Zuckerkonsum & Diabetes - ein ungesundes Paar

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Die süße Droge

Hundert Gramm Zucker essen wir jeden Tag. Das sind 33 Stückchen Würfelzucker. Wer jetzt ungläubig den Kopf schüttelt: 27 Stückchen davon nehmen wir mehr oder weniger unbewusst zu uns. Was viele Menschen nicht wissen (oder gern verdrängen): In nahezu allen verarbeiteten Lebensmitteln ist Zucker drin, auch wenn sie überhaupt nicht süß schmecken. Gewürzgurken, Senf, Kartoffelsalat, Fertigpizza, Apfelrotkohl, Tomatenketchup - alles ist gesüßt und meist nicht zu knapp. Mancher Ketchup beispielsweise enthält 30 Prozent Zucker und schlägt damit locker Speiseeis. Das Problem: Auf Dauer kann unser Organismus so viel Süßes nicht verarbeiten und wird krank. Die Zahl der Diabetiker steigt seit Jahren, aber Mediziner machen den hohen Zuckerkonsum längst nicht nur für Diabetes und Fettleber verantwortlich, sondern auch für Übergewicht und die damit verbundenen Risiken wie Herzinfarkt und Schlaganfall. "Wenn wir nicht bald umdenken und weniger Zucker essen, bricht unser Gesundheitssystem in naher Zukunft zusammen", warnt Dr. Matthias Riedl, Ernährungsmediziner und Diabetologe.

Unser Geschmack gewöhnt sich rasch an weniger Süße

20 bis 30 Gramm Zucker am Tag hält Dr. Riedl für vertretbar, das wären also zwei Drittel weniger, als der Durchschnittsbürger bislang verputzt. Sein Tipp für den Anfang: "Langsam reduzieren. Kaffee und Tee nach und nach weniger süßen, daran gewöhnt man sich sehr schnell. Irgendwann entdeckt man dann den wahren Geschmack des Getränks und mag es gar nicht mehr so süß." Dieser Trick funktioniert auch bei selbst zubereiteten Speisen und Backwaren: Häufig lässt sich die Zuckermenge erheblich reduzieren. Lieber eine Prise als löffelweise empfiehlt Dr. Riedl. "So lernt man, seinen Süßgeschmack zu verändern, und kommt mit viel weniger aus."

Es ist ganz schön schwer, Zucker zu entgehen. An jeder Straßenecke locken süße Verführungen. Snacks, Kuchen, Eis und Limonade sind immer und überall verfügbar. Das passt zu unseren Lebensgewohnheiten: Wir essen viel häufiger außer Haus als noch unsere Eltern und greifen in der alltäglichen Hektik vermehrt zu Fertiggerichten. Bereits zum Frühstück kommen Cornflakes (Zuckeranteil: 37 %) auf den Tisch, zwischendurch darf es gern mal eine Milchschnitte (29,5 %) sein, und abends im Kino knabbern wir Chips mit scharfem Dip (33 %). Kein Wunder, dass sich der Zuckerkonsum weltweit innerhalb von 50 Jahren verdreifacht hat und weiterhin steigt.

Verbraucher wünschen sich eine Lebensmittelampel

Selbst regelmäßige Obstesser sind nicht auf der sicheren Seite. Denn auch Früchte enthalten Zucker, je süßer, desto mehr. "Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt ja jeden Tag fünf Portionen Obst und Gemüse", sagt Dr. Riedl, "die Empfehlung müsste aber eigentlich heißen: eine Portion Obst und vier Portionen Gemüse."

Weil Übergewicht und Diabetes allerorten grassieren, wird in vielen Ländern bereits über staatliche Maßnahmen nachgedacht, die den Zuckerkonsum reduzieren könnten. Nach einer Umfrage der Krankenversicherung DKV wünschen sich 74 Prozent der Deutschen auf allen Nahrungsprodukten eine Lebensmittelampel, die auf einen Blick erkennen lässt, ob Zucker, Fett und Salz im roten oder grünen Bereich liegen. Bislang gibt es eine solche Kennzeichnung nur in England. "Auch in der Bäckerei müsste an jedem Snack stehen, wie viel Zucker und Kalorien drin sind", sagt Dr. Riedl, "das wäre schon ein großer Schritt in die richtige Richtung." Bis dahin hilft leider nur eins: informieren, mit Bedacht auswählen und öfter mal verkneifen .

Die Zuckerfallen

Gummibärchen: 46 % Zucker

Joghurt-Gums: 71 %

Coca-Cola: 11 %

Russisch Brot: 51 %

Müsliriegel: 30 - 40 %

Curryketchup: 30 %

Cocktailsoße: 10 %

Apfelrotkohl im Glas: 10 %

Fruchtbuttermilch: 11 %

Balsamico-Dressing: 14 %

Cornflakes: 37 %

Dosenananas: 20 %

Nuss-Nougat-Creme: 58 %

Lakritz: 78 %

Weniger Zucker

Mozzarella: 1,5 %

Emmentaler: 0 %

Leberwurst: 1 %

Salami: 1,5 %

Bauernschinken: 0 %

Linseneintopf in der Dose: 1 %

Schlemmerfilet: 1,5 %

Tütensuppe: 1 %

Fertigpizza: 2 - 4 %

Hamburger: 4 %

Streichkäse: 3 - 7 %

Naturjoghurt pur: 5 - 7 %

Fertig-Kartoffelpüree: 1 %

Wiener Würstchen: 0,5 %

(Weitere Lebensmittel im Check auf www.ampelcheck.de )

Geschickt getarnt

Auf jedem verarbeiteten Lebensmittel müssen die Zutaten aufgelistet sein. Doch Zucker versteckt sich häufig unter einer anderen Bezeichnung: Glukose-Fruktose-Sirup, Invertzuckersirup, Dextrose, Maltodextrin, natürliche Fruchtsüße und Laktose. Addiert man die einzelnen Sorten, erhält man den wahren Zuckergehalt.

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