Zu Gast bei Freunden

zu gast bei freunden

Internet-Trend Couchsurfing

Die Web-Community vermittelt weltweit Schlafplätze, ermöglicht so eine neue, preiswerte Art des Reisens - viel Spaß und den ein oder anderen Flirt inklusive

Ganz easy überall auf dem Globus Menschen kennen lernen, die den Urlaubsort kennen und bei denen man kostenlos übernachten kann - davon träumen nicht nur Leute, die chronisch pleite sind. Die Couchsurfing-Community macht genau das möglich. Couchsurfer, das sind Leute, die statt in teuren Hotels lieber auf Sofas, Matratzenlagern oder auch mal feudal im Gästezimmer nächtigen - und im Gegenzug anderen Globetrottern Schlafplätze anbieten. Koordiniert wird das Ganze übers Internet: Fast 700.000 Mitglieder zählt das größte Gastfreundschaftsnetzwerk Couchsurfing.com, Tendenz: rasant steigend.

So wird man ein Couchsurfer >>

Gegründet wurde es 2004 von vier jungen Männern aus San Francisco, unter ihnen Casey Fenton, 30. Der aufstrebende Manager der New Economy hatte schon 1999 die Idee zueiner Art gemeinnützigem Reise-Verein , nachdem er sich auf Geschäftsreisen oft einsam fühlte. Auch heute noch bittet er Couchsurfer auf der Site: "Ladet mich ein, ich besuche euch!" Wir zeigen, wie das funktioniert, und lassen JOY-Leserinnen erzählen, welche spannenden Erfahrungen man dabei macht.

Ich liebe es, auf diese Art neue Freunde zu finden

Rostock Orianne, 26, war als Couchsurferin schon in den USA, jetzt gab sie einem US-Pärchen ein Bett für die Nacht - und eine Stadtführung.

Neulich hatte ich mal wieder volle Bude! Adam und Ashley stammen beide aus Kalifornien und haben sich selbst bei den Couchsurfern kennen gelernt. Ashley studiert mittlerweile in Göttingen, Adam war zu Besuch da, und die beiden haben ihre Rucksäcke gepackt, um gemeinsam Europa zu erobern.

Für eine Nacht machten sie Station bei mir in Rostock! Ich habe noch nie schlechte Erfahrungen mit den Gästen auf unserem Küchen-Matratzenlager gemacht, außer dass man vielleicht mit jemandem nicht so ganz warm wird.

Das erste Mal habe ich Ende 2006 zufällig von den Couchsurfern gehört, in einem Chatroom bei MSN. Zuerst nutzte ich das Portal, um auf meinen Kurztrips nach Hamburg oder Berlin mehr Leute kennen zu lernen . Später traute ich mich auf diese Art sogar in die USA.

Mittlerweile macht es mir immer mehr Spaß, anderen ein Dach über dem Kopf, einen Drink, ein Abendessen und hin und wieder eine lustige Nacht in der Stadt zu bieten. Nach einem Welcome-Drink und einem Essen haben wir mit Adam und Ashley Rostock besichtigt und sind auf den Rummelplatz gegangen. Für mich geht es beim Couchsurfen nicht nur um Gratisschlafplätze, sondern auch um globale Vernetzung, Toleranz und neue Freunde.

Beim Couchsurfing lernte ich auch richtig surfen!

Kanada Luise (20) rettete das Betten-Netzwerk den sechsmonatigen Urlaub

Toronto war schön - aber nicht ohne Geld. Meine Freundin und ich waren auf einer Reise durch Kanada, doch viel zu früh war die Reisekasse leer. Da hat uns ein Straßensänger auf die Couchsurfer aufmerksam gemacht! So begann im März 2007 unsere Surf-Reise über die unterschiedlichsten Couchen , Betten und Fußböden Kanadas.

Wir bereisten das ganze Land, von Québec über Montréal, wo wir bei einem göttlichen Hobbykoch landeten, bis nach Tofino ganz im Westen auf Vancouver-Island. Dort hat uns unser Host sogar gezeigt, wie man richtig surft - im Pazifik!

Unsere Gastgeber waren Leute wie du und ich, hatten aber eins gemeinsam: Sie sind weltoffen, hilfsbereit, reisefreudig, humorvoll und tolerant. Das mag ich auch an der Online-Community: Es gibt auf der Seite viele Gruppen, örtliche Treffs, Festivals oder Chats übers Trampen, Schlammbaden, Shoppen oder wie man sich mit schwulen Italienern trifft. Wer aber fremdenfeindliche Bemerkungen loslässt, wird von den Mitgliedern sofort zur Schnecke gemacht!

Seit diesem Sommer habe ich eine größere Wohnung inklusive Gästecouch - jetzt kann ich endlich die Gastfreundschaft zurückgeben und Leute aus aller Welt aufnehmen!

Ulises überließ uns seine komplette Wohnung

Weltreise Jasmin (26) wollte runter von den ausgetretenen Touristenpfaden

Nachdem meine Freundin Gesche und ich endlich das Studium abgeschlossen hatten, wollten wir noch ein großes Abenteuer vor dem Start in den Beruf erleben. Von April bis Oktober 2007 waren wir auf Weltreise - als Couchsurfer.

Wir haben das probiert, weil wir mehr von der Welt sehen wollten als das, was in Kurzbeschreibungen der Reiseführer und den so genannten "Geheimtipps" von Lonely Planet steht. Unser erster Host war Björn, ein Exilschweizer in Hongkong - er half uns enorm, da dort leider kaum jemand Englisch verstand.

Besonders gerne erinnere ich mich an Ulises und seine Schwester Violeta in Mexico City. Er holte uns mitten in der Nacht vom Flughafen ab , wir hatten seine ganze Wohnung für uns - er zog so lange zu seinen Eltern. Die Geschwister haben uns die Stadt gezeigt und fuhren mit uns am nächsten Tag nach Teotihuacán, wo wir gemeinsam auf die Pyramiden kletterten.

Das war einer der besten Tage meines Lebens. Besonders stolz bin ich, dass mich die beiden im Sommer auf ihrer Europareise in Köln besuchten und ich mich für die Freundlichkeit revanchieren konnte!

Es ist toll, Gästen meine Stadt zu zeigen

WienAnita (38) holte die weite Welt zu sich nach Hause

Früher war ich in der Gastronomie tätig und hatte täglich Kontakt mit Menschen aus aller Welt. Als ich dann einen Bürojob annahm , wurde das schlagartig anders. Zum Glück stieß ich vor drei Jahren auf die Couchsurfer, mit denen ich mir nun die Welt nach Hause hole. Ich hatte schon Gäste aus Island, Malaysia, Bulgarien und Ägypten. Auch wenn ich reise, bin ich immer wieder aufs Neue überrascht, wie herzlich ich empfangen werde.

Ich bin gerne und viel unterwegs, da trifft es sich gut, dass das Reisen als Couchsurfer so preiswert ist. Egal ob in London , Paris, Indien, Tschechien, Sri Lanka oder Polen - schlechte Erfahrungen habe ich noch nie gemacht. Auch die meisten meiner Gäste waren interessante und nette Leute. Klar gibt es welche, die Couchsurfing nur benutzen, um gratis wohnen zu können. Aber mit der Zeit lernt man, bei Anfragen zwischen den Zeilen zu lesen. Auch das Profil und die Comments geben wichtige Infos her!

Aus dem Besuch wurde eine anhaltende Freundschaft

AmerikaAnnelie (23) bereiste mit ihrer Mutter Birgit die gesamte Westküste der USA

Als reisende Studentin versucht man ja sowieso, stets bei Bekannten unterzukommen. Mit Couchsurfing geht das Ganze viel organisierter und schneller - und vor allem ist man unter Gleichgesinnten . Letztes Jahr habe ich es erstmals selbst ausprobiert, in Stockholm bei Johannes. Seine Wohnung im historischen Wasserturm konnte man auf der Postkarte ankreuzen!Die Do's & Don'ts beim Couchsurfing >>

Nach dieser positiven Erfahrung überredete ich meine Mutter, nach der Hochzeit eines Freundes in Seattle noch gemeinsam als Couchsurfer die Westküste zu bereisen. Es war perfekt, in San Francisco holte uns Gastgeberin Rebecca sogar vom Flughafen ab. Wir verstanden uns so gut, dass ich sie letzten November noch einmal besucht habe. In Portland nahmen uns unsere Hosts mit auf eine total schrille Geburtstagsparty - solche Dinge erlebt man als Normalreisender einfach nicht. Testen Sie, welcher Urlaubstyp Sie sind Up and away! - Vier Kontinente in 14 Tagen COSMOPOLITAN Online - Es muss ja nicht immer Strandurlaub sein