nicht nur an einer Figur gut aussieht. Und man kriegt sie viel müheloser über die Oberschenkel, sodass man nicht jedes Mal beim Anziehen seine Würde aufs Spiel setzt, wie bei Röhrenjeans. Denn anders als mit würdelos kann man es nicht beschreiben, wenn man ein Kleidungsstück nur ankriegt, indem man darin auf der Stelle springt. Das findet höchstens mein Freund unterhaltsam. Der sagt, er wird dieses allmorgendliche Schauspiel ein wenig vermissen.

Pah! Behalt ich meinen Lottogewinn eben für mich.

Styling-Tipps:

  • An kleinen Frauen wirken breite Schlaghosen oft überwältigend. Schmeichelhafter sind Jeans mit nur leicht ausgestelltem Bein, Fachbegriff: „Kick Flare“
  • Noch eine Alternative: Schlaghosen, die am Knöchel enden. Zu allen Varianten am besten: Wedges mit Holzabsatz
  • Das Tolle an Schlaghosen: Man kann sie mit fast allem tragen. Für den 60er-Look mit Hippieblusen. Mit Seidenhemden wie in den 70er Jahren. Oder, ganz modern, mit einem schlichten T-Shirt

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