GesundheitAntibiotika: Die Ein-Wochen-Regel ist überholt

Diese Erkenntnis über Antibiotika ändert alles: Anscheinend kann man das Medikament früher absetzen als gedacht. Die 7-bis-10-Tage-Regel gilt nicht mehr.

Wer krank war und Antibiotika nehmen muss, nimmt das Medikament auch dann noch, wenn die Symptome schon längst wieder abgeklungen sind. Diese Regel galt bislang immer und sollte verhindern, dass Symptome bei vorzeitiger Absetzung wieder zurückkommen, da die Erreger noch nicht komplett bekämpft sind. Mindestens sieben bis zehn Tage sollte man das Medikament deshalb nehmen. 

Anscheinend haben wir Antibiotika jedoch über all die Jahre hinweg falsch eingenommen, denn wie sich jetzt zeigte, steigt mit jedem Tag, den man ein Antibiotikum einnimmt, auch das Risiko, dass sich die Keime "an das Medikament gewöhnen" und dadurch resistent werden. Inzwischen sind viele Erreger gegen ein, zwei oder sogar noch mehr der gängigen Antibiotika unempfindlich. Und es entwickeln sich mehr Resistenzen, da Erreger immer wieder mutieren. In der EU fallen jährlich rund 25 000 Menschen solchen multiresistenten Keimen zum Opfer. 

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Durch eine zu lange Antibiotika-Einnahme werden Bakterien resistent
Foto: iStock

Eine weitere Folge der "Ein-Wochen-Regel" ist es, dass das Antibiotikum alle Keime in uns bekämpft - und damit anderen ebenfalls in uns lebenden resistenten Keimen, die sich bisher gegen andere Keime nicht durchsetzen konnten und daher keine Symptome zeigten, erst freie Bahn verschafft.

Beispiel: nehmen wir an, jemand trägt zwei schlechte Keime in sich, Keim X und Keim Y. Da Keim X stärker ist (zum Beispiel mehr Nährstoffe findet, einfach schneller ausbricht), kann Keim Y nicht ausbrechen, ist aber da. Wenn die Person nun von Keim X krank wird, bekommt sie ein Antibiotikum, das Keim X bekämpft. Keim Y ist aber gegen das Antibiotikum resistent - und hat nun mit der Vernichtung von Keim X und den vielen anderen, größtenteils sogar nützlichen Bakterien in uns, endlich freie Bahn. Und je länger wir das Antibiotikum gegen Keim X und alle anderen (auch guten) Konkurrenten von Keim Y in uns nehmen, um so mehr Zeit hat der schlechte, resistente Keim Y, sich auszubreiten.

Daher soll jetzt Krankheit für Krankheit ausgetestet werden, wie lang, bzw. wie kurz, eine Antibiotika-Behandlung wirklich ausfallen sollte. Bei einigen Krankheiten soll es zum Beispiel schon ausreichen, den Erreger mit einer 3-tägigen Antibiotika-Behandlung zu schwächen und dann den Rest den natürlichen Abwehrzellen zu überlassen - statt den Erreger mit einer 8-tägigen Antibiotika-Behandlung zu killen und die oben genannten Gefahren zu riskieren.

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