Wohlstandskrankheit Diabetes – die schleichende Gefahr

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Weltweit steigt die Zahl der Diabeteskranken in besorgniserregender Weise. Auf dem 6. Weltkongress zur Prävention des Diabetes zeichnete sich Anfang April in Dresden auch für Deutschland eine düstere Prognose ab. Die Experten warnen angesichts der aktuellen Zahlen vor einer Epidemie. Hierzulande leiden inzwischen rund neun Millionen Menschen an der Volkskrankheit Nummer 1. Die Dunkelziffer wird sogar auf 13 Millionen geschätzt. Hauptursachen für diese Entwicklung sind das zunehmende Übergewicht der Deutschen und ihr bewegungsarmer Alltag. Das Tückische am Diabetes: Die am weitesten verbreitete Form, der Typ 2-Diabetes, nimmt meist einen schleichenden Verlauf. Viele Betroffene wissen daher gar nichts von ihrer Erkrankung. Nicht selten tauchen erst dann Symptome auf, wenn schon gefährliche Folgeschäden entstanden sind. Dabei kann die Krankheit ganz einfach durch eine am Morgen in nüchternem Zustand durchgeführte Blutzuckermessung festgestellt werden.

Die Internistische Fachklinik Dr. Steger in Nürnberg hat sich auf die Behandlung von Diabetes in all seinen Erscheinungsformen spezialisiert. Dr. med. Kirsten Peter Böhmer, Facharzt für Innere Medizin, Nephrologie, Hypertensiologie und Diabetologie beantwortet als Experte die wichtigsten Fragen rund um Diabetes.

Was ist Diabetes?

Dr. Böhmer: Bei Diabetes handelt es sich um eine chronische Stoffwechselstörung, die für eine dauerhafte Erhöhung des Blutzuckers verantwortlich ist. Grund dafür ist das Fehlen einer ausreichenden Menge des von der Bauchspeicheldrüse produzierten, verwertbaren Hormons Insulin oder seine unzureichende Wirksamkeit.

Welche Diabetesformen gibt es?

Dr. Böhmer: Diabetes mellitus ist ein Sammelbegriff für verschiedene Krankheitstypen. Der Diabetes mellitus Typ 1 tritt überwiegend bei Personen unter 25 Jahren auf und ist eine Autoimmunerkrankung, die derzeit noch nicht beeinflussbar ist. Die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse werden unwiederbringlich zerstört, die Betroffenen können jedoch durch eine lebenslange Insulintherapie gut behandelt werden. Die am weitesten verbreitete und oft weitaus schwieriger zu behandelnde Form ist der Typ 2-Diabetes. Er entsteht in erster Linie durch Übergewicht und Bewegungsmangel , doch auch das Alter und mögliche erbliche Veranlagungen spielen eine Rolle. Unter Typ 3 werden verschiedene Unterformen zusammengefasst, bei denen die Stoffwechselstörung beispielsweise durch Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Medikamente, hormonelle Störungen, Infektionen oder genetische Defekte ausgelöst wird.

Wie macht sich Diabetes bemerkbar?

Dr. Böhmer: Während sich bei Typ 1-Diabetes die typischen Anzeichen wie starkes Durstempfinden, häufiges Wasserlassen, Abgeschlagenheit, Juckreiz, Gewichtsabnahme und eine erhöhte Infektanfälligkeit bemerkbar machen, treten beim Typ 2-Diabetiker keine oder nur sehr unspezifische Symptome auf. Nicht selten ist das erste Symptom bereits Ausdruck einer der Folgekrankheiten des Diabetes mellitus.

Welche Auswirkungen kann eine unentdeckte Diabeteserkrankung haben?

Dr. Böhmer: Bei einem nicht behandelten Diabetes können aufgrund der gestörten Stoffwechsellage gefäßabhängige Funktionseinschränkungen auftreten, zum Beispiel eine Verkalkung der arteriellen Blutgefäße. Organe wie Haut , Niere , Hirn und Herz erleiden Durchblutungsstörungen. Es kann zu Nierenversagen, Schlaganfall, Erblindung oder gar zur Amputation der Füße oder Beine kommen – Schäden, die nicht wieder rückgängig zu machen sind. Umso wichtiger ist deshalb die Früherkennung!

Wie kann man Diabetes behandeln?

Dr. Böhmer:Das Ausmaß der Störung lässt sich durch wenige Blutwerte bestimmen. Ist der Diabetes diagnostiziert, sind die Ursachen der Erkrankung einzugrenzen: Wie viel Insulin wird noch produziert? Wie empfindlich spricht der Körper auf Insulin an? Gibt es Hinweise auf andere Stoffwechselstörungen, deren Folge der Diabetes ist? Therapeutisch ist es das Ziel, den Blutzuckerspiegel in den Normbereich zu senken. Dies wird zunächst durch diätetische Maßnahmen angestrebt, denn oft bedarf es nur einer Ernährungsumstellung oder Lebensstiländerung, um die Krankheit in den Griff zu bekommen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Bei Typ 1-Diabetes kommt sofort Insulin zum Einsatz, das unter die Haut injiziert wird. Um die individuell beste Einstellung für jeden Diabetiker zu finden, zu überprüfen und bei Bedarf angleichen zu können, werden die Tests regelmäßig wiederholt. Neue Erkenntnisse und Entwicklungen machen Therapien effizienter und komfortabler für den Patienten. So können beispielsweise beim Diabetes mellitus Typ 1 in besonderen Fällen Insulinpumpen an Sensoren gekoppelt werden, die kontinuierlich die Blutzuckerwerte messen. Bei Typ 2-Diabetes helfen neue Medikamente bei der Gewichtsabnahme und machen nicht selten eine Insulintherapie entbehrlich. Es kommt jedoch vor allem darauf an, aus der Vielzahl der Möglichkeiten für jeden Patienten die individuell optimale Therapie zu finden.

Was kann ich tun, um Diabetes aktiv vorzubeugen?

Dr. Böhmer: Übergewicht, energiereiche Kost und Bewegungsmangel sind die auslösenden Faktoren eines Diabetes mellitus Typ 2. Daher ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und wenig tierischen Fetten empfehlenswert. Die perfekte Ergänzung ist regelmäßige körperliche Aktivität, wobei die Sportart keine Rolle spielt. Die Hauptsache ist die Freude an der Bewegung.

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