Was stimmt?

7 Impfmythen zur Corona-Impfung: Fakten-Check zu veränderter DNA, Nebenwirkungen und Bill Gates

Verschwörst du noch oder impfst du schon? Pünktlich zum Impfstart in Deutschland kursieren mehr Impfmythen zur Corona-Impfung durchs Netz als je zuvor. Ein Fakten-Check. 

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Impfmythen: Negative Auswirkungen auf Bevölkerung und Wirtschaft

Impfmythen sind so alt wie das Impfen an sich. Das macht die Gruselgeschichten über plötzlichen Kindstod, spontane Impotenz oder heimliche Chip-Implantate allerdings nicht wahr. Ganz im Gegenteil: Wie sich in der Corona-Pandemie zeigt, können Impfmythen gefährliche Auswirkungen haben. Denn während sich im April noch fast 80 Prozent aller Bundesbürger gegen das Coronavirus impfen lassen wollten, sind es jetzt nur noch 49 Prozent. Das liegt auch an den wilden Geschichten, die rund um die Corona-Impfung kursieren. 
Das Problem: Um eine Herden-Immunität in Deutschland zu erreichen – und damit das Coronavirus einzudämmen – müssten sich zwischen 60 und 70 Prozent der Bevölkerung impfen lassen. Geschieht dies nicht, drohen zum einen weitere Krankheits- und Todesfälle und zum anderen längere wirtschaftliche Belastungen durch weitere Lockdowns.  

Vorsicht tut gut, Verschwörungsmythen nicht

Es hilft nicht, Impfgegner und Skeptiker als verblendete Idioten abzustempeln. Grundsätzlich fördern Zweifel, Nachfragen und Skepsis die Demokratie. Denn nur über wiederholtes Fragenstellen findet eine Aufklärung der Bevölkerung statt, die dann das politische Geschehen aktiv mitgestalten kann. Und sind wir mal ehrlich: Es ist vollkommen in Ordnung, Angst vor dem Coronavirus und der Impfung dagegen zu haben. Vor allem, weil seit Tag 1 der Pandemie und verstärkt mit dem Impfstart in Deutschland die wildesten Impfmythen kursieren. Wir haben die sieben hartnäckigsten einem Fakten-Check unterzogen. 

Triage in der Corona-Krise: Was bedeutet das eigentlich?

1) Der Biontech/Pfizer-Impfstoff wurde nicht ausreichend getestet

Der hartnäckigste Impfmythos von allen kreist rund um das beschleunigte Zulassungsverfahren des Impfstoffes der Mainzer Firma Biontech und ihres US-amerikanischen Partners Pfizer. Der Wirkstoff, der unter dem Markennamen Comirnaty auf dem Markt ist, wurde im sogenannten Rolling-Review-Verfahren genehmigt. Dabei beantragen Hersteller schon während der Entwicklung ihres Produktes Einzelzulassungen – etwa zur Wirksamkeit, Qualität, Unbedenklichkeit und zu möglichen Nebenwirkungen – und müssen nicht abwarten, bis sie am Ende ihrer Forschungen einen einzelnen, vollständigen Zulassungsantrag einreichen können. 
Das Rolling-Review-Verfahren verkürzt den Zulassungsprozess um mehrere Monate, allerdings werden dabei keine Schritte ausgelassen. Der Biontech/Pfizer-Impfstoff wurde trotz des beschleunigten Verfahrens an über 43.000 Probanden getestet und durchlief sämtliche Phasen der Impfstoffentwicklung

2) Der Impfstoff wirkt nicht gegen die Corona-Mutationen

Kurz vor dem Impfstart in Deutschland wurden in Großbritannien und Südafrika Mutationen des Coronavirus' entdeckt. Obwohl die Virusvarianten deutlich ansteckender sein sollen als das bisher bekannte Coronavirus, ist es wahrscheinlich, dass ein Impfstoff auch gegen die Mutationen wirkt. Sicher ist es allerdings nicht. 
"Nach den bisher vorliegenden Daten scheint es so zu sein, dass der Impfstoff noch wirken sollte", sagte Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut (RKI), am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Weitere Untersuchungen seien allerdings nötig. 

3) Die Impfung verändert die DNA

Ein ganz klares Nein zu diesem Corona-Impfmythos: Comirnaty von Biontech/Pfizer greift nicht in die menschliche DNA ein – von Genmanipulation durch das Impfen kann keine Rede sein. 

Comirnaty ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff. Dieser enthält kein abgeschwächtes oder abgetötetes Virusmaterial, wie viele andere Impfstoffe, sondern ausgewählte Teile des Erbguts eines Virus'. Daher kommt auch der Impfmythos mit der veränderten DNA. Entgegen der Behauptungen wird der mRNA-Impfstoff nicht in die menschliche DNA eingefügt. Das wäre biologisch unmöglich. Vielmehr wird der Stoff ins Muskelgewebe gespritzt, wo das Immunsystem ihn als fremd erkennt und Antikörper bildet. 

4) Durch die Impfung kann man Corona bekommen

Ein Impfmythos, der auf dem Phänomen der "Impfmasern" basiert: Rund fünf Prozent aller Kinder, die gegen Masern geimpft werden, bekommen in den Folgetagen einen masernartigen Ausschlag, oft begleitet von Fieber. Da der Corona-Impfstoff keinerlei Virusmaterial enthält, besteht nicht die Gefahr, durch eine Impfung an COVID-19 zu erkranken. 

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5) Die Nebenwirkungen sind lebensbedrohlich

Auch hier ein klares Nein. Es wurde zwar vereinzelt von Impfpatienten berichtet, die nach der Corona-Impfung einen allergischen Schock erlitten haben. Jedoch sind solche Fälle Einzelschicksale: Der Großteil aller geimpfen Personen verträgt den Biontech/Pfizer-Impfstoff gut. 
Mit impftypischen Nebenwirkungen muss allerdings jeder rechnen: 

  • Schmerzen und Jucken an der Einstichstelle der Impfnadel
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Fieber
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Leichter Schüttelfrost

6) Der Impfschutz hält keine zwei Wochen

Tatsache ist: Die Wissenschaft kann noch nicht genau bestimmen, wie lange der Impfschutz wirkt. Uğur Şahin, Mitbegründer von Biontech, erklärte auf einer Pressekonferenz kurz vor Weihnachten, er und sein Team gehen von einem Impfschutz für "mindestens drei Monate" aus. Man wolle allerdings im Laufe der Anwendung eine Schutzdauer von bis zu zwei Jahren erreichen.

Was die Immunität angeht, gab es auch bei den schon mit Corona Infizierten bisher keine konkreten Ergebnisse. Mittlerweile hat sich ein Team um Assistenzprofessor Menno van Zelm von der Monash University in Melbourne aber dem Thema angenommen und ist zu einem überraschenden Ergebnis gekommen.

Die Forscher untersuchten Blutproben von 25 Corona-Patienten zwischen Tag 4 und Tag 242 nach der Infektion. Dabei konnte fest gestellt werden, dass die für die Immunität entscheidenden Gedächtniszellen auch nach acht Monaten noch vorhanden waren. Zwar ist die Studie durch die kleine Stichprobe nicht repräsentativ, aber gibt doch zumindest Hoffnung auf einen länger andauernden Immunschutz.

Der Biontech/Pfizer-Impfstoff wird in zwei Dosen im Abstand von rund drei Wochen verabreicht. Knapp vier Wochen nach der ersten Impfung besteht ein vollständiger Impfschutz. 

7) Heimlich gechipt: Bill Gates steckt hinter allem

Die am schwersten nachvollziehbare Verschwörungsgeschichte rund um Corona: Der Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Frau Melinda sind für die Corona-Pandemie verantwortlich. Dieser Mythos spaltet sich in hunderte kleinere Teile auf: So soll Bill Gates eine globale Impfpflicht durchsetzen wollen, weil seine nach ihm benannte Stiftung durch die Entwicklung von Impfstoffen Milliarden verdient. Außerdem plane er, die Weltbevölkerung durch heimlich implantierte Computerchips gefügig zu machen. 

Die wohl zeitsparendste Antwort auf diese Verschwörungsmärchen findet ein Arzt aus Pfuhl bei Neu-Ulm, dessen Praxis-Aushang in diesen Tagen auf Twitter viral geht. Darin widmet sich der Mediziner den drängendsten Fragen rund um die Corona-Impfung und kommentiert Bill Gates und die vermeintlich implantierten Chips mit einem in großen Lettern gefassten NEIN!