Neue StudieAntibiotikaresistenz: Multiresistenter E.coli-Keim breitet sich in Deutschland aus

Immer häufiger wirken Antibiotika nicht. Insbesondere ein multiresistenter Keim breitet sich in Deutschland aus – welche Folgen hat die Antibiotikaresistenz?

Hat man eine bakterielle Infektion, nimmt man Antibiotika. So einfach schien die Heilung zahlreicher Krankheiten in den letzten Jahrzehnten. Doch nun steht die Medizin vor einem Problem: Die Bakterien haben sich weiterentwickelt.  Und immer weniger Medikamente schlagen an.

Wie akut die Lage tatsächlich ist, zeigen die Ergebnisse einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung. Forscher der Justus-Liebig-Universität in Gießen hatten insgesamt knapp 1000 Bakterien untersucht, die bereits in anderen Ländern der Welt auf dem Vormarsch sind. Dabei fanden sie einen Bakterienstamm, der sich auch in Deutschland rasant ausbreitet. Die Häufigkeit des multiresistenten Keims ist zwischen 2009 und 2016 von von Null auf 45 Prozent gestiegen.

Ein neues multiresistentes E.coli-Bakterium breitet sich in Deutschland aus.
Ein neues multiresistentes E.coli-Bakterium breitet sich in Deutschland aus.
Foto: iStock

Es handelt sich dabei um eine Untergruppe des Bakterienstamms „Escheria coli ST131“, einen multiresistenten Darmkeim, der weltweit bereits für zahlreiche Infektionen verantwortlich war. Insbesondere Blasenentzündungen und Sepsen werden durch das Bakterium ausgelöst. Das Problem: Der Keim hat sich an den übermäßigen Gebrauch von Antibiotika angepasst. Er bildet Enzyme, die Medikamente unwirksam machen. 

Solche multiresistente Erreger sind insbesondere in Krankenhäusern ein Problem. In Deutschland war bisher ein anderer E.coli-Stamm das häufigste Bakterium, das mit Antibiotikaresistenzen in Verbindung gebracht wurde. Nun ist ien neuer Keim auf dem Vormasch.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie verdeutlichen die Dringlichkeit der Entwicklung neuer Antibiotika. Auch die Wissenschaftler der Universität Gießen sehen Handlungsbedarf: Sie weisen darauf hin, dass nun weitere Studien notwendig sind, um die Folgen der rasanten Verbreitung des Bakteriums einschätzen zu können.

In der Vergangenheit zeigten sich Mediziner bereits besorgt, da Erreger der Geschlechtskrankheit Tripper deutlich seltener auf Antibiotika reagierten. Auch Blasenentzündungen sind immer schwieriger zu behandeln. Durch multiresistente Keime könnten vermeintlich harmlose Infektionen in naher Zukunft unheilbar werden und damit sogar zum Tode führen.

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(ww4)

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