Medizinischer DurchbruchAntibiotika notwendig? Neuer Schnell-Test verrät es

Das voreilige Verschreiben von Antibiotika ist in Deutschland ein riesiges Problem. Mit diesem neu entwickelten Schnell-Test soll das jetzt verhindert werden.

Inhalt
  1. Wie funktioniert der Antibiotika-Schnell-Test?
  2. Vorteil des neuen Tests im Vergleich zum Bluttest
  3. Patienten drängen die Ärzte zur Verschreibung des Medikaments
  4. Was kostet die neue Untersuchungsmethode?

Antibiotika werden in Deutschland oft zu voreilig verschrieben. Wie die "Welt" berichtet wird das Medikament alleine in Hamburg pro Jahr etwa 500.000 mal verordnet. Erschreckend: Bei jedem dritten Erkrankten hilft ein Antibiotikum gar nicht. Es ist aber oft nicht nur wirkungslos, die Folgen sind viel weitreichender: Je häufiger ein Patient Antibiotika zu sich nimmt, desto schneller kann es passieren, dass sein Körper immun dagegen wird. Wenn es dann tatsächlich benötigt wird, ist es unwirksam und das kann gefährlich werden.

Dies wollen Krankenkassen und Ärzte mit einem Modellprojekt in der Hansestadt Hamburg nun verhindern. Dafür haben Wissenschaftler einen Schnell-Test entwickelt, der anzeigen kann, ob ein Antibiotikum notwendig ist oder nicht. Der Schnell-Test zeigt an, ob die Erkrankung bakteriell bedingt ist.

Antibiotika wirken nämlich ausschließlich bei bakteriellen Infektionen, gegen Viren ist das Medikament wirkungslos.

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Wie funktioniert der Antibiotika-Schnell-Test?

Der Schnell-Test ist ähnlich konzipiert wie ein Blutzuckertest. Mittels der neuen Untersuchungsmethode können Entzündungswerte, die durch Bakterien verursacht werden, festgestellt werden. Bei schwerwiegenden bakteriellen Infektionskrankheiten steigt das C-reaktive Protein an, dieses kann dann im Blut nachgewiesen werden. Die Methode wird daher auch als CRP-Schnelltest bezeichnet.

 

Vorteil des neuen Tests im Vergleich zum Bluttest

Die Diagnose erfolgt unmittelbar nach dem Test. Zuvor mussten Ärzte ihren Patienten stets Blut abnehmen. Erst nach zwei Tagen erhielten sie die Ergebnisse aus dem Labor. Diese Methode wurden in Arztpraxen aufgrund der aufwendigen Vorgehensweise meist gar nicht genutzt. Die Folge: Viele Ärzte verschrieben Antibiotika, obwohl es nicht notwendig war.

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Patienten drängen die Ärzte zur Verschreibung des Medikaments

Offenbar gibt es viele Patienten, die nicht wahrhaben wollen, dass Antibiotika nicht gegen virale Erkrankungen, wie Erkältung und Grippe, hilft. "Wir hören immer wieder, dass Patienten Druck ausüben, um Antibiotika verordnet zu bekommen. Mit dem Test können ihnen mögliche Sorgen genommen werden", bestätigt Walter Plassmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH), im Interview mit der Welt. Nun besteht die Hoffnung, dass weniger Patienten Antibiotika nehmen wollen, wenn der Schnell-Test unmittelbar schwarz auf weiß beweist, dass es nicht notwendig ist.

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Was kostet die neue Untersuchungsmethode?

Die tolle Nachricht: Patienten, die den Test durchführen lassen wollen, müssen sich im Regelfall keine Sorgen, um die Kosten machen. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Die Ärzte müssen für das Gerät 1000 Euro bezahlen und sich in der Handhabung schulen lassen.

Bisher handelt es sich um ein Modellprojekt, das lediglich Hamburger HNO- , Haus- und Kinderärzte nutzen können. Bleibt nur zu hoffen, dass der neue Schnell-Test bald auch in anderen Bundesländern möglich ist, um Resistenzen gegen Antibiotika zu verhindern.

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