Mein Kind schläft auswärts24-Stunden-Kitas: Warum sie für viele Eltern so wichtig sind

Wer kümmert sich eigentlich nachts um das Kind, wenn beide Eltern im Schichtdienst arbeiten? 24-Stunden-Kitas sollen Familien unterstützen. Doch das Betreuungsmodell ist auch sehr umstritten.

Zu Anfang möchten wir mit dem ersten großen Vorurteil aufräumen: 24-Stunden-Kitas haben 24 Stunden geöffnet, kein Kind wird jedoch 24 Stunden am Stück betreut. Eltern haben aber die Möglichkeit ihre Kinder zu jeder Tages- und Nachtzeit betreuen zu lassen. Vor allem in Ostdeutschalnd boomen die 24-Stunden-Betreuungseinrichtungen. Warum? Im Osten der Republik ist fast jede vierte Mutter alleinerziehend, im Westen ist es jede Sechste. Hinzu kommt die Flexibilisierung und Globalisierung der Arbeitswelt. Spätschicht und Nachtarbeit schaffen Bedarf für die nächtliche Betreuung, nicht selten wird auch am Samstag oder Sonntag gearbeitet und nicht jeder hat den Luxus, dass sich Großeltern oder enge Freunde um den Nachwuchs kümmern können. Oft arbeiten beide Elternteile im Schichtdienst und was bleibt diesen Familien anderes übrig als ihr Kind in einer 24-Stunden-Kita unterzubringen?

 

"Mein Kind schläft heute auswärts"

Nehmen wir einmal folgende Familienkonstellation als Beispiel: Stefan und Nadine aus Hamburg arbeiten beide im Schichtdienst. Er ist Rettungssanitäter, sie Krankenschwester. Gemeinsam haben sie einen Sohn, den zweijährigen Mattis. Beide arbeiten im Zweischichtsystem: zwölf Stunden tagsüber von 7 Uhr bis 19 Uhr oder zwölf Stunden nachts von 19 Uhr bis 7 Uhr. Manchmal haben beide gemeinsam Tag- oder Nachtschicht. Die Familien der beiden leben mehrere hundert Kilometer weit weg, Stefan und Nadine sind also regelmäßig auf die Betreuung der 24-Stunden-Kita angewiesen - auch nachts. In Hamburg gibt es mittlerweile zwei 24-Stunden-Kitas. Für Stefan und Nadine ist dieses Betreuungskonzept ein Segen. Denn in der Kita kann Mattis auch übernachten. 

Doch das Betreuungskonzept ist umstritten, sehr zum Leidwesen der Eltern, die darauf angewiesen sind. Kritiker der 24-Stunden-Kita sind der Meinung, dass Kinder nachts zu Hause schlafen sollten, Hardliner glauben sogar, dass Eltern ihre Kinder mit dieser Art von Betreuung traumatisieren und ihnen so langfristig schaden. Nicht selten sind die Eltern Anfeindungen ausgesetzt, müssen sich verletzende Kommentare aus ihrem Umfeld anhören. 

 

Heftige Kritik und Vorurteile

Auch die Betreiber der 24-Stunden-Kitas sind heftiter Kritik ausgesetzt. Sie würden mit ihrem Betreuungskonzept ein falsches Signal senden, schließlich habe man doch jahrzehntelang für eine familienfreundliche Arbeitswelt gekämpft. Die 24-Stunden-Kita ist in ihren Augen ein Rückschritt, stattdessen sollten Eltern von der Nachtschicht befreit werden. Ein gutes Argument, doch bisher gibt es keine Gesetzesvorlage, die Eltern vom Schichtdienst befreit. Im Gegenteil, der Arbeitgeber entscheidet, wann der Arbeitnehmer eingesetzt wird. Und die Nachtarbeit nimmt sogar noch weiter zu: Laut Statistischem Bundesamt arbeitet fast jeder zehnte Berufstätige regelmäßig oder ständig nachts.

Die Eltern müssen bislang keine zusätzliche Beiträge für die nächtliche Betreuung bezahlen. Die dreijährige Förderung über das Bundesprogramm "KitaPlus" läuft in diesem Jahr aus, wie die 24-Stunden-Kitas dann finanziert werden, ist bisher unklar. Und was machen dann Eltern wie Nadine und Stefan, die Schichtdienst leisten und ihren kleinen Mattis in guten Händen wissen wollen? Den Job wechseln? Wieder näher an die Familien heranziehen? Als Rettungssanitäter und Krankenschwester dienen beide schließlich dem Allgemeinwohl, wenn es brennt, sind sie zur Stelle. Das gleiche Recht sollten die beiden doch auch haben, wenn es um die Betreuung ihres Kindes geht. Oder?

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