Offener Brief einer Mama"Zu alt für den Kinderwagen"

Rachel ist Mutter zweier Töchter. Die eine ist elf, die andere fünf Jahre alt.

Rachel, leidenschaftliche Bloggerin, berichtet regelmäßig über ihr Leben. Unter anderem wie es ist, wenn die kleine Tochter unter dem sogenannten Hypermobilitätssyndrom (HMS) leidet, einer angeborenen Störung des Bindegewebes, bei der die Gelenke überbeweglich sind. Die Folge: Störungen des Muskel-Skelett-Systems, begleitet von schmerzenden Muskeln, Gelenken und Müdigkeit.

Muskelverspannungen, Nervenabklemmungen, Verstauchungen, ausgerenkte Wirbel - mit all dem muss die 5-Jährige jeden Tag leben. Um die chronischen Schmerzen einzugrenzen und ihnen entgegenzukommen, nimmt Rachel oft noch einen Kinderwagen für ihre Tochter mit, wenn sie unterwegs sind.

Und dann beginnt das Getuschel, Geläster und viele Vorurteile von Passanten, Fremden, Unwissenden.

Als Rachel die Nase davon voll hatte, beschloss sie, einen offenen Brief auf ihrem Blog zu publizieren: "An all diejenigen, die meine Tochter verurteilen."

"Dieser offene Brief ist an alle von euch, die meine Tochter und mich in den letzten Tagen gesehen haben - an die, die mit runzelnder Stirn und mit diesem Getuschel hinter meinem Rücken über mich und meine Tochter urteilten und denken, ich könnte sie nicht hören. Kommen sie zu mir, sprechen sie mich an und fragen sie mich, warum mein großes Kind in einem Kinderwagen sitzt.

Der Grund dafür ist, dass sie an einer Krankheit leidet, die leider extrem ihre Bewegungsfähigkeit einschränkt. (Übrigens, sie selbst hat damit das größte Problem, in ihrem Alter noch in einem Kinderwagen zu sitzen).

Wenn sie lange zu Fuß geht oder wenn es zu heiß ist, fangen die Schmerzen in ihrer Körperunterhälfte an und werden unerträglich, besonders in den Beinen und Knöcheln. So kann man wirklich nicht weit gehen, ohne getragen zu werden.

Auch wenn ich sie trage, kann sie nicht ihre Beine um mich legen, da ihr durch die Schmerzen keine Kraft mehr verblieben ist. Und um ehrlich zu sein, kann mein Rücken auch nicht auf Dauer ihr Gewicht bewältigen. Sie nimmt täglich Medikamente gegen die Schmerzen ein, um sich besser zu fühlen.

Sie braucht nicht immer den Kinderwagen. Es ist schon ein ganzes Jahr vergangen aber im letzten Urlaub mussten wir ihn wieder rausholen, da die Strecken zu weit waren.

Das nächste Mal, wenn sie mich und mein Kind sehen oder generell ähnliche Situationen erleben, denken sie zuerst und dann urteilen sie. Sie kennen die Geschichten dahinter nicht. Mit ihren vorschnellen Urteilen, bringen sie mich und das ist noch viel schlimmer, meine Tochter in eine sehr traurige und unangenehme Situation."

Mit diesem offenen Brief will Rachel nicht nur Verständnis dafür erhalten, dass ihre Tochter im Kinderwagen sitzt. Sie kämpft gegen Vorurteile von Fremden und plädiert für mehr Offenheit und weniger Vorverurteilungen gegenüber Fremden.

 

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