Zahnfleischbluten: Nehmen Sie Parodontitis ernst

zahnfleischbluten
Zahnfleischbluten kann das Herzinfarktrisiko positiv beeinflussen.
Foto: iStock

Mundhygiene

Roter Zahnpastaschaum im Waschbecken? Zahnfleischbluten ist ein Anzeichen für eine Entzündung und kann den ganzen Körper krankmachen. Das müssen Sie wissen.

Es klingt so harmlos: Zahnfleischbluten. Es zeigt sich, wenn man in einem Apfel beißt oder nach dem Zähneputzen rote Schlieren im Becken sieht. Die Medizin spricht von Parodontitis, einer Krankheit, unter der in Deutschland fast 80 Prozent der Bundesbürger leiden. Jeder Vierte von ihnen so schlimm, dass die Entzündung den festen Sitz des Gebisses bedroht. Parodontitis kostet den Durchschnittsdeutschen längst mehr Zähne als die gefürchtete Karies. Doch viel schlimmer ist: Zahnfleischbluten kann auch den ganzen Körper krankmachen.

Dr. Harold Eymer, Zahnarzt und Parodontologe aus Hamburg: "Die Symptome sind bei allen Menschen gleich. Das Zahnfleisch rötet sich und schwillt an. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zum Zahnfleischbluten." Manchmal schmerzt es sogar, und viele Betroffene leiden unter Mundgeruch. Nach und nach werden die Zahnhälse sichtbar und reagieren empfindlich auf Hitze und Kälte. Außerdem vergrößern sich die Zahnzwischenräume.

Zahnfleischbluten mit Folgen

Unbehandelt schicken Bakterien Entzündungsbotenstoffe in die Blutbahn. Diese rauen die Oberfläche der Blutgefäße auf. Schließlich bleibt so viel Fett daran hängen, dass das Blut nicht mehr fließen kann. Es kommt zu einem Gefäßverschluss. Der bringt das Herz zum Stottern und schließt schließlich Gehirnzellen von der Sauerstoffzufuhr ab. Studien der Universität Heidelberg haben gezeigt, dass das Herzinfarktrisiko um 270 Prozent, das Schlaganfallrisiko um 170 Prozent ansteigt. Außerdem fördert Parodontitis Arterienverkalkung sowie Diabetes und ist möglicher Auslöser von Alzheimer. Auch das Risiko für eine Frühgeburt ist erhöht.

Medizinische Hilfe

Wer unter Zahnfleischbluten leidet, sollte schnellstens den Zahnarzt aufsuchen. "Mit Hilfe einer speziellen Sonde prüfe ich die so genannte Taschentiefe", sagt der Experte. "Je tiefer ich in den Bereich zwischen Zahn und Zahnfleisch eindringen kann, desto weiter ist das Leiden fortgeschritten." Schuld für Zahnfleischbluten ist in den meisten Fällen mangelnde Hygiene.

Zweimal täglich Zähne putzen allein reicht nicht, einmal täglich muss auch die Zahnseide zum Einsatz kommen. Nur so ist es möglich, alle Speisereste zu entfernen.

Prophylaxe ist Pflicht

Ganz wichtig ist eine professionelle Zahnreinigung alle sechs Monate . Der Zahnarzt muss den Zahnstein entfernen, denn erst wenn die Zahnoberfläche glatt ist, kann sich Zahnfleisch wieder anlegen, so dass sich die Zahnfleischtaschen dauerhaft schließen. Der Zahnarzt entscheidet dann je nach Schweregrad des Zahnfleischblutens über weitere Behandlungen. Manchmal sind Antibiotika nötig, um alle Bakterien abzutöten. Nur Zähne putzen ist zu wenig.

Kategorien: