Zalando: RTL-Reportage zeigt schockierende Zustände

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Katastrophale Arbeitsbedingungen bei Zalando.
Foto: Presse

Zalando

"Die Emotionen kochen hoch". So nimmt Deutschlands beliebtestes und erfolgreichstes Online-Vertriebsunternehmen Zalando zu den katastrophalen Arbeitsbedingungen, die seit einer RTL-Reportage gestern Abend in aller Munde sind, auf seiner facebook-Seite Stellung. Die Fans sind schockiert. Wer einmal den netten jungen Postboten mit den vielen Paketen mit dem Unternehmen in Verbindung brachte, der erinnert sich heute nur noch an katastrophale Arbeitsbedingungen, Kontrolle und Misstrauen.

Undercover-Reporterin Caro Lobig (21) hat sich für das RTL Magazin ‚Extra‘ drei Monate als Lagerarbeiterin im Standort Erfurt eingeschleust. Ähnlich wie die Mitarbeiter muss auch sie erfahren, was es heißt, physisch und psychisch an seine Grenzen zu stoßen.

"Wir standen ständig unter Kontrolle und enormem Leistungsdruck", so Lobig. Das eigentliche Arbeitsgerät, ein Scanner, soll der Konzern zur Kontrolle der Arbeitsleistung missbraucht haben. Neben der verarbeiteten Stückzahl misst er die Arbeitsfrequenz der Mitarbeiter. Reicht diese nicht aus, soll man sofort zum Teamleiter gerufen werden. Schnell wird deutlich, welch enormer Druck auf den Schultern der Mitarbeiter lastet. Vertrauen? Fehlanzeige. Wer das Gebäude verlässt, müsse sich einer täglichen Diebstahlkontrolle unterziehen, so RTL. Und damit nicht genug. Selbst die Kollegen werden untereinander aufgerufen, sich gegenseitig zu verpetzten. Der Reiz: 500 € zur Belohnung.

Lobig stellt man als "Picker" ein. Ihr Aufgabe: Das Picken eingetroffene Bestellungen aus kilometerlangen Regalen. Täglich legt sie dabei 15-20 km zurück. An Spitzentagen kommt sie auf eine Strecke von bis zu 27 km. Zum Vergleich: ein Halbmarathonläufer bestreitet knapp 21,1 km in einem Wettkampf. Wer sich setzt, wird sofort zum Teamleiter zitiert. Selbst für einen kurzen Moment sei ihr das Sitzen absolut untersagt. Die Folge: Nerven- und Kreislaufzusammenbrüche. "Es vergeht kaum ein Tag, an dem dort kein Rettungswagen gerufen wird“, so ein Sanitäter.

Auch der Kreislauf der Extra-Reporterin sackt nicht nur einmal zusammen. Statt einer medizinischen Versorgung, wird ihr eine Verzichtserklärung unter die Nase gehalten. Mit einer Unterschrift willigt sie ein, dass sie auf die Versicherungspflicht des Arbeitgebers verzichtet. Ein eindeutiger Verstoß gegen die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.

Selbst an ruhigen Tagen soll Zalando grundlos die Arbeitswege der Picker verlängert haben. Sie müssen künstlich inszenierte Umwege laufen, um der Versuchung, sich hinsetzen zu wollen, zu entgehen. Klar sei auch: Selbst wer wollen würde, hätte kaum die Möglichkeit sich zu wehren. Ständig würden die Mitarbeiter von Mentoren bewacht und kontrolliert. Eine Arbeit der Gewerkschaft sei ebenfalls kaum möglich: "(…),weil die Menschen befristet beschäftigt sind und Gewerkschaft bei Zalando nicht gerne gesehen ist, erklärt Verdi-Vertreterin Marlen Schröder. Selbst als Undercover-Reporterin Caro Lobig mit ständigem Staubhusten zu kämpfen hat, wird sie bis zu fünfmal am Tag zu Gesprächen bei ihren Vorgesetzten zitiert. Aus gesundheitlicher Fürsorge? Fehlanzeige.

Das Unternehmen hat sich zu den Vorwürfen RTLs geäußert und dementiert: "Aus unserer Sicht entspricht diese Darstellung in keiner Weise der Unternehmenskultur und Mitarbeiterstimmung in der Logistik von Zalando. Unser Ziel und Anspruch bei Zalando ist es, ein guter und verantwortungsvoller Arbeitgeber zu sein."

Sie gehen noch einen Schritt weiter. Einmal im Jahr führe Zalando eine Umfrage durch, um die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter sicherzustellen, so der Online-Riese. "88 Prozent unserer Mitarbeiter macht ihre Tätigkeit Spaß. 84 Prozent unserer Mitarbeiter planen, langfristig bei Zalando zu bleiben. 80 Prozent der Mitarbeiter sind stolz, bei Zalando zu arbeiten."

Mehr zur Stellungnahme: http://www.zalando.de/zalando-logistik-faq/

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