RechteAb wann ist Mietminderung möglich?

Schimmel, Lärm, Heizungs- oder Wasserausfall: Ab wann ist Mietminderung möglich? Und wie viel? Anwalt Markus Mingers über die Rechte der Mieter.

Inhalt
  1. Wann dürfen Mieter bei Mängeln die Miete mindern?
  2. Wie ist bei einem Mangel vorzugehen? 
  3. Wieviel Prozent Mietminderung sind angemessen?
  4. Dürfen Mieter auch bei Mängeln mindern, an denen der Vermieter keine Schuld hat?
  5. Was droht, wenn sich die Mietminderung später als ungerechtfertigt herausstellt?

Gründe für eine Mietminderung gibt es viele: von defekten Aufzügen oder Gegensprechanlagen und lauten Bauarbeiten, über Schimmel, üble Gerüche und Gaststättenlärm bis hin zu Heizungs- oder Wasserausfall sowie Ungeziefer.

Etwa 60 Prozent der Deutschen wohnen zur Miete. Doch nicht alle kennen ihre Mietminderungs-Rechte gegenüber ihrem Vermieter. Ein Interview mit Rechtsanwalt Markus Mingers über die Ursache und Höhe für Mietminderung.

Wann ist eine Mietminderung legitim, Herr Anwalt?
Wann darf man als Mieter die Miete mindern? Mietminderungstabellen helfen bei der Einschätzung
Foto: iStock
 

Wann dürfen Mieter bei Mängeln die Miete mindern?

Eine Mietminderung kommt dann in Frage, wenn der aufgetretene Mangel - wie etwa Schimmel, Wasserschäden oder Ratten im Keller - den Gebrauch der Wohnung beeinträchtigt.

Es gibt allerdings zwei Voraussetzungen für eine Mietminderung:

  • Der Mieter hat die Schäden nicht selbst verursacht.
  • Der Mieter kannte den Mangel schon beim Einzug in die Wohnung.
 

Wie ist bei einem Mangel vorzugehen? 

Der Mieter muss den Vermieter zunächst schriftlich dazu auffordern, den Mangel zu beseitigen. Empfehlenswert ist es, direkt eine Frist festzulegen, binnen welcher der Vermieter den Mangel beseitigen soll. Am besten ist es, dem Vermieter bereits im Schreiben anzukündigen, dass bei Nichtbeseitigung des Mangels eine Mietminderung droht. Mit dieser Aussicht ist so mancher Vermieter gewillt, möglichst schnell Abhilfe zu leisten.

Wenn der Vermieter in dem vorgegebenen Zeitraum trotzdem nichts unternimmt, kann die Miete gemindert werden - und zwar auch schon rückwirkend ab dem Tag, an dem der Mangel aufgetreten ist.

 

Wieviel Prozent Mietminderung sind angemessen?

Wie viel Prozent Mietminderung in Frage kommen, ist von der Art des Mangels abhängig. Im Gesetz (Bürgerliches Gesetzbuch §536) steht dazu leider nur, dass die Minderung angemessen sein soll – es handelt sich dabei also immer um eine Einzelfallentscheidung. Nützlich sind hier Mietminderungstabellen, die aufzeigen, wie viel Prozent Minderung bei welchem Mangel üblich sind. 

 

Dürfen Mieter auch bei Mängeln mindern, an denen der Vermieter keine Schuld hat?

Selbst wenn der Vermieter nicht für den Mangel verantwortlich ist - zum Beispiel den Baulärm von der gegenüberliegenden Großbaustelle oder laute Nachbarn - berechtigt es den Mieter zur Mietminderung.

 

Was droht, wenn sich die Mietminderung später als ungerechtfertigt herausstellt?

Im schlimmsten Fall droht dem Mieter eine Kündigung - wegen Zahlungsverzug. Ganz so einfach hat es der Vermieter dabei allerdings nicht. Wenn die Miete z.B. zu stark gekürzt wurde, der Mangel aber besteht, liegt kein Verschulden des Mieters vor und die Kündigung hat keinen Bestand.

Ab wann ist Mietminderung möglich, Markus Mingers?
Markus Mingers, Inhaber der Kanzlei Mingers & Kreuzer in Köln, ist u.a. auf Mietrecht spezialisiert
Foto: Markus Mingers

Auch interessant:

>> Mietminderung bei Schimmel: Wie sind meine Rechte als Mieter?

>> Heizungsausfall: Mietminderung von bis zu 100 Prozent möglich

>> Neuer BGH-Beschluss: Kinderlärm kann Grund für Mietminderung sein

>> Hitze in der Wohnung: Mietminderung möglich

>> Mietrecht: Nachts muss die Temperatur mindestens 18 Grad erreichen

(ww7)

Kategorien: