Forscher besorgtAntibiotikaresistente Keime in der Arktis: Was bedeutet der Fund wirklich?

In der Arktis wurden antibiotikaresistente Keime nachgewiesen. Wo kommen die multiresistenten Bakterien her? Und vor allem: Welche Bedrohung stellt der Fund für die Gesundheit weltweit dar?

Blasenentzündung? Mandelentzündung? Sinusitis? Die Antwort auf zahlreiche Erkrankungen lautet oftmals: Antibiotika! Zumindest, wenn Bakterien im Spiel sind. Doch was, wenn diese nicht mehr wirken? Dann könnten selbst besagte Alltagskrankheiten tödlich enden. Die jüngsten Ergebnisse einer Untersuchung in der Arktis lassen fürchten, dass dieses Szenario nicht so weit weg ist, wie vielseits vermutet.

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131 multiresistente Gene

Ein Team aus Forschern verschiedener Universitäten weltweit reiste nach Spitzbergen, um dort Bodenproben 40 Bodenproben zu entnehmen. Was sie dabei fanden, ist besorgniserregend. Denn nachgewiesen wurde nicht nur ein einzelnes Bakterium, sondern insgesamt 131 antibiotikaresistente Gene. Darunter entdeckten sie einen alten Bekannten. Der sogenannte blaNDM-1-Stamm gilt als besonders gefährlicher Erreger, da er gegen sämtliche Antibiotika resistent ist. Und er ist nicht neu - bereits 2008 wurde der Keim in indischen Krankenhäusern, später auch im Grundwasser nachgewiesen. Der Fund zeigt, was passiert, wenn Krankenhauskeime beispielsweise durch falsche Hygiene verbreiten - und schlimmstenfalls ins Grundwasser gelangen.

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Wie sind die antibiotikaresistenten Erreger von Indien in die Arktis gelangt?

Die Inselgruppe Spitzbergen befindet sich zwischen Norwegen und dem Nordpol - also weit weg vom ursprünglichen Fundort des Bakteriums. Über den Verbreitungsweg können die Forscher nur mutmaßen. Vögel oder Reisende könnten das Bakterium eingeschleppt haben. Fest steht: Es verbreitet sich weltweit.

Die Forschungsergebnisse wundern nun im Magazin "Environment International" veröffentlicht. Studienleiter Professor David Graham zeigt sich alarmiert. Vor allem ruft er jedoch zu Zusammenarbeit auf. Multiresistente Keime seien keine lokales, sondern eine globale Bedrohung. Weltweit müsste an der Wasserqualität und Entsorgungskultur gearbeitet werden, um das Problem in Angriff zu nehmen.

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