YouNow: Eine Gefahr für Kinder?

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Zu viel von seiner Umgebung bei YouNow gezeigt - und schon wissen Nutzer, wo sie einen finden können
Foto: biglike / iStock

Die Videoplattform ist gerade DER Trend bei Kindern und Jugendlichen - und eine Gefahr

YouNow bietet Selbstdarstellung in Echtzeit - und wird vor allem von Kindern und Jugendlichen genutzt. Immer mehr Daten- und Jugendschutzbeauftragte warnen!

YouNow ist bei Kindern und Jugendlichen gerade extrem angesagt - wir berichteten bereits darüber, wie die Videoplattform funktioniert. Doch die Gefahr, die mit YouNow einhergeht, wird von den meisten unterschätzt.

Ich bin neugierig und gehe auf die Seite von YouNow. Ich bin gerade fünf Minuten im Videochat von Lisa (wofür ich mich nicht mal auf der Seite registrieren musste) und höre nur kurz zu, was sie ihren Zuschauern berichtet. Im Livechat stellen ihre Fans Fragen an sie. Ich weiß schon nach dieser kurzen Zeit, wenn ich Lisas Antworten zuhöre, in welcher Stadt sie wohnt, auf welche Schule sie geht, wie alt sie genau ist und wie ihre beste Freundin (die neben ihr sitzt) heißt. Lisa und ihre Freundin sind hübsche Mädchen, 16 und 17 Jahre alt. Und viel zu offen...

YouNow ist per App sowie im Browser bedienbar und bekannt, weil es auch viele YouTube-Stars nutzen. Doch während bei YouTube fertig produzierte Videos hochgeladen werden, überträgt YouNow das Leben in Echtzeit.

Nutzer berichten aus ihrem Leben und antworten per Webcam auf Fragen von Zuschauern, mit denen sie sich in einem begleitenden Chat unterhalten können. Es ist wie eine Pressekonferenz aus dem eigenen Kinderzimmer. Und die Kids, die das nutzen, können sich wie richtige Stars fühlen. So viel Aufmerksamkeit, so viel Interesse an ihrem Leben. Sie machen sich zurecht, bevor sie vor die Kamera treten, sind oft stark geschminkt. Und dafür ernten sie Komplimente von ihren Zuschauern. Ist das schön...

Daten- und Jugendschutzbeauftragte laufen Sturm. "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht", der Medienratgeber für Familien (eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend u.a.), warnt ausdrücklich: "Für Kinder und Jugendliche sind solche Dienste ungeeignet, denn sie wissen nicht, wer zuschaut. Zudem können diese persönlichen Aufnahmen schnell online kursieren und in falsche Hände gelangen", meint SCHAU HIN!-Mediencoach Kristin Langer. "Es ist wichtig, dass Eltern die Übersicht behalten, welche Angebote ihr Kind nutzt und mit wem es sich austauscht."

Bestes Beispiel ist wieder die Livecam von Lisa und ihrer Freundin. Wie gesagt, ich war nur wenige Minuten auf ihrer Seite und habe im Chat Fragen und Aufforderungen gesehen wie "Habt ihr Lust auf einen Dreier?", "Zeigt mal Eure Füße"... Lisa ignoriert diese Zeilen, liest andere Fragen vor. Aber Lisa ist auch schon 16 Jahre ("fast 17!") alt. Irgendwann fragt sie ihre Zuschauer zurück "Wie alt seid ihr denn?" und bekommt Antworten wie 21, 16, 18, aber auch 9 und 11. Reagiert eine 11-jährige ähnlich kühl auf unangebrachte Anfragen wie Lisa?

"11? Mit 11 darfst du aber eigentlich gar nicht hier sein", bemerkt auch Lisa. Ja, Teilnehmer benötigen einen Facebook-, Google+- oder Twitter-Account und müssen mindestens 13 Jahre alt sein - das Alter wird jedoch nicht geprüft.

YouNow hat nach eigenen Angaben ein, inzwischen auch deutschsprachiges, Moderatoren-Team, das 24 Stunden am Tag die Chats überwacht. Doch bei 100 Millionen Nutzersitzungen im Monat weltweit, 15 Prozent davon aus Deutschland, wie zuverlässig kann da das Moderatorenteam arbeiten?

"Schwierig ist auch, dass die Zuschauer anonym bleiben und mit widrigen Absichten die Unbedarftheit der Heranwachsenden ausnutzen können. Zudem können Nutzer mit pornografischen Inhalten belästigt werden", betont "SCHAU HIN".

Der Medienratgeber empfiehlt, dass Eltern und Kinder am besten folgende gemeinsame Vereinbarungen treffen:

1. Anmeldungen bei und Nutzung von Internetdiensten immer erst mit den Eltern besprechen. Was fasziniert Ihr Kind so daran? Warum möchte es mitmachen?

2. Nur unpersönliche Chatnamen verwenden, keine privaten Informationen veröffentlichen und bedenken, dass Bilder und Clips auch gespeichert und weiterverwendet werden können.

3. Kontakt zu fremden Chatpartnern vermeiden, sich zu nichts überreden lassen, unangenehme Gespräche abbrechen, den Chat verlassen und die Person melden sowie blockieren.

4. Den Chat niemals in privaten Räumen fortsetzen oder sich "real" treffen.

5. Vereinbaren, dass sich Kinder bei Fragen oder unangenehmen Situationen an die Eltern wenden.

Über das Portal "I-KiZ" oder auf www.jugendschutz.net können Eltern und Kinder unangemessene Inhalte melden. Bei schwerwiegenden Fällen erhalten Kinder und Eltern Hilfe bei der Nummer gegen Kummer e.V. (Kinder- und Jugendtelefon: 0800-1110333, Eltern-Hotline: 0800-1110550) oder bei der Polizei . Weitere Unterstützung bieten die Initiativen "Missbrauch verhindern!" sowie Zartbitter.

Auch bekannte YouTuber wie LeFloid und Tooncraft warnen inzwischen vor der zu offenen Nutzung von YouNow:

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