PolitikAltersheime schließen! Pflegebevollmächtigter fordert Personaluntergrenze

Im Bereich der Pflege herrscht Personalmangel. Seit fünf Monaten ist Pflegebevollmächtigter Andreas Westerfellhaus im Amt und er möchte etwas ändern. Und dass ist nötig, denn die ersten Pflegeheime müssen bereits wegen Personalmangel endgültig die Türen schließen.

Seit Montag läuft der Auszug aus den Räumlichkeiten eines Pflegeheims in Mönchengladbach. Wie der „WDR“ berichtete, verlor das Altenheim seine Betriebserlaubnis, weil es nach Ansicht der Heimaufsicht zu wenig Personal, eine mangelnde Pflege und eine nicht ausreichende Pflegedokumentation gab. Da das Pflegeheim nun seine Türen wegen Personalmangel geschlossen hat, müssen alle Bewohner bis Donnerstag eine Alternative gefunden haben. Und scheinbar ist die Schließung des Altenheims erst der Anfang. Auch andere Heime rund um Mönchengladbach haben um Hilfe gebeten.

 

80 Prozent der Pflegekräfte sind Frauen

Andreas Westerfellhaus ist seit fünf Monaten Pflegebevollmächtigter und ist sich der schweren Lage des Pflegebereichs bewusst. „Als jemand, der direkt aus der Pflegeprofession kommt, weiß ich um die hohe Erwartungshaltung der Branche“, sagt er in einem Interview zum „Tagesspiegel“. Ein großer Faktor der schlechten Besetzung der Pflegekräfte sei die Bezahlung. „80 Prozent der Pflegekräfte sind Frauen. Ein großer Teil ist teilzeitbeschäftigt, viel zu oft unfreiwillig. Und es macht mich wütend, wenn mir in München eine junge Frau sagt: Ich kann es mir hier nur leisten, als Altenpflegerin zu arbeiten, weil mein Mann Hauptverdiener ist. Das muss man sich mal vorstellen“, sagt Westerfallhaus.

 

Personaluntergrenze unvermeidbar

Der Pflegebevollmächtigte will nun eine Personaluntergrenze schaffen: „Wir brauchen Personaluntergrenzen für alle bettenführenden Abteilungen. Was für Kliniken gilt, muss auch für die stationäre Altenpflege gelten.“ Wer sich daran nicht halte, dem drohen Sanktionen, legt Westerfallhaus fest. Sonst würde es, so äußerte sich Grünen-Politikerin Kordula Schulz-Asche, eine Sogwirkung geben, die Pflegefachkräfte aus anderen Krankenhausabteilungen und der Altenpflege abziehe. Nötig ist es alle Male, denn „Menschen gehen ins Krankenhaus, weil sie Pflege brauchen. Sonst könnten sie sich ambulant behandeln lassen. Wenn nicht genügend Fachpersonal vorhandeln ist, funktioniert das nicht. Die Untergrenzen sind die dunkelroteste Linie, die man sich vorstellen kann“, stellt der Pflegebevollmächtigte weiter klar. „Wir brauchen auch in Heimen valide Mindestvorgaben für das vorzuhaltende Fachpersonal.“

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