Wissenswertes zur Traumdeutung

wissenswertes zur traumdeutung

Schlaf gut

Die Geschichte der Traumdeutung ist alt und voller spannender Geheimnisse: Ägypter, Druiden, Griechen, Inkas, Indianerstämme und viele andere Völker sahen den Traum als unlösbare Verbindung zu höheren Gewalten, also zu Göttern und Dämonen. Die Interpretation der unterbewussten Botschaften wurde zur lebensnotwendigen und kultischen Aufgabe der Medizinmänner und der Hohenpriester/Innen. Auch die Bibel berichtet eindrucksvoll von Josef, der die Zukunftsträume des Pharao bezüglich der fetten und dürren Jahre deutete, und somit vorsorgende Maßnahmen getroffen werden konnten. Es gibt Überlieferungen aus den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt, woraus deutlich wird, dass zum Leben der Menschen und ihrer Heilung Traumdeutungen üblich waren. Auch wenn diese Behandlungsmethode heute keine gängige Vorgehensweise mehr ist, verarbeiten die meisten Menschen weiterhin Freud und Leid in ihren Träumen. Während des zweiten Weltkrieges träumten zum Beispiel auffällig viele Frauen, dass der Ehemann oder der Liebste gestorben war. Oftmals erinnerten sie sich an genaue Details wie Tag, Stunde oder den Ort des Verscheidens.

Aber es müssen nicht immer Botschaften von Dämonen und Göttern sein, die uns im Schlaf erscheinen. Wir alle kennen auch die höchst individuelle Einarbeitung von unmittelbaren Außenreizen in das Traumgeschehen, wie zum Beispiel das Klingeln des Weckers, das Schnarchen des Partners, Wortfetzen oder das Piepen des Handys.

Es gibt offensichtlich verschiedene Ebenen der Traumdeutung. Zum einen existieren Mitteilungen der Götter, der Toten und Dämonen, was heute oftmals mit Esoterik in Verbindung gebracht wird und zu Recht von vielen belächelt wird, da die wenigsten Esoteriker, ihres Zeichens "Erleuchteten", etwas vom Handwerk des Traumdeutens verstehen. Eine sachgemäße Deutung von Träumen ist eine komplexe Angelegenheit und zur Heilung bzw. zu Verbesserung der Situation des Träumers kann es nur kommen, wenn ein ausgebildeter Psychologe am Werk ist. Die Hinweise, die uns unser Unbewusstes im Traum übermittelt sind sehr wichtige und wir sollten sie sorgfältig bedenken, auch wenn sie uns durch Wesen vermittelt werden, die unser rationaler Verstand nicht fassen kann.

Zum anderen gibt es die bereits angesprochene körperliche und materielle Ebene. Auf dieser Ebene müssen die Außenreize der Bedeutung des Traumes klar zugeordnet werden. Oftmals verarbeitet der Träumende das Tagesgeschehen oder träumt wirres Zeug, was häufig passiert, wenn man zu viel gegessen hat, schlecht gebettet ist oder auch friert.

Die für die Psychologie bedeutendste Ebene ist die emotional-psychologische Ebene, die uns Sigmund Freud durch seine Forschungen im 19. Und 20. Jahrhundert eröffnet hat. Er erkannte als erster die zentrale Bedeutung des Traumes für die Seele. Den Traum bezeichnet er als "Hüter des Schlafs" und den Königsweg zum Unbewussten. Freud war der Schöpfer der Psychoanalyse. Diese steht zusammengefasst für die Beziehung von Bewusstem und Unbewusstem, bei dem die Verdrängung eine entscheidende Rolle spielt. Spannungen und Konflikte werden auf diese Weise ins Unbewusste verlagert. Unverarbeitet treiben sie dort ihr Unwesen, suchen nach Ausgleich und Abfuhr und bewirken zuweilen schwere Psychoneurosen und Organneurosen. Die Verdrängungsinhalte gilt es zu erkennen und aufzudecken, um sie aus dem Unbewussten der bewussten Verarbeitung zugänglich zu machen. Und genau hier bietet der Traum eine große Hilfestellung, wenn er sachgemäß gedeutet wird.

Für Freud war der Sexualtrieb der stärkste; der Begriff der Libido bestimmt seine Traumlehre. Verdrängte sexuelle Wünsche machen uns krank und bestimmen unsere Träume - so deutete Freud die meisten Traumbilder als sexuelle Symbole. Dazu gehört alles, was auch nur entfernt an Penis oder Vagina erinnert, so zum Beispiel ein Turm, Finger und Stock oder aber eine Höhle, Tasche, und auch eine Pflaume.

Sein Freund und Nachfolger Carl Gustav Jung, der sich in einigen Punkten von Freuds Lehren entfernte, fügte dem Freudschen Begriff des Unbewussten, im wesentlichen geprägt durch nicht gelebte Sexualität, das archaische Unbewusste hinzu. Das archaische steht für das kollektive Wissen der Menschheit, das wir durch alle Zeiten der Menschheitsgeschichte entwickelt und gespeichert haben, und deren symbolischer Inhalt besonders im Traum auf uns wirkt. So könnte die große Statue eines ägyptischen Pharaos dem Träumer zeigen wollen, seinen Vater als Gottkönig und männlichen Arche-Typ zu sehen, mit dem er sich identifizieren kann, was der Stärkung des Träumers dient. Der siegreiche Kampf gegen Drachen oder Dinosaurier kann die Ablösung von der Mutter symbolisieren. Blitz und Sonnenfinsternis können dem Träumer helfen, Blockaden und energetische Störungen zu überwinden. Mutter-Arche-Typen sind meistens äußerst weise Frauen, häufig auch dargestellt durch entsprechende Tiersymbole wie zum Beispiel die Kröte, die Kuh oder die Bärin. Sie steht für Geborgenheit und Gutmütigkeit.

Archetypische Traumbilder sind starke, deutlich spürbare Ursituationen, große Gefühle wie panische Angst oder ekstatische Freude, die gedeutet große Veränderungen im Leben des Träumers bewirken.

Freund und Jung waren natürlich nicht die einzigen Traumdeuter, viele verschiedene Therapierichtungen haben eigene Theorien zur Deutung entwickelt, aber man kann gewiss behaupten, dass sie die wichtigsten Wegbegleiter der emotional-psychologischen Traumdeutung waren.

Auch die moderne Wissenschaft hat die Traumphasen mittlerweile entdeckt und sie als REM-Schlaf (rapid-eye-movement, schnelle Augenbewegungen) bezeichnet. In gewisser Weise ist auch hier der Traum als "Hüter des Schlafes" anerkannt, denn verhindert man die REM-Phase, die sich jede Nacht nach dem Tiefschlaf einstellt, schadet es dem Menschen erheblich. Schon nach kurzer Zeit kommt es zu erhöhter Reizbarkeit, Erschöpfungszuständen und Sinnestäuschungen.

Die Traumsprache ist schwer zu entziffern, da ihr die Begriffssprache fehlt. Was sie sagen will, muss sie anschaulich hinmalen oder symbolisieren. Objekte werden in Umrissen, flüchtig und frei hingehaucht, so dass Träume zwangsläufig im individuellen Zusammenhang mit der Entwicklung und dem Leben des Träumers gedeutet werden müssen, um Heilung und Veränderung zu bewirken.

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