Wohlbefinden durch aktiven Säureabbau

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Prof. Dr. rer. nat. Jürgen Vormann
Foto: djd (deutsche journalisten dienste)

Experten-Interview

Der WUNDERWEIB-Experte für aktiven Säureabbau, Prävention und Ernährung : Prof. Dr. rer. nat. Jürgen Vormann

Prof. Dr. rer. nat. Jürgen Vormann vom IPEV Institut für Prävention und Ernährung ist Mitglied der American Society for Nutrition und mehrerer deutscher wissenschaftlicher Gesellschaften. Außerdem ist er im Vorstand und wissenschaftlichen Beirat verschiedener Gesellschaften für Nährstoffmedizin.

Im großen WUNDERWEIB-Interview erläutert der Experte, wie das Säure-Basen-Gleichgewicht aus der Balance gerät, hat Rat für einen aktiven Säureabbau und erklärt, warum das Osteoporoserisiko durch eine Übersäuerung steigt.

Wie gerät das Säure-Basen-Gleichgewicht aus der Balance?

Prof. Vormann: Generell nehmen wir mit unserer üblichen Ernährung einen Säureüberschuss zu uns, der über die Nieren wieder ausgeschieden werden muss. Mit zunehmendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit der Niere jedoch allgemein ab. So entsteht also das Problem, dass Säure weniger gut aus dem Körper entfernt werden kann. Gleichzeitig wächst die Säurebelastung über die Nahrung, da Lebensmittel mit basischen Mineralstoffen, wie Gemüse, Salat und Obst weniger oft gegessen werden. Langfristig ist das Resultat eine sich einschleichende latente Übersäuerung.

Für welche Körperprozesse spielt das Säure-Basen-Gleichgewicht eine Rolle?

Prof. Vormann: Grundsätzlich sind alle Stoffwechselprozesse im Körper von einem ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt abhängig. Aus diesem Grund haben wir umfangreiche Puffersysteme wie Blut, Lunge, Leber, Nieren und Darm, die ein akutes Entgleisen des Säure-Basen-Haushalts verhindern – allerdings auf Kosten von Puffersubstanzen, deren Fehlen uns dann langfristig Probleme bereiten kann.

Wie stellt man eine Übersäuerung an sich fest und warum belastet sie den Körper?

Prof. Vormann: Leider gibt es keinen einfachen Test, um dies festzustellen. Deshalb muss man auf die Symptome achten, die mit einer Übersäuerung verbunden sein können: allgemeine Müdigkeit, Abgespanntheit, Unausgeglichenheit, aber auch unspezifische Muskelprobleme können ein Zeichen einer Übersäuerung sein.

Was führt zu einem sogenannten Säureüberschuss? Kann der Körper das nicht selbst regulieren?

Prof. Vormann: Ein Säureüberschuss wird vorwiegend durch unsere Ernährungsgewohnheiten verursacht. Wir essen zu viel Getreideprodukte und große Mengen an Fleisch, Käse und Wurstwaren, die uns mit Säure belasten, während wir gleichzeitig zu wenig basenlieferndes Gemüse, Salat und Obst zu uns nehmen. Eine gewisse Säurelast können wir über die Niere wieder ausscheiden: Bei hoher Belastung und nachlassender Nierenfunktion muss ein Teil der Säure aber zusätzlich mit Basen neutralisiert werden, die aus den Knochen stammen. Darüber hinaus wird die Säure auch im Bindegewebe zwischengelagert.

Wie macht sich eine Übersäuerung noch bemerkbar?

Prof. Vormann: Die Zwischenlagerung von Säure im Bindegewebe führt dazu, dass die wichtige Wasserbindung in diesem Bereich nachlässt und die Funktion dieser Strukturen beeinträchtigt ist. Das kann sich unter anderem als Cellulitis äußern. Eine Übersäuerung kann aber auch lokal durch Entzündungsprozesse verursacht werden, wie sie zum Beispiel bei der rheumatoiden Arthritis häufig ist. Die Schmerzempfindlichkeit nimmt dadurch wesentlich zu. Eine hohe Basenzufuhr kann deshalb die Schmerzproblematik bei dieser Krankheit deutlich vermindern.

Aktuelle Studien legen einen Zusammenhang zwischen Übersäuerung und erhöhtem Osteoporoserisiko nahe. Warum kann Übersäuerung den Knochen schaden?

Prof. Vormann: Es ist inzwischen bekannt, dass Kalzium allein zur Vermeidung einer Osteoporose nicht ausreicht. Bei einer latenten Übersäuerung wird dieser Mineralstoff vielmehr aus dem Knochen herausgelöst, wodurch langfristig das Osteoporoserisiko steigt. Voraussetzung für die Wiedereinlagerung von Kalzium in den Knochen ist deshalb ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt. Dies konnte auch mit umfangreichen Studien belegt werden, die zeigten, dass nur bei gleichzeitiger Zufuhr von Basen und Kalzium die Knochendichte wieder erhöht werden konnte.

Oft wird auch bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen eine Übersäuerung festgestellt. Gibt es hier neue Erkenntnisse, auch im therapeutischen Sinn?

Prof. Vormann: Auch bei chronischen Rückenschmerzen ist anscheinend häufig eine Übersäuerung an der Schmerzentstehung mitbeteiligt. Studien zeigen, dass durch eine zusätzliche Gabe von Basen eine wesentliche Besserung erreicht werden kann.

Kann man allein durch Veränderung des Lebensstils, zum Beispiel durch eine entsprechende Ernährung, ein ausgeglichenes Verhältnis von Säuren und Basen erreichen?

Prof. Vormann: Prinzipiell kann man sich über die Nahrung mit basischen Mineralstoffen versorgen. Dies erfordert allerdings eine erhebliche Ernährungsumstellung, da man wesentlich mehr Gemüse, Salat und Obst verzehren muss. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass das für viele Menschen schwer umsetzbar ist, da insbesondere auch in höherem Alter Lebensmittel in großen Mengen nicht mehr so gut vertragen werden.

Ist die zusätzliche Einnahme eines Basenpräparates aus der Apotheke empfehlenswert?

Prof. Vormann: Wenn es nicht gelingt, die Ernährung entsprechend umzustellen, kann man den Säure-Basen-Haushalt mit einem Basenpräparat sehr gut unterstützen und wieder ins Gleichgewicht bringen.

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