WHO warntAntibiotikaresistenz  – Mehr Tote durch multiresistente Keime als durch Krebs

Immer häufiger greifen wir im Krankheitsfall zum Antibiotikum, um möglichst schnell wieder gesund zu werden. Das kann fatale Folgen haben, vor denen die WHO jetzt erneut warnt! 



Die Begriffe „Antibiotikaresistenz“ und „multiresistente Keime“ haben wir alle schon in dem einen oder anderen Zusammenhang gehört, aber was sie genau für uns bedeuten und in welchem Ausmaß unser Leben gefährdet werden kann, ist den meisten unklar. 
Im Prinzip ist es ganz einfach: Ein häufiger oder falscher Einsatz von Antibiotika erhöht die Gefahr, dass sich Resistenzen bilden und die Antibiotika nicht mehr wirken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO befürchtet daher, dass 2050 mehr Menschen durch resistente Erreger sterben könnten als durch Krebs. 

 

Wodurch entsteht eine Antibiotikaresistenz? 

In den 1960er Jahren rechneten Wissenschaftler noch fest damit, dass man Infektionskrankheiten im Jahre 2000 durch Antibiotika besiegt haben würde. Aber Bakterien sind echte Überlebenskünstler, die die Medizin heutzutage vor erhebliche Probleme stellen. Wirkt ein Medikament nicht mehr zuverlässig gegen die Bakterien, kann man mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit von einer Antibiotikaresistenz ausgehen. 
Hierbei unterscheidet die Wissenschaft zwei Arten von Resistenzen: 

  1. Eine bestimmte Bakterienart war schon immer weniger empfindlich auf das gegen sie angewandte Antibiotikum. In diesem Fall würde das Antibiotikum gar nicht erst wirken. 
  2. Bakterien erwerben die Resistenz spontan. Durch eine rasante Vermehrung von Bakterien durch Zellteilung verändert sich das Erbgut der Bakterien. Bestimmte Bakterien überleben und vermehren sich weiter, Resistenzen entstehen. 

Diese Resistenzen entstehen vor allem dann, wenn Antibiotika falsch angewendet werden. Unter falsch versteht man hierbei eine zu häufige Einnahme desselben Präparates, die zu kurze Einnahme oder eine zu niedrige Dosierung des Medikaments. All diese Fehler verhelfen den Bakterien dazu, sich auf das Antibiotikum einzustellen und eine Resistenz zu bilden. 
Gefährlich ist jedoch nicht nur die aktive, großzügige Einnahme der Antibiotika in der Humanmedizin, sondern der massenhafte Einsatz in der Tierhaltung, der zu einer passiven Antibiotika-Einnahme führt und die Entstehung von resistenten Bakterien um ein Vielfaches begünstigt. 
Die WHO rechnet bis 2050 mit einer jährlichen Zahl von10 Millionen Toten durch resistente Erreger. Womit es mehr Tote durch multiresistente Keime als durch Krebs geben würde. 

 

Wie kann dieses Problem bekämpft werden?

Laut WHO ist von einer steigenden Tendenz auszugehen. Daher wird vermehrt vor dem falschen Umgang mit Antibiotika gewarnt. 
Die Arzneimittelforschung steht nahezu still. Von 2008 bis 2011 kamen nur zwei neue Antibiotika auf den Markt. Ein Grund dafür ist, dass das Marktpotenzial in Bezug auf Antibiotika sehr gering ist. Vor allem die Entwicklung von Reserveantibiotika, die nur zum Einsatz kommen, wenn die Standardpräparate versagen, lohnt sich für die Pharmahersteller nicht. 
Die beunruhigenden WHO-Zahlen sorgen jedoch dafür, dass sich dringend mit dem Problem auseinandergesetzt werden muss. Eine Option wäre, die Entwicklung neuer Antibiotika finanziell mit Steuergeldern zu unterstützen
Außerdem müssten härtere Verordnungen dazu führen, dass die Antibiotika nicht leichtfertig über den massenhaften Einsatz in der Tierhaltung in unsere Lebensmittel und so in unsere Körper gelangen. 

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