Wie Zwang der Liebe die Luft abdrückt

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Zu viele Zwänge in der Beziehung lassen die Liebe sterben.
Foto: iStock

Vom Umgang mit einem klammernden Partner

Zu Beginn ist alles klar: Verliebte wollen möglichst all ihre Zeit gemeinsam verbringen. Später wird Freiraum immer wichtiger. Der Wunsch nach Nähe und Distanz ist einer der häufigsten Konflikt-Themen in der Paarberatung. Wo Liebe aufhört und Klammern anfängt, beschreibt hier Parship-Beziehungscoach Eric Hegmann .

„Dich lasse ich nie wieder los!“

Sagt jemand in den ersten Monaten einer Beziehung diesen Satz, dann ist das ein Anlass zur Freude. Wird jedoch diese grundsätzlich sehr liebevolle Ankündigung tatsächlich umgesetzt, lässt die Begeisterung garantiert nach. Denn niemand will einen Klammeraffen.

Sie drängt - er flüchtet

Grundsätzlich wünschen sich alle Menschen Nähe und Bindung, das ist ein evolutionäres Erbe. Manche Menschen fühlen sich sicher und aufgehoben in einer Partnerschaft, sie sind in der Regel nicht sonderlich eifersüchtig , sind verbindlich und geraten auch nicht in Panik, wenn der Partner mal nicht um sie wuselt.

Ängstliche Menschen fürchten Verlust von Nähe

Ängstliche Menschen hingegen fürchten permanent, Nähe zu verlieren. Sie denken häufig, sie müssten sich Liebe erst verdienen und registrieren jeden Versuch zu mehr Distanz des Partners mit ganz feinen Antennen. Darauf reagieren sie – unbewusst, weil sie eben so geprägt sind – mit zusätzlichen Nähe-Anstrengungen.

Das geht nur leider auf Dauer selten gut, denn es ist anstrengend für den Partner, der sich schnell eingeschränkt fühlt. Im schlimmsten Fall reagiert er mit Flucht-Tendenzen, die aber umgehend weitere Nähe-Bemühungen provozieren. Ein Kreislauf, der Paaren dauerhaft Schaden zufügt, weil kein Partner jemals wirklich bekommt, was er eigentlich möchte.

Was kannst du tun, wenn du feststellst, du klammerst zu sehr?

Zunächst solltest du dir bewusst machen, welcher Impuls bei dir den Wunsch nach Nähe auslöst. Wann hast du ganz konkret das dringende Bedürfnis, deinen Partner festhalten zu müssen oder zumindest einen Liebesbeweis zu erhalten, der dir wieder Ruhe und Entspannung bringt?

Eine typische Situation kann beim Texten am Handy entstehen. Wenn du ständig Nachrichten hin- und herschickst und die Frequenz noch erhöhst, wenn seine Pausen länger werden, dann wird er ziemlich sicher noch seltener antworten oder sich länger Zeit lassen – nicht als Provokation, sondern um zu zeigen, dass er mehr Raum benötigt. Die meisten Menschen versuchen nämlich immer erst einmal, sich selbst so zu verhalten wie man sich das vom Gegenüber wünscht. Gerade beim Bedürfnis nach Nähe und Distanz kann das zu einem fatalen Missverständnis führen.

Wenn Paare solche Situationen benennen können, dann ist der nächste Schritt ganz einfach: Sie verhandeln eine neutrale Zone, einen Spielraum, der weder einen Impuls zum Klammern noch zur Flucht setzt.

Maximale Wartezeiten festlegen

Bei Textnachrichten kann das ein Zeitraum von beispielsweise drei Stunden sein. Das bedeutet, jeder Partner kann sich so lange Zeit lassen, eine Nachricht zu beantworten. Weil heute Partner alles verhandeln können, lässt sich das problemlos auf andere Situationen im Beziehungsleben anwenden: Ab wann muss sich ein Partner ab- oder zurückmelden, wenn es mit den Freunden länger wird? Wie lange darf der Bürotag dauern? Wie lange der Besuch im Fitness-Studio?

Was sich zunächst nach einer Selbstverständlichkeit anhört, sorgt aber gerade durch die ausdrückliche Vereinbarung gleichzeitig für Entspannung und Sicherheit. Die Folge: selbst ein ängstlicher Partner mit der Neigung zum Klammern erlebt immer seltener den Impuls, sich um den Liebsten bemühen zu müssen. Langfristig macht das sicherer und das tut der Paar-Dynamik gut.

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