Wie viel Freiraum braucht die Liebe?

wie viel freiraum braucht die liebe
Liebe und Beziehung
Foto: Privat

Report: Freiraum in der Beziehung

Die einen sind so tolerant, dass sich sogar Freunde fragen, ob sie wirklich zusammen sind, andere klammern aus Angst, sich zu verlieren: In jeder Beziehung hat das „wir“ eine eigene Definition. Fünf Paare erzählen, was sie einander an Individualität zugestehen – und was nicht.

„Ich bin extrem eifersüchtig und will in jeder Sekunde wissen, was Mark macht – und mit wem“

Doris, 23, Verwaltungsfachangestellte aus Ergoldsbach, & Mark, 20, Student aus Ludwigsburg

Oft ist es nur eine Kleinigkeit, die mich zum Austicken bringt: Letzte Woche habe ich zum Beispiel erfahren, dass Mark sich im Hörsaal grundsätzlich neben Frauen setzt, obwohl in seinem Studiengang der Wirtschaftsinformatik fast nur Männer sind. Dann brülle ich ihn an, verlange eine Erklärung und will im nächsten Moment nichts mehr von ihm hören. Ich bin extrem eifersüchtig – das war schon immer so, auch in früheren Beziehungen.

Warum ich so aus der Haut fahre, kann ich mir selbst nicht erklären. Richtig betrogen wurde ich nämlich noch nie. Doch auch wenn man mir etwas verschweigt, ist das für mich schon ein großer Vertrauensmissbrauch. Wir planen, erst nach seinem Studium zusammenzuziehen, deshalb will ich umso mehr wissen, was Mark in jedem Moment macht: Mit wem er sich trifft, wie lange er bleibt und ob er Alkohol trinkt. Ich hasse es, wenn er zu tief ins Glas schaut!

„Ich lese seine SMS“

Dann habe ich noch mehr Angst, dass er die Kontrolle über sich verliert und sich mit einer anderen einlässt. Mark hat viele weibliche Bekannte, in meinen Augen ist er voll der Frauentyp! Wenn er ausgeht und ich zu Hause bin, kann ich an nichts anderes denken – geschweige denn schlafen. Dann bombardiere ich ihn mit SMS. Und wenn er nicht auf der Stelle zurückschreibt, werde ich stinksauer! Am nächsten Tag muss er den ganzen Abend bis ins kleinste Detail erzählen, damit ich mich wieder beruhige.

Falls ich mal durch Zufall erfahre, dass er mir dabei etwas verschwiegen hat, ist die Hölle los! Jedesmal, wenn wir uns sehen, checke ich erst einmal sein Handy , um sicherzugehen. Sobald er den Raum verlässt, lese ich SMS, die ihm andere Frauen geschrieben haben. Manchmal mache ich das auch ganz offen, obwohl ich weiß, dass er das hasst. Dann nimmt er mir das Gerät weg – noch mehr Grund für mich, misstrauisch zu sein! Etwas Schlimmes habe ich beim Spionieren zwar noch nie gefunden, kein Sexting oder ähnliches. Trotzdem kann ich ihm einfach nicht vertrauen.

Auch wenn er hundertmal beteuert, dass er nur mich will. Mein Temperament geht leider immer wieder mit mir durch. Natürlich merke ich, wenn ich übers Ziel hinausgeschossen bin, und dann entschuldige ich mich auch bei ihm. Zum Glück weiß Mark, dass ich nicht anders kann. Und er hat mir immer verziehen – bis jetzt.

Das sagt Mark:

„Es stört mich extrem, wenn Doris mein Handy durchstöbert. Nur der Hauch einer Anmache in einer SMS und sie dreht total durch! Das finde ich maßlos übertrieben. Trotzdem nehme ich Doris’ Eifersucht gelassen: Sie zeigt mir dadurch ja auch, wie sehr sie mich liebt.“

„Bei uns bekommt jeder einen freien Abend in der Woche!“

Anja, 25, Zahnarzthelferin, & Christian, 32, Kfz-Meister, beide aus Schwandorf

Wir waren erst ein halbes Jahr zusammen, als ich ungeplant schwanger wurde. Christian und ich heirateten noch vor Sophies Geburt – bei uns ging alles wahnsinnig schnell! Richtig viel Zeit für uns als Paar haben wir seitdem nicht, ein Baby fordert einen ja rund um die Uhr. Individuelle Freiräume haben wir uns trotzdem geschaffen, denn das ist uns beiden enorm wichtig. Es gibt eine klare Abmachung: Christian geht jeden Donnerstag mit seinen Kumpels in die Kneipe, ich treffe mich mit meinen Freundinnen am Samstag zum Reden, Essen und Tanzen.

Rauskommen ist uns wichtig

Gerade bei dem ganzen Babystress tut es wahnsinnig gut, mal rauszukommen und Neues zu erfahren! Der andere muss in dieser Zeit eben zurückstecken. Alle zwei bis drei Wochen schläft unsere Tochter bei meiner Mama, damit wir auch mal einen Abend zu zweit haben. Die gemeinsamen Stunden zelebrieren wir dann richtig.

Das sagt Christian:

„Unsere Vereinbarung macht unseren Alltag viel leichter. Wir brauchen es beide, ab und zu andere Leute zu sehen. Der Nachteil: Wenn wir was unternehmen, dann leider meist getrennt voneinander. Aber unsere Kleine ist das wert!“

„Die anderen Mädels machen mich wütend!“

Dominique, 21, Model, & Mark, 29, Fußballprofi, beide aus Graz

Sobald wir in Graz ein Lokal betreten, drehen sich viele Köpfe nach uns um. In Österreich sind wir relativ bekannt: Mark spielt Fußball in der ersten Bundesliga, ich arbeite als Model. Obwohl wir fast nur gemeinsam ausgehen, wird Mark oft von anderen Frauen angesprochen. Manche versuchen um jeden Preis, mit ihm ins Gespräch zu kommen, und behandeln mich dann wie Luft! Klar werde ich da eifersüchtig, besonders weil er oft nicht merkt, dass sie nur hinter ihm her sind, weil er bekannt ist.

Er ist auch eifersüchtig

Er reagiert dann trotzdem nett – dann werde ich noch wütender! Zwar mache ich ihm nie direkt eine Szene, aber zu Hause gibt’s dann schon ein paar klare Worte. Ich habe einfach gern das Gefühl, dass er für andere Frauen unerreichbar ist, und es ist auch nicht so, dass Mark nie eifersüchtig wäre: Wenn Männer mir auf meiner Facebook-Fanpage eindeutige Komplimente machen, passt ihm das gar nicht. Auf Kerle, die mich im echten Leben anmachen, reagiert er zum Glück meistens cool. Erst kürzlich sagten zwei Typen im Vorbeigehen zu mir: „Wow, du bist wahnsinnig hübsch!“

Ganz schön dreist, denn Mark hielt meine Hand! Er erwiderte selbstbewusst: „Ja klar ist sie hübsch, sie ist ja auch mit mir da!“ Was natürlich nur ein Spruch war, Mark weiß, dass ich mehr bin als eine typische Spielerfrau. Mein beruflicher Erfolg ist mir wichtig, ich möchte finanziell auf eigenen Beinen stehen. Als der Anruf vom deutschen „Playboy“ kam, Playmate zu werden, machten wir gerade Urlaub in Rom. Er hat mich ermutigt und mich voll und ganz unterstützt – auch wenn das bedeutete, dass Millionen Männer seine Frau nackt sehen. Für diesen Freiraum, den er mir zugesteht, liebe ich ihn umso mehr.

Das sagt Mark:

„Ich finde Eifersucht in Ordnung – in Maßen. Klar, wenn Dominique derb angemacht wird, nervt mich das. Doch ich habe genug Selbstbewusstsein, um darüberzustehen. Und auch Dominique muss sich von anderen Frauen nicht bedroht fühlen. Denn es gibt nur eine für mich: sie!“

„Nach fünf Jahren Single-Leben hatte ich Angst vor der ständigen räumlichen Nähe“

Evelyn, 31, Programmassistentin, & Kurt, 36, Lehrer, beide aus Markt Schwaben

Kurt und ich sind gerade zusammengezogen. Ein echtes Abenteuer! Denn für uns beide ist es das erste Mal, dass wir mit einem Partner wohnen. Die ersten zwei Jahre führten wir eine Wochenendbeziehung, doch die Sehnsucht nach einem gemeinsamen Zuhause wurde immer größer. Wir einigten uns auf eine ländliche Gemeinde in der Mitte zwischen unseren bisherigen Wohnorten. Dort kennen wir sonst niemanden, nur uns. Und ganz ehrlich: Ich hatte einige Bedenken wegen der ständigen räumlichen Nähe.

Ich war an das Leben als Single gewöhnt

Bevor ich Kurt kennenlernte, war ich fünf Jahre lang Großstadt- Single , da gewöhnt man sich daran, Freunde zu treffen, wenn man Lust drauf hat, und allgemein zu tun und zu lassen, was man will. Aber es läuft wunderbar mit uns beiden: Die Vier-Zimmer-Wohnung ist groß genug, dass jeder sein Ding machen kann, er ferngucken, ich lesen – trotzdem sind wir zusammen. Und die Wochenenden, die vorher immer für Kurt reserviert waren, habe ich jetzt wieder für meine Mädels!

Das sagt Kurt:

„Die Mischung ist wichtig. Ich finde es wunderschön, gemeinsam den Tag zu beginnen und abends miteinander zu kochen oder Sport zu treiben. Trotzdem haben wir beide mehr Zeit, auch mal was allein zu unternehmen.“

„Wir führen eine offene Beziehung!“

Inez, 28, Gastronomin, & Max, 34, Diplom-Betriebswirt, beide aus München

Unsere Gefühle füreinander haben uns überrumpelt: Wir kamen beide aus langen Beziehungen und waren eigentlich froh, wieder Single zu sein. Als Max mich erwischte, wie ich auf einer Party wild mit einem anderen knutschte, waren wir schon inoffiziell ein Paar. Erst reagierte er irritiert, dann gestand er mir, dass er auch kein Unschuldsengel ist.

Abenteuer erlaubt

Also beschlossen wir, eine offene Beziehung zu führen. Alles ist erlaubt, aber wir wollen keine Details von den Abenteuern des anderen hören. Das würde dann doch zu wehtun. Ehe und Kinder kann ich mir als Scheidungskind nur schwer vorstellen, dann noch eher, dass wir unsere Partnerschaft eines Tages „exklusiv“ machen!

Das sagt Max:

„Unsere Beziehung läuft schon zwei Jahre wunderbar, so wie sie ist – obwohl ich eigentlich sehr eifersüchtig bin! Da ich aber selbst andere Frauen treffe, verbiete ich es mir, so egoistisch zu sein.“

„Partnerschaft ist ein Kompromiss“

Dr. Tobias Ruland, 41, Paartherapeut aus München

JOY: Gibt es eine Faustregel, wie viel Freiraum eine Beziehung braucht?

Dr. Tobias Ruland: Nein. Jede Beziehung ist ein Kompromiss: Man darf sich selbst nicht verraten und muss doch bereit sein, seine Freiheit einzuschränken.

Was empfehlen Sie Paaren, die wegen Eifersüchteleien zu Ihnen kommen?

Der Eifersüchtige muss lernen, mit seinen Ängsten souveräner umzugehen. Die „Bedrohung“, die für den Partner lächerlich erscheinen mag, fühlt sich zwar für ihn echt an. Aber durch Misstrauen bekommt der Team-Gedanke, der Voraussetzung für eine gute Partnerschaft ist, einen Knacks.

Die lange Leine ist also das Zaubermittel?

Nicht zwangsläufig. Jeder Mensch hat ein individuelles Bedürfnis nach Nähe oder Freiheit. Ich kenne ein Paar, das wirklich alles zusammen macht und sich wohlfühlt. Bei einem anderen ist die Braut in der Hochzeitsnacht mit dem Trauzeugen ins Bett gegangen, der Mann hat weitergefeiert – und es war für beide vollkommen in Ordnung. Das Wichtigste ist zu verstehen, wie der Partner tickt und wie er sich von mir geliebt fühlt.

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