ModeWöhrl: Modehaus in der Krise

Inhalt
  1. Wer steckt hinter Wöhrl?
  2. Was ist passiert?
  3. Was unternimmt Wöhrl?
  4. Wie sieht die Zukunft aus?

Das Modeunternehmen Wöhrl droht in die Insolvenz zu rutschen. 1933 gegründet, ist das Familiengeschäft nun in den Händen der dritten Generation - und muss innerhalb von drei Monaten aufgepäppelt werden.

Wer steckt hinter Wöhrl?

Wöhrl sieht sich selbst als "eines der führenden Unternehmen des Mode- und Sporteinzelhandels." In 34 Wöhrl-Läden arbeiten rund 2.300 Mitarbeiter - ein unglaubliches Wachstum, wenn man bedenkt, dass das Familienunternehmen zwischen zwei Weltkriegen entstanden ist.

Zunächst unter dem Namen "Zetka" (Abkürzung für "zuverlässige Kleidung"), verkaufte der Gründer Rudolf Wöhrl im Jahr 1933  erstmalig Herren- und Jungenbekleidung. Damit war Wöhrl sogar erfolgreich - bis sein kleiner Laden im zweiten Weltkrieg zerbombt wurde. Mit seiner Ehefrau Berta Wöhrl kam es 1949 zur Neueröffnung, also kurz nach dem Krieg. Mit Hilfe von 15 Mitarbeitern schneiderte das Ehepaar aus alten Uniformen, Zeltplanen und Decken neue Mäntel, Anzüge und Hosen.

Die Kreativität zahlte sich aus: in den 50er Jahren machten die Wöhrls immer größere Umsätze, sodass in den 60er Jahren weitere Wöhrl-Filialen eröffnet werden konnten. 1970 gab es schon 5 Wöhrl-Filialen mit 500 Mitarbeitern. Im gleichen Jahr übertrug Rudolf Wöhrl das Unternehmen seinen beiden Söhnen, Hans Rudolf und Gerhard.

Der Erfolg ging in den 1980er und 90er Jahren weiter (1987 Auszeichnung mit dem "Internationalen Modepreis", 1988 Gründung der "Wöhrl Akademie" zur Ausbildung von Führungskräften, in den 90ern Expansion in die neuen Bundesländer). 2001 erhielt Wöhrl noch den "Bayerischen Qualitätspreis für höchste Unternehmensqualität im Einzelhandel." 2002 wurde aus dem Unternehmen eine Familien-AG mit den beiden Wöhrl-Söhnen im Aufsichtsrat.

Und dann?

Was ist passiert?

Der Umsatz von Wöhrl geht von Jahr zu Jahr zurück. Zudem prognostizieren Expertem dem Modehaus einen Jahresfehlbetrag von über einer Million Euro bis Ende 2016. Laut der Rudolf Wöhrl AG liegt das am "schwächeren operativen Geschäft" und "geringeren Sondererträgen als geplant" - oder einfach gesagt: Immer weniger Menschen kaufen bei Wöhrl ein. Doch warum ist das so?

2008 feierte Wöhrl 75-jähriges Jubiläum. Viele Wöhrl-Filialen wurden modernisiert, Ladenkonzepte erneuert. Nur eine Sache hat die Familien-AG verschlafen: das boomende Online-Geschäft.

So liegt der Hauptgrund der aktuellen Krise vermutlich in dem verpassten Ausbau des Online-Shoppings. Wöhrl hat zwar eine eigene Homepage, auf der die Produkte vorgestellt werden, allerdings haben die Kunden nicht die Möglichkeit, sie auch online einfach zu bestellen. Wöhrl bietet zwar sehr viele, bekannte Marken an (z.B. Adidas, Armani Jeans, Boss, Comma, Desigual, Esprit u.v.m.) Dem Unternehmen wird das fehlende Online-Angebot gerade wohl zum Verhängnis: die Blusen von Mexx, die Schuhe von Puma oder das Shirt von Only vertreiben schließlich zum einen auch andere Kaufhäuser (wie Karstadt, Kaufhof und Co.). Zum anderen haben die meisten dieser Marken ihre eigene Online-Präsenz - mit eigenem integriertem Online-Shop.

Seit 2012 liegt die Unternehmensführung in den Händen von Olivier Wöhrl - und somit in der dritten Generation. Im gleichen Jahr ergab eine Umfrage im Auftrag des Nachrichtensender n-tv, dass Wöhrl das beliebteste Modehaus Deutschlands ist. 2013 übernahm die Familie Wöhrl sogar SinnLeffers und schmückte sich mit der Auszeichnung "Top Arbeitgeber Deutschland." Sowohl die Popularität als auch die Arbeitsbedingungen blieben 2014 und 2015 weiterhin angesehen.

Ob es da schon gekriselt hat? Zumindest wurde im Jahr 2015 der Aufsichtsrat der Rudolf Wöhrl AG in großen Teilen neu besetzt.

Was unternimmt Wöhrl?

Schon Anfang 2016 leitete das Unternehmen ein sogenanntes "Restrukturierungsprogramm" ein. Und eigentlich unternimmt Wöhrl viel: Erst im April 2016 nahm Wöhrl weitere Marken ins Sortiment (u.a.  Carpisa und Hobbs), holte sich für das operative Geschäft den Textil-Experten Dieter Portisch ins Boot und startete eine Kooperation mit "Von Floerke". Alles schön und gut - doch der erst zu Jahresbeginn gestartete Online-Shop "Myoutfit" kommt nicht so richtig in Fahrt. Vielleicht, weil diese Art des Online-Shoppings etwas ungewohnt ist und nicht dem klassischen "click & buy"-Prinzip entspricht, den die meisten Online-Kunden so sehr lieben.

Zudem gibt Wöhrl zu, "Managementfehler bei der Übernahme von SinnLeffers" (2013) begangen zu haben.

Jetzt will Wöhrl ein sogenanntes "Schutzschirmverfahren" beim Amtsgericht Nürnberg beantragen. Ziel ist es, die Erlaubnis zu bekommen, das Geschäft nochmal selbst zu sanieren, ohne in die Insolvenz gedrängt zu werden. Ab dann hat das Unternehmen drei Monate Zeit, um einen Sanierungsplan vorzulegen. Das heißt: Filialen schließen, Kosten reduzieren, Sortiment neu gestalten. Und dann heißt es auch: Das Online-Geschäft ausbauen. Endlich.

Wie sieht die Zukunft aus?

Der eigentliche Plan von Wöhrl lautete: alle Filialen sollen erhalten bleiben. Laut Medienberichten sollen "unprofitable Filialen" aber doch geschlossen werden. Zurzeit ist die Rede von "sechs bis zehn Filialen." Das heißt womöglich auch: Personalabbau.

Zudem will sich Wöhrl auf die stärksten Modemarken beschränken, somit eine stabile Basis schaffen.

Olivier Wöhrl, im Augenblick noch Vorstandsvorsitzender der Familien-AG, soll zum "Chief Strategic Officer" (also für die Weiterentwicklung des Geschäftsmodels verantwortlich) werden. An seine Stelle tritt Andreas Mach, der aktuelle Aufsichtsratschef. Und Mach sagt: "Unser Ziel ist es, die Gruppe als Ganzes zu erhalten.“

Im Augenblick sucht Wöhrl nach einem passenden Investor - Familie Wöhrl würde sich sogar als Minderheitsgesellschafter zurückziehen.

Fazit: Auch wenn Wöhrl gerade am seidenen Faden hängt, glauben wir, dass das traditionsreiche Unternehmen es noch packen kann.

 

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