Richtige Krankheit?

Cave-Syndrom: Wenn die Corona-Lockerungen zu Unbehagen führen

Jan Wälder

Endlich wieder mehr Freiheit? Was die einen freut, macht den anderen eher Panik. Alle Infos zum Cave-Syndrom gibt's hier.

Die Corona-Lockerungen sorgen vielerorts für große Befreiung – aber fast ebenso oft sorgen sie für Angst. Was ist dran am sogenannten Cave-Syndrom?

Hikikomori: Ein Leben in (un)freiwilliger sozialer Isolation

Cave-Syndrom: Corona-Lockerungen machen Angst

Leidest du unter dem Cave-Syndrom? Möglicherweise, auch wenn es eigentlich keine Krankheit, sondern ein normaler psychologischer Vorgang – der Name Cave-„Syndrom“ ist also eigentlich Quatsch. Hervorgebracht worden ist er in den USA und soll verdeutlichen, dass sich die Menschen zurückziehen – daher auch das englisch Wort für Höhle: „cave“. Mit irrationaler Angst hat die Angst vor Lockerungen nichts zu tun.

Dennoch haben viele Menschen keine große Euphorie, wenn es zu Lockerungen kommt. Eher Angst, wie eine Umfrage der American Psychological Association (Seite 8 unten links) aus dem Jahr 2021 zeigt. Demnach fühlten sich 48 Prozent der Amerikaner nicht gut bei dem Gedanken an soziale Kontakte, wenn die Pandemie endet.

Und auch der Gedanke, das Leben dann wieder so zu führen wie vor Pandemie, führt bei etwa der Hälfte aller Befragten zu Angst. Die Unterschiede von Geimpften und Ungeimpften sind hierbei nur unerheblich – es geht mehr oder minder allen gleich.

Dieses Unbehagen wurde mit dem Begriff „Cave-Syndrom“ umschrieben, allerdings ist es keine Krankheit, wie auch Angstforscher Georg Alpers von der Uni Mannheim 2021 zur „tagesschau“ sagte. „Wir mussten uns über ein Jahr sehr mit Bedacht verhalten“, so der klinische Psychologe. Dass man jetzt wieder Freunde umarmen und zu Hause empfangen könne oder Ähnliches, daran müssten sich viele erst wieder gewöhnen.

Auch an Menschenmassen in Restaurants, Stadien und auf Flohmärkten, Konzerten oder privaten Veranstaltungen wie Hochzeiten müssen sich manche Menschen noch gewöhnen. Einfach mal so in die U-Bahn steigen, das ist nicht für alle mit schönen Gefühlen verbunden - ebenso wenig wie Einkaufen gehen ohne Maske, während die Quarantänepflicht für Infizierte nicht mal halb so lang ist wie am Anfang.

Angst vor Lockerungen: Wenn die mahnenden Experten im Kopf sind

Jetzt hast du vielleicht eben schon gedacht – wie, Freunde umarmen? Und dann auch noch daheim? In geschlossenen Räumen ohne Maske? Die Experten wie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnten doch genau davor! Und die nächste Welle kommt bestimmt! Wie könnt ihr nur?! Denkt an die Virusvarianten! Womit wir schon wieder beim Thema Cave-Syndrom sind.

Während die einen ohne Rücksicht auf Verluste Party machen gehen oder Leute en masse treffen, sind die anderen weiterhin vorsichtig und lassen sich sehr viel Zeit mit persönlichen Lockerungen. Auch trotz der Impfung, die von vielen wiederum als Freifahrtschein gesehen wird - wobei inzwischen auch Ungeimpfte in vielen Bereichen des Lebens fast uneingeschränkt teilnehmen können.

Es geht beim Begriff „Cave-Syndrom“ eher um normale Vorsicht, die vielleicht auch noch eine Weile bestehen bleibt. Das ist von Mensch zu Mensch individuell, denn der Abbau der erlernten Vorsichtsmaßnahmen dauert unterschiedlich schnell. Manche Menschen gewöhnen sich einfach langsamer an Veränderungen und es ist wichtig für Mitmenschen, das zu akzeptieren. Stichwort Empathie.

Dennoch sei es wichtig, bewusst mit der Situation umzugehen, wie die Psychologin Lucia Steinmetzer dem Bayerischen Rundfunk (BR) sagt: „Wichtig ist es, ehrlich zu sich zu sein, warum man jetzt gerade zum Beispiel nicht auf die Sommerparty gehen will. Vermeide ich etwas, habe ich eher Angst. Oder tut es mir nur gut, weil ich etwas vermeide, also nur in diesem Augenblick gut und langfristig sicherlich nicht.“

Das "Cave-Syndrom" beschreibt das Unbehagen, das Menschen angesichts von Corona-Lockerungen spüren. (Symbolbild) Foto: Boris Jovanovic/iStock

Cave-Syndrom: Was hat die Pandemie mit uns gemacht?

Im Lockdown waren wir alle und die allermeisten haben sich auch an Kontaktbeschränkungen und Co. gehalten. Doch nun fallen die Regeln, mit der steigenden Impfquote und den neuen Omikron-Varianten verändert sich die Gefahrenlage.

Das ist zwar ein gutes Zeichen, aber im Lockdown haben sich auch viele Menschen Dingen hingegeben, die auf Dauer und in der Intensität nicht sehr ungesund waren. Viel Rauchen oder Trinken zum Beispiel. Oder vielleicht auch mangelnder Körperpflege, weil ja eh niemand hingeschaut hat, wie es einem geht, wie er unter den Klamotten aussieht - und durch die Maske konnte eh kein Mensch richtig riechen. Und die Leute vom Lieferdienst kennen einen ja nicht persönlich.

Jetzt ist diese Zeit allerdings vorbei, doch der oder dem einen oder anderen wird es sicherlich schwerfallen, die in der Pandemie gewonnenen „Freiheiten“ zugunsten sozialer Kontakte wieder loszulassen. Doch es ist nicht so schwer, wieder rauszukommen – für manche ist es nur leichter als für andere.

Cave-Syndrom loswerden: So klappt's

Solltest du also Züge der als „Cave-Syndrom“ beschriebenen Verhaltensweisen bei dir selbst festzustellen, ist das nichts Schlimmes, sondern absolut normal. Wichtig ist nur, in für dich passenden Schritten langsam wieder in die Gesellschaft zurückzukehren.

Du gehst ja schließlich auch im Supermarkt einkaufen und da ist auch nichts passiert, oder? Ein Schritt könnte beispielsweise beinhalten, dass du dir ein ruhiges Café suchst, wo alle Hygieneregeln eingehalten werden, wenige Leute sind und du draußen sitzen kannst, ohne dass du dich durch die Nähe der anderen unwohl fühlst. Andere Möglichkeiten sind, dass du mal durch die Stadt schlenderst, eine gute Freundin triffst, die du lange nicht gesehen hast oder an den Badesee gehst.

Denn es gibt inzwischen viele Möglichkeiten, möglichst sicher Menschen zu sehen oder Dinge zu erleben. Zum einen gibt es die Möglichkeit von Schnelltests. Die sind natürlich nicht zu 100% sicher, aber ein Instrument, um Treffen sicherer zu machen. Du musst dein Gegenüber ja erstmal nicht in geschlossenen Räumen sehen. Unschlagbar ist hingegen die Impfung, denn die verringert die Möglichkeit einer schweren Erkrankung immens – und das ist es, worum es geht.

Und falls du in Geschäfte gehst oder auf Konzerte, zwingt dich niemand dazu, deine Maske abzunehmen. Ebenso nicht im Kino oder Theater. Du wirst sehen, dass es den anderen herzlich egal ist, ob du mit einer Maske unterwegs bist oder nicht. Es ist vollkommen ok, Maske zu tragen, wenn du dich nicht wohl fühlst.

Und auch wenn Impfung und Schnelltest kein Freifahrtschein sind, kommen wir mit Vernunft meist ans Ziel. Vernünftig ist es, sich an Hygienekonzepte zu halten, die AHA-Regeln einzuhalten und die FFP2-Masken so zu tragen, dass sie sicher sind. Aber ist es vernünftig, jemanden direkt nach Ankunft aus einem Virusvariantengebiet oder der Entlassung aus der Isolation zu umarmen? Sicherlich nicht, aber das verlangt auch niemand von dir.

Wenn du oder eine Person, die du kennst, die beschriebenen Verhaltensweisen des „Cave-Syndroms“ zeigt, werden sie mit der Zeit meist von selbst wieder verschwinden – vielleicht kannst du aber auch selbst ein wenig mithelfen. Denn dass du dich oder diese Person sich komplett abkapselt, ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss – und mit kleinen Schritten können wir uns wieder an ein freieres Leben herantasten.

Du kannst zum Beispiel vor einem Treffen fragen, mit was sich eine Person wohl fühlt oder mit was auch nicht. Sollte das nicht möglich sein oder der Gedanke an Lockerungen große Probleme bereiten, kann auch eine Angstörung der Grund sein. Dann solltest du deine Ärztin kontaktieren, um dich entsprechend behandeln, damit auch du dich wieder wohlfühlen kannst.

„Wir erleben gerade eine Zeit der Spaltung, von nachlassendem Zusammenhalt, eine Zeit, in der persönliche Begegnungen zum raren Gut geworden sind“, so Rafael de Gendt, CMO Philip Morris Deutschland „aber nichts ist stärker als das „Wir“! Mit der Kampagne TOGETHER.DO appelliert Philip Morris Deutschland an das Wir-Gefühl seiner Konsument:innen. Das richtige Zeichen, nach einer Zeit sozialer Entbehrungen. Einen ersten Höhepunkt bildet dabei der TOGETHER DAY am 15. Oktober in Berlin mit geladenen GästenBegleitet von einem Line-up international bekannter DJs und lokaler Größen wird die TOGETHER.DO Community unter der Anleitung des Frankfurter Künstlerkollektivs TAB gemeinsam eine großflächige Wandmalerei – ein sogenanntes Mural – fertigstellen. Bereits in den vorangehenden Kampagnenwochen von August bis Oktober werden deutschlandweit viele unterhaltsame Möglichkeiten geboten, sich im Kleinen künstlerisch zu beteiligen. Alle Beiträge werden auf dem TOGETHER DAY vereint und eindrucksvoll in Szene gesetzt. 

Artikelbild und Social Media: Boris Jovanovic/iStock (Symbolbild)